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Impfwissen kompakt

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Impfen als Pflicht? Die Diskussion darüber hat sich auch an Masernausbrüchen in Schulen entzündet. Dort sind manchmal zu wenige Kinder immunisiert. Geht es ums Impfen, wird es schnell emotional. Argumente von Impfbefürworten treffen auf Äußerungen von Impfgegnern. Was stimmt und was stimmt nicht? Ein Faktencheck zur Europäischen Impfwoche. 

BEHAUPTUNG

Es gibt immer mehr Impfgegner

BEWERTUNG

Das stimmt nicht

FAKTEN

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung untersucht regelmäßig die Einstellung zum Impfen. Die jüngste Befragung von 2016 zeigt, dass der Anteil der Impfbefürworter gestiegen ist – von 69 Prozent im Jahr 2014 auf 77 Prozent 2016. Der Anteil der Befragten mit Vorbehalten ist dagegen deutlich gesunken, von 25 Prozent 2014 auf 18 Prozent 2016. Eine ablehnende oder eher ablehnenden Haltung hatten 2016 fünf Prozent (minus eins). 

BEHAUPTUNG

Wenn man sich impfen lässt, kann die Krankheit erst Recht ausbrechen

BEWERTUNG

Das ist falsch – mit extrem seltenen Ausnahmen. 

FAKTEN

"Die meisten Impfstoffe heute sind Impfstoffe, in denen nur noch Teile des Erregers vorkommen“, erläutert Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). In diesen Mitteln seien also keine vermehrungsfähigen Erreger, die Krankheiten auslösen könnten. Im Unterschied dazu gebe es Lebendimpfstoffe, die abgeschwächte Varianten eines Erregers enthielten.

Beispiele dafür sind Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Gelbfieber. "Diese Erreger können sich begrenzt vermehren“, sagt Cichutek. "Aber sie können die entsprechende Infektionskrankheit nicht mehr auslösen.“ Es gibt aber Ausnahmen: Im Ausland könne es auf drei bis vier Millionen mit Polio-Lebendimpfstoff – der in Deutschland nicht mehr gegeben wird – immunisierte Menschen im Schnitt bei einem Menschen zu Rückmutationen kommen, sagt Cichutek. Das heißt, dass dieser Mensch wirklich durch die Impfung Polio bekommt.

Bei den Masern gibt es zudem eine Besonderheit. So bekämen etwa 5 bis 15 Prozent der Geimpften besonders nach der ersten Masern-Immunisierung sogenannte "Impfmasern“ mit mäßigem Fieber, flüchtigem Ausschlag und Symptomen im Bereich der Atemwege. Meist passiere das in der zweiten Woche nach der Impfung. Impfmasern seien aber nicht ansteckend und verursachten nur milde Symptome, die von selbst abklingen. 

BEHAUPTUNG

Sein Kind impfen zu lassen, hilft der Gesellschaft. 

BEWERTUNG

Das stimmt. 

FAKTEN

Der Gemeinschaftsschutz, die sogenannte Herdenimmunität, ist nach Angaben auf den Internetseiten des Robert-Koch-Instituts ein wichtiger Vorteil beim Impfen. Ein Mensch schütze mit der Impfung nicht nur sich selbst, sondern indirekt auch die anderen. Wenn ausreichend viele Menschen geimpft seien, könne sich ein Erreger nicht mehr in der Bevölkerung verbreiten. Erst dann seien auch Säuglinge oder Schwangere geschützt, die zum Beispiel nicht gegen Masern geimpft werden können. 

BEHAUPTUNG

Impfungen können Autismus, Allergien und Plötzlichen Kindstod verursachen

BEWERTUNG

Das ist falsch. 

FAKTEN

"Das Gerücht, insbesondere die Masernimpfung könne Autismus verursachen, geht auf eine Untersuchung an nur zwölf Kindern zurück“, sagt Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts. Die Studie eines britischen Arztes sei jedoch methodisch so fehlerhaft gewesen, dass das Fachmagazin "The Lancet“ die Veröffentlichung aus dem Jahr 1998 im Jahr 2011 zurückgezogen habe. Der Autor hat seine Zulassung als Arzt in Großbritannien verloren. Unter anderem, weil ihm Interessenkonflikte nachgewiesen worden seien. "Es gibt keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Impfstoffen und Autismus“, betonte Cichutek. 

Das gelte auch für Allergien. Als ein Beleg dafür gilt unter anderem, dass es in der DDR trotz Impfpflicht kaum Allergien gab. Es gebe sogar Hinweise darauf, dass Impfungen das Risiko für die Allergie-Entwicklung verringern können.

Auch beim plötzlichen Kindstod (SIDS) wurde kein Zusammenhang mit Impfungen nachgewiesen. Vielmehr gingen diese Todesfälle in Deutschland trotz neuer Kombinationsimpfungen zurück. So starben nach der Gesundheitsstatistik des Bundes 1991 etwa 1,5 Säuglinge pro 1000 Kinder am Plötzlichen Kindstod. Seit Einführung der Kombi-Impfstoffe 2002 sank die Zahl der Fälle bis zu den jüngsten Zahlen für 2013 auf 0,2 SIDS-Todesfälle pro 1000 Kinder. "SIDS tritt in der frühen Kindheit auf und in derselben Zeit ihres Lebens werden Kinder geimpft“, sagt Cichutek. Daher könne es rein zufällig zu Fällen von SIDS in zeitlichem Zusammenhang mit einer Impfung kommen.

BEHAUPTUNG

Wenn Frauen vor einer Schwangerschaft geimpft sind, schützt das auch ihr Baby. 

BEWERTUNG

Das gilt zumindest für einige Impfungen. 

FAKTEN

Vor der Geburt werden schützende Antikörper von der Mutter auf das Kind übertragen. Neugeborene haben damit laut Webseiten des Robert-Koch-Instituts (RKI) gegen diese Erreger einen gewissen Schutz. Stillen unterstütze diesen Nestschutz. Es gibt aber Unterschiede. Bei Krankheiten wie Masern stimuliere die Impfung das Immunsystem der Mutter weniger stark als eine frühere natürliche Infektion.

Bei anderen Erkrankungen wie Tetanus oder Diphtherie bestehe nur bei Neugeborenen geimpfter Mütter ein Nestschutz, nicht bei Babys von Müttern, die eine Infektion durchgemacht haben. Bei einigen Infektionskrankheiten wie Keuchhusten gibt es keinen Nestschutz. 

BEHAUPTUNG

Eine Impfung belastet das Immunsystem von kleinen Kindern viel zu stark. 

BEWERTUNG

Das ist falsch

FAKTEN

"Das Immunsystem von kleinen Kindern ist dafür ausgerüstet, sich mit Krankheitserregern auseinanderzusetzen“, sagt Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts. Das Immunsystem des Menschen entwickele sich durch Training. "Dieses Training sollte so früh wie möglich beginnen, und zwar mit einem ungefährlichen Trainingspartner“, ergänzt er. Impfstoffe zählten dazu. Echte Krankheitserreger seien ohne ein trainiertes Immunsystem sehr gefährlich, zum Teil lebensgefährlich. "Sie können in jedem Alter zuschlagen“, ergänzt Cichutek. 

BEHAUPTUNG

Pharmafirmen verdienen an Impfstoffen extrem viel Geld. 

BEWERTUNG

Das kann man so nicht sagen. 

FAKTEN

Die Impfstoff-Herstellung gilt als weit weniger lukrativ als die Entwicklung manch anderer Medikamente. Nach Angaben des PEI gibt es weltweit nur noch wenige Firmen, die Impfstoffe produzieren. Die Herstellung sei extrem aufwendig, dauere je nach Impfstoff bis zu zwei Jahren und erfordere Spezialisten.

Zusätzlich zu Qualitätsprüfungen beim Herstellungsprozess gebe es bei Impfstoffen eine staatliche Chargenprüfung. Erfülle eine Charge nicht alle geforderten Kriterien, müsse sie verworfen werden – ein Verlust für die Pharmafirma. 

 

 

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