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Der fleischlose Burger

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Einen Burger essen, ganz ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben: Dieses Gefühl vermittelt die Firma Beyond Meat (jenseits von Fleisch) den Kunden ziemlich erfolgreich. Ihre veganen Bratlinge – vegan bedeutet frei von tierischen Produkten – haben dem kalifornischen Start-up sensationelle Börsengewinne beschert. In nur drei Monaten bis Ende Juni steigerte die Firma ihren Umsatz im Jahresvergleich von 17,4 Millionen Dollar um 287 Prozent auf 67,3 Millionen Dollar (60,4 Millionen Euro).

Megaerfolg

Der Erfolg ist auch in Deutschland sensationell: Als die Patties im Mai bei Lidl in den Verkauf gingen, waren sie rasch vergriffen. Jetzt legt der Discounter nach – mit veganen Burgern der Eigenmarke "Next Level Meat", die seit gestern im Verkauf sind. Die Patties würden in Deutschland produziert, dadurch seien die Transportwege kürzer und es werde CO2 eingespart, heißt es in den Zeitungsanzeigen, die Lidl zum Verkaufsstart geschaltet hat. Die Werbung suggeriert: Hier kommt das perfekte Produkt für die Generation Klimaschutz. Die Bratlinge enthalten laut Pressemitteilung Gemüse, Erbsen-, Soja- und Weizeneiweiß sowie Rote-Beete-Saft. Optisch sind sie kaum von Buletten zu unterscheiden, weder in rohem noch in gebratenem Zustand. "Der vegane Burger ist hinsichtlich Geschmack, Aussehen und Konsistenz die perfekte Fleischalternative", heißt es von Lidl. 

Nur Hype?

Was ist dran an dem Hype um die veganen Produkte? Sind die Burger wirklich besser für menschliche Gesundheit und Umwelt als solche mit Fleisch? Micaela Schmidt, Ernährungsexpertin bei der Krankenkasse Barmer, ist zwiegespalten. Fest steht, sagt die Diplom-Ökotrophologin: "Der Fleischkonsum der Deutschen ist viel zu hoch." Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät, höchstens zwei- bis dreimal pro Woche Fleisch oder Wurst zu essen – insgesamt nicht mehr als 300 bis 600 Gramm. Die meisten lägen mit ihrem Konsum jedoch deutlich darüber, sagt Schmidt: "Vegetarische Ernährung kann da schon die gesündere Alternative sein."

Gleichzeitig gibt sie zu bedenken: "Wer sich vegetarisch oder vegan ernähren möchte, kann das sehr gut auch ohne Fleischersatzprodukt tun." Also ohne einen Bratling, der extra so designt ist, dass beim Verbraucher der Eindruck entsteht: Das ist Fleisch. Schmidt sagt: "Das sind Proteine, die massiv verarbeitet sind, um den Geschmack zu überrumpeln und so an Fleisch zu erinnern." Den Aspekt der starken industriellen Verarbeitung hält sie für fragwürdig – auch wenn die Bratlinge in moderaten Dosen mit Sicherheit nicht ungesund seien.

Verpackungsmüll

Trotzdem stellt sich ihr die Sinnfrage, auch im Hinblick auf den Verpackungsmüll des vorproduzierten Essens. "Es gibt doch in der vegetarischen Küche so viele tolle Kompositionen", die man auch leicht selbst kochen könne, sagt die Ernährungswissenschaftlerin. In der schwäbische Küche seien zum Beispiel Käsespätzle oder Linsen mit Spätzle ideale Alternativen, die viele Nährwerte enthielten. "Das Saitenwürstchen wird als Eiweißlieferant gar nicht benötigt."

Für Menschen, die nicht auf Burger verzichten wollen, gibt es Möglichkeiten zum Selbermachen, sagt Schmidt: Tofu-Bratlinge, Patties aus Linsen oder Kräuterseitlinge. Rezepte dafür finden sich zum Beispiel bei der Initiative "In Form", einer Seite, die Bundesgesundheitsministerium und Landwirtschaftsministerium in Kooperation mit der DGE betreiben.

Lidl kündigte unterdessen an, künftig mehr vegane Lebensmittel im Sortiment oder als Aktion anzubieten. In der Branche ist die Rede von einem "Goldrausch im Lebensmittelmarkt". Zielgruppe sei dabei nicht das relativ kleine Segment der Vegetarier, schreibt der "Spiegel", sondern vielmehr Esser, die den Tiergeschmack nicht missen mögen, aber der eigenen Gesundheit oder Umwelt zuliebe die Pflanzenalternative akzeptieren.

 

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