Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Hoffen auf 5G

Übersicht

Plötzlich ging es Schlag auf Schlag: Im Juni hatte die Bundesnetzagentur die Lizenzen für die Mobilfunktechnik 5G an die deutschen Telefonanbieter versteigert. Erst 2020 und 2021 wollte das Bundesverkehrsministerium, das auch für digitale Infrastruktur zuständig ist, fünf Regionen auswählen, in denen 5G getestet und finanziell unterstützt wird. 

5G-Projekte

Soweit der Plan, bis der Haushaltsausschuss des Bundestags kurzerhand 44 Millionen Euro auf den Weg brachte, um sechs ausgewählte 5G-Projekte in mehreren Bundesländern zu fördern. Die Regionen, darunter Hamburg, die Lausitz, Kaiserslautern oder Amberg-Weiden in Bayern, sollen nun erproben, wie 5G eingesetzt werden kann. In Kaiserslautern wird etwa die Vernetzung von Firmen in ländlichen Gebieten getestet, in Bayern fließt das Geld in digitale Medizintechnik

Unmut

Baden-Württemberg ging dabei leer aus und entsprechend groß war der Unmut im Land. Die Kriterien, nach denen die Regionen ausgewählt worden seien, blieben "bedauerlicherweise völlig im Dunkeln", schrieb Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Die Entscheidung sei in Baden-Württemberg auf "vielfaches Unverständnis" gestoßen.

Das Bundesverkehrsministerium hält auf Anfrage der Stimme dagegen: Die nun geförderten sechs Projekte seien bereits so weit gediehen, "dass sie kurzfristig umsetzbar sind". Allerdings handele es sich nicht um die "noch auszuwählenden Modellregionen". 

Sommerferien

In der Region kam der Berliner Alleingang dennoch nicht gut an. "Das war eine völlig intransparente Geschichte", sagt Andreas Schumm, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH. "Keiner weiß so genau, nach welchen Kriterien da entschieden wurde." Auch die nächste Geldspritze für 5G wäre fast an Berlin gescheitert: Scheuers Ministerium legte die Bewerbungsfrist für ein neues Förderprogramm auf den 31. August, noch vor das Ende der Sommerferien im Südwesten. "Das wäre der Todesstoß für Baden-Württemberg und Bayern gewesen", sagt Schumm. Auf Druck der beiden Länder wurde die Bewerbungsfrist bis 17. September verlängert. 

Zusammenarbeit

Für Schumm ist der Ärger damit wieder verflogen. "Wettbewerb ist nicht zwingend etwas Schädliches. Es regt dazu an, kreativ und innovativ zu sein." Derzeit arbeitet der Wirtschaftsförderer an einem Konzept, wie der Geldsegen für 5G in die Heilbronner Region geholt werden kann. "Wir werden versuchen, eine ordentliche Projektskizze auf die Beine zu stellen." Zusammen mit der Hochschule Heilbronn und der regionalen Wirtschaft soll ein Vorschlag entstehen, der "auf der Siegerseite steht". Die besten Konzepte werden vom Bund mit 100 000 Euro unterstützt. Vielversprechende Ideen erhalten im nächsten Jahr noch einmal höhere Fördergelder

Peter Schweiker, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Heilbronn-Franken, sieht in der Region viele Chancen für 5G: "Wir haben eine große Wertschöpfung im Bereich der Logistik und wir haben die Teststrecke für autonomes Fahren." Zudem sei die Region von Autobahnen durchzogen, die zuallererst mit dem schnellen 5G-Internet ausgerüstet werden. Für anliegende Unternehmen und Kommunen sei das interessant. "Vor allem beim Thema Verkehr steckt viel Potenzial in der 5G-Technik", sagt Schweiker. Seien die Testprojekte erfolgreich, würden Firmen künftig investieren. Alleine sind die Heilbronner jedoch nicht, erzählt Schweiker. Aus Stuttgart, Karlsruhe und Freiburg kämen ebenfalls Förderanträge. "Ich hoffe, dass wir ein gutes Konzept für uns aufstellen können."
 

 

Galerien

Regionale Events