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Kleine Heldin, große Kritik

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Seit Greta Thunberg im August vergangenen Jahres damit begonnen hat, freitags zu streiken statt zur Schule zu gehen, blickt die Welt auf sie. Die Bewegung Fridays for Future hat sich nach ihrem Vorbild gegründet, Kanzlerin Angela Merkel nannte sie "ein außergewöhnliches Mädchen". Längst wird die 16-jährige Schwedin für den Friedensnobelpreis gehandelt. Doch das Lob ist eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite ergießen sich Hass und Hetze über sie. 

Schmutz

Der Aufstieg von Greta Thunberg ist von Schmutzkampagnen begleitet. Und so wird auch ihre Reise über den Atlantik per Jacht von Kritik begleitet. Am Mittwoch war Thunberg vom südenglischen Plymouth Richtung New York aufgebrochen. Sie will im September an einem Klimagipfel der Vereinten Nationen teilnehmen. Sie reist zusammen mit den Profiseglern Boris Herrmann, Pierre Casiraghi, ihrem Vater und einem Kameramann. 

Die Fahrt werde kritisiert, heißt es bei "Focus Online“, "weil es sich um eine der teuersten Rennjachten der Welt handelt, weil ihr "Team Maliziaa" aus Monaco stammt, also aus einem Steuerparadies, weil das Schiff einem ominösen Stuttgarter Immobilienmillionär gehört".

Bei der Recherche stellt sich das weniger dramatisch dar: Thunberg hatte bei Twitter nach einer Möglichkeit gesucht, den Atlantik klimafreundlich zu überqueren. Profisegler Herrmann wurde darauf aufmerksam und erklärte sich bereit, die Überfahrt durchzuführen.

In einem Interview mit der "Stuttgarter Zeitung" erzählt der Immobilienunternehmer Gerhard Senft, er habe die Jacht "Malizia II" gekauft, um Herrmann bei einer Regatta zu unterstützen. "Ich habe das Boot für ihn gekauft und es an seinen Hauptsponsor, den Yacht Club Monaco, verchartert." Zwar sei es richtig, dass ein neues Boot dieser Art bis zu acht Millionen Euro koste. "Ich habe es gebraucht gekauft, und die Boote sind relativ wertstabil, so wurde das möglich", erklärt Senft. Laut dem Blatt ist er nicht mehr im aktiven Geschäft tätig.

Selbst am Dieselmotor, den die Jacht verbaut hat, entzündete sich Kritik. Dieser sei aus Sicherheitsgründen installiert, erklärt Senft. Er sei vor Abfahrt versiegelt worden.

Familie

Immer wieder wird behauptet, Thunberg werde von ihrem Eltern instrumentalisiert. Ihr Vater Svante Thunberg begleitet sie auf ihren Reisen, sei eine Art Pressesprecher geworden, beschreibt es der "Stern". Gleichzeitig schreibt das Magazin über ein Gespräch mit Thunberg: "Sie formulierte allein, niemand flüsterte ihr etwas ein, der Vater war in diesen Minuten weit und breit nicht zu sehen." 

Auch die Zusammenarbeit der Klimaaktivistin mit dem Unternehmer Ingmar Rentzhog ist beendet. Der Schwede hatte das Unternehmen "We don`t have time" gegründet, eine Lobbyplattform für Klimaschutz, finanziert durch Anzeigen. Thunberg war kurze Zeit Beraterin, stieg dann aber aus. In einer Broschüre warb Rentzhog mit Thunbergs Namen um Investoren und reklamierte, sie entdeckt zu haben. Sie und ihre Eltern wussten davon nichts, sagte Vater Svante Thunberg der Zeitung "Svenska Dagbladet": "Niemand von uns wusste davon. Niemand steht hinter Greta als Greta selbst." Das Unternehmen räumte das später in einer Mitteilung ein und entschuldigte sich.

Die Abfahrt verzögerte sich am Mittwoch, wegen stürmischer See. Ihr Handy habe sie zwar dabei, sagte Thunberg. "Im Moment plane ich vor allem, mich zu entspannen."

 

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