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Am Strand mit dem gelben Sack

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Freundlich schaut die Ziege auf der Käseverpackung den Betrachter an. Am Frühstückstisch wäre das nicht weiter verwunderlich, nur liegt die leere Packung Ziegenkäse auf einem Müllhaufen in Malaysia. Das Stück Plastik ist eines von vielen, das nicht in Deutschland recycelt, sondern in Südostasien verbrannt wird. 
Seit China vor gut anderthalb Jahren den Import von Plastikabfall weitgehend gestoppt hat, ist Malaysia zur Müllhalde für die Welt geworden. Die USA, Japan und Deutschland verschiffen ihren Plastikmüll tonnenweise hierhin.

Nach dem Importstopp Chinas stieg die Müllmenge aus dem Ausland in Malaysia um das Sechsfache an. Allein aus Deutschland kamen im vergangenen Jahr mehr als 132 000 Tonnen Plastikmüll. Die Folge sind illegale Deponien und giftige Verbrennungen in dem südostasiatischen Land. In einem Bericht hat die Umweltorganisation Greenpeace Plastikverpackungen aus 19 Ländern in Malaysia dokumentiert, darunter die Packung Ziegenkäse aus einem deutschen Supermarkt. Wie kommt sie dort hin?

Trennen

In Umfragen geben die Deutschen an, ihren Müll zum Wohle der Umwelt gerne zu trennen. Der Gelbe Sack ist beliebt, viele hoffen, dass die Rohstoffe wiederverwertet werden. Die Realität sieht anders aus: Weniger als die Hälfte der Verpackungen aus dem Gelben Sack wird wiederverwendet. Nur rund 16 Prozent werden wieder zu Kunststoff, sogenanntem Rezyklat. Der weit größere Teil wird verbrannt oder ins Ausland verschifft

Wenn der Plastikmüll in Malaysia verbrannt wird, geschieht das in offenen Feuern. Dabei entstehen CO2 und giftige Dämpfe, ein Teil des Mülls bleibt im Boden oder wird ins Meer geweht. "Wir wissen nicht, aus was diese Abfälle bestehen und was noch dazugekippt wird", sagt Sascha Roth, Referent für Umweltpolitik beim Naturschutzbund Nabu. "So entsteht ein permanenter Müllberg, der einfach nicht abgetragen wird.“
In der deutschen Recyclingquote taucht all das nicht auf. Diese lag 2016 bei 45 Prozent, jedoch gilt der Abfall schon als recycelt, sobald er eine Sortieranlage erreicht hat. Wie viel wirklich wiederverwendet wird, bildet die Quote nicht ab.

Regeln

Eigentlich ist der Export von Müll streng geregelt. Das Basler Übereinkommen hält fest, dass nur noch gut sortierter und gereinigter Müll gehandelt werden darf. Erst im Mai hatten 187 Staaten die bestehenden Regeln verschärft. Malaysia schickte daraufhin 60 Schiffscontainer mit verunreinigtem Müll zurück. Wenn es nach Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) geht, ist mit dem Abkommen schon viel erreicht. "Das wird die Exporte nach Asien deutlich reduzieren. Zudem verstärken viele Länder selbst ihre Bemühungen, Plastikmüllimporte zu verhindern", heißt es aus ihrem Ministerium. 

Doch der Müll wird nicht immer direkt nach Asien exportiert. Auf Platz zwei der Müllexporte aus Deutschland lagen vergangenes Jahr die Niederlande. Das zeigt der Plastikatlas der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung. Auch der Nabu gibt an, dass die Niederlande als Transitland für Müll dienen. "Es ist so, dass der Müll von Rotterdam aus in die Welt verschifft wird", sagt Nabu-Experte Roth. In den Niederlanden gebe es nicht genug Anlagen, um tausende Tonnen Müll zu verarbeiten. Nach dem Export würden Stoffe auf illegalen Deponien gelagert. "Auf die ein oder andere Weise landet das dann im Meer."

In der Abfallwirtschaft sollte das Prinzip der Nähe gelten, sagt Roth: "Da wo Abfall entsteht, sollte er auch entsorgt werden." Jedoch seien auch in Deutschland die Verbrennungsanlagen völlig ausgelastet. "Wir haben nicht die Kapazitäten, um den Müll zu verbrennen und produzieren trotzdem immer mehr davon." Das zeigt sich besonders in Baden-Württemberg: Ein Erlass schreibt vor, dass Abfall aus dem Land auch hier behandelt werden muss. Seit 2005 darf Hausmüll zudem nicht mehr auf Deponien gelagert werden. Mit der Folge, dass das meiste verbrannt wird und die Anlagen ausgelastet sind. Für die öffentlichen Entsorger, die sich um den Abfall der Haushalte kümmern, scheint das zu funktionieren. Weder in der Stadt Heilbronn, im Landkreis noch im Hohenlohekreis werden kommunale Abfälle ins Ausland exportiert.

"Ausnahmen, selbst der Transport in benachbarte Bundesländer, zum Beispiel bei Wartung der Anlagen, müssen beim Umweltministerium beantragt werden", sagt Hohenlohekreis-Sprecher Sascha Sprenger. Anders ist das bei Gewerbeabfällen. Sie müssen erst seit Mitte 2017 getrennt gesammelt werden. Bis dahin wurden sie meist ungetrennt verbrannt.

Freiwillig

Statt Verpackungen zu verbrennen, müsse in Sortieranlagen investiert und mehr Plastik wiederverwendet werden, fordert Roth. Um das zu erreichen, will Bundesumweltministerin Svenja Schulze eine freiwillige Vereinbarung mit Herstellern von Verpackungen und dem Einzelhandel schließen. Sie sollen von sich aus überflüssige Verpackungen vermeiden. Die Maßnahme ist Teil eines Fünf-Punkte-Plans für weniger Plastik, den Schulze vergangenes Jahr vorgelegt hatte. 

Roth kritisiert das Papier. "Frau Schulze führt runde Tische ein und setzt auf die Freiwilligkeit der Händler. Damit haben wir schlechte Erfahrungen gemacht.“ Stattdessen brauche es verbindliche Vorgaben wie eine Mindestquote für den Einsatz von recyceltem Plastik.
Thomas Fischer, Bereichsleiter Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe hält Schulzes Pläne für nicht ausreichend: "Frau Schulze hat sich mit fremden Federn geschmückt." Vieles habe die EU bereits vorgeschrieben. Stattdessen brauche es ein Abfallvermeidungsziel. Zudem solle der Einsatz von Recycling-Plastik Pflicht werden. "Wir brauchen wirksame gesetzliche Regelungen, ohne die werden wir das Problem nicht lösen."

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