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Kino der Zukunft

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Wer sich für einen Abend im Kino entscheidet, kann sich auf drei Dinge freuen: Es gibt Popcorn, einen Film im Großformat und ein paar Stunden ohne Handy in der Hand. Rund 4900 Kinosäle existieren in Deutschland. Was einst als Jahrmarktbude begann, heißt heute Programmkino oder Multiplex. Doch wie werden Kinos in Zukunft aussehen? Wird es noch überwiegend Schauspieler aus Fleisch und Blut geben? Werden die Leute häufiger daheim auf dem Sofa versacken – oder weiterhin ins Kino gehen? Eine Einschätzung hierzu gibt Klaudia Wick von der Deutschen Kinemathek in Berlin. 

Düfte

"Das Kino wird bestehen bleiben, aber nicht ganz so, wie wir es kennen", sagt die Fernsehwissenschaftlerin. Sie geht davon aus, dass es auch in 30 Jahren noch eine Projektionsfläche in Kinosälen geben wird. "Aber sitzen wir alle in einer Reihe davor oder ist die Leinwand vielleicht rund um uns herum?" Vielleicht werde auch doch noch mit Düften experimentiert. Darüber wird schon lange nachgedacht. In manchen Kinos gebe es bereits rumpelnde Sitze, sagt Wick. Ihrer Meinung nach machen solche Neuerungen auf Dauer nur Sinn, wenn es passende Erzählungen gibt. 

Seherlebnis

Technik alleine? Wohl nicht genug. Im Moment stehe etwa beim Besuch einer 360-Grad-Kuppel noch das Seherlebnis selbst im Vordergrund. "Das Staunen darüber, dass so etwas technisch möglich ist, ist das Hauptereignis", sagt Wick. Es fehlten aber noch die überzeugenden erzählerischen Angebote. 
Ein Beispiel dafür sind 3D-Filme. Viele Menschen haben James Camerons Fantasyfilm "Avatar" vor zehn Jahren mit Spezialbrillen im Kino gesehen. Flächendeckend durchgesetzt hat sich das bislang aber nicht. "Das wird heute nicht mehr so vom Publikum nachgefragt wie noch vor fünf, sechs Jahren", sagt Filmproduzent Uli Aselmann („Die Musterknaben“, „Jugend ohne Gott“).„Technische Errungenschaften laufen sich auch schnell tot, wenn sie überstrapaziert werden“, sagt Aselmann, der zum Vorstand der Produzentenallianz in Deutschland gehört. Umso wichtiger seien gute Erzählungen. Es dürften nicht so viele „verkappte Fernsehfilme“ ins Kino kommen. Das müsse man bei der Filmförderung bedenken.

Konkurrenz

Schon heute steht das Kino unter Druck. Im Februar legte die Filmförderungsanstalt (FFA) die schlechtesten Besucherzahlen seit Jahren vor, im ersten Halbjahr 2019 stiegen die Ticketverkäufe wieder im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Streamingdienste wie Netflix, Amazon oder Sky Ticket sind zur Konkurrenz geworden – denn sie bringen viele Filme und Serien bequem zum Zuschauer nach Hause. 
Nach Einschätzung von Aselmann wird das Kinoerlebnis in Zukunft wieder besonderer werden müssen. "In den Großstädten hat man heute schon Edelkinos mit Sesseln, in denen man sich fast hinlegen kann", sagt er. Das wiederum ist teuer – und Kinoverbände forderten schon zuletzt Fördergelder für die Erneuerung ihrer Häuser. Auch andere neue Technik müssten Kinos finanzieren können.

Wick vom Berliner Filmmuseum sieht die Branche in einer Erprobungsphase. Geruch und rüttelnde Sitze, nur damit man um jeden Preis etwas Neues hat? "Das sind sicher Irrwege", sagt Wick. Aber es gebe sinnvolle Einsätze – bei Videogames sehe man das. "Wenn ich mit einer VR-Brille vor den Augen gefühlt über eine Schotterpiste fahre, macht es auch Sinn, dass der Controller rüttelt."
Manche Kinos wagen kleinere Experimente. Sie übertragen zum Beispiel Opernpremieren live.

In Zürich probierten Zuschauer mal VR-Brillen unter freiem Himmel aus. Nach Einschätzung von Wick werden die Grenzen zwischen Fernsehen, Kino und Videospielen verschwimmen. Die wichtigere Unterscheidung werde sein, ob man etwas alleine gucke oder mit anderen zusammen.

 

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