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Zeugnis mit Licht und Schatten

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Die Leseleistungen der deutschen Schüler sind nach deutlichen Verbesserungen jetzt wieder unter das Niveau von 2009 zurückgefallen. Die am Dienstag in Berlin vorgestellte Pisa-Studie weist auch eine leichte Verschlechterung der Ergebnisse in Mathematik und den Naturwissenschaften aus. In allen drei Bereichen liegen sie aber über dem internationalen Durchschnitt. 

Wie sind die Ergebnisse konkret?

Alle drei Jahre vergleicht die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die schulischen Leistungen von 15-Jährigen in 79 Ländern. Gemessen wird in einem Punktesystem. Im Lesen liegen die deutschen Schüler mit 498 Punkten deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 487 Punkten (2016: 509). In Mathematik hat Deutschland sechs Punkte verloren, rangiert aber mit exakt 500 Punkten weiterhin deutlich über dem Durchschnitt. In den Naturwissenschaften haben sich die deutschen Schüler nur um drei Punkte verschlechtert.

Wo steht Deutschland?

Spitzenreiter sind regelmäßig China sowie die asiatischen Stadtstaaten Singapur und Hongkong, die in Mathematik nahe an die 600-Punkte-Marke kommen. Unter den europäischen Staaten schneidet Estland bei diesjährigen Schwerpunktbereich Lesekompetenz mit 523 Punkten auf Rang drei am besten ab. Finnland und Kanada folgen auf den nächsten beiden Plätzen. Deutschland ist die Nummer 20. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) betont aber, dass der Platz im Mittelfeld nur gehalten werden konnte, weil die Leistungen im OECD-Durchschnitt ebenfalls gesunken sind.

Was sagen die Experten?

"Überrascht hat mich, wie deutlich die Leistungen der deutschen Schüler durchgängig gesunken sind", fasst Olaf Köller vom Leibniz-Institut für Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik seinen Eindruck zusammen. Positiver fällt das Fazit von Kristina Reiss aus. Die deutsche Pisa-Koordinatorin von der Universität München sagt: "Ich sehe das nicht so negativ. Im Jahr 2000 lagen die deutschen 15-Jährigen im Lesen, in der Mathematik und in den Naturwissenschaften unter dem OECD-Durchschnitt, jetzt liegen sie zum wiederholten Mal in allen Bereichen über dem Durchschnitt." Bedenke man die starke Zunahme der Schüler mit Migrationshintergrund von 22 Prozent im Jahr 2000 auf nun 36 Prozent, sei "das Ergebnis als Erfolg zu werten". Die Ergebnisse seien weniger auf die Qualität der Schulen als auf einen zunehmenden Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund zurückzuführen, sagte auch die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU).

Jeder Fünfte kann kaum lesen

Köller verweist auf die sogenannte Risikogruppe. 21 Prozent der deutschen Schüler können nicht richtig rechnen und schreiben. Diese Gruppe sei jetzt wieder annähernd so groß wie bei der ersten Erhebung im Jahr 2000, die sich als "Pisa-Schock" ins nationale Gedächtnis brannte. "Ich sehe eher Anlass für Alarm", sagt der Fachmann. Viele dieser 15-Jährigen sind Kinder von Migranten, die schon in Deutschland die Schule besucht haben. Weil Zuwandererfamilien mehr Kinder als deutsche Familien haben, wächst ihr Anteil. Dagegen spielen Flüchtlinge eine eher untergeordnete Rolle.

Fehlende Chancengleichheit

In Deutschland ist der Zusammenhang zwischen der Herkunft der Jugendlichen und ihrer Lesekompetenz besonders stark ausgeprägt. 15-Jährige aus Familien mit niedrigem Bildungs- und Wohlstandsniveau sind beim Lesen schlechter. Der Abstand von Schülern mit Migrationshintergrund hat sich seit 2009 nicht verändert. Sie kommen im Schnitt auf 472 Punkte, deutsche Schüler auf 524 Punkte.

Streit um Vergleichbarkeit

Während Reiss die Vergleichbarkeit der Ergebnisse betont, verweisen Kritiker auf die Vorauswahl der Schulen in China. Der Pisa-Primus beteiligt sich nur mit vier Metropolen und dort nicht mit allen Schulen. Für die anderen Länder gelten die Ergebnisse als repräsentativ.

 

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