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Junge Leute stehen zu Weihnachten auf Tradition

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Wie wird das Fest in diesem Jahr? Eigentlich so wie immer, sagen Forscher der Universität der Bundeswehr in München. Das Team um Philipp Rauschnabel hat in einer repräsentativen Befragung von mehr als 1.000 Menschen aus ganz Deutschland herausgefunden: "Weihnachten 2019 bleibt von Innovationen verschont." Vor allem Junge feiern traditionell und gehen in die Kirche. Das beliebteste Lied ist ein Klassiker seit vielen Jahren: "Driving Home For Christmas" von Chris Rea. Welche Erkenntnisse die Untersuchung außerdem bereithält, haben wir Philipp Rauschnabel gefragt, der aus Flein stammt und als Heranwachsender die meisten Weihnachtsfeste in der Region verbracht hat. 

Welches Ergebnis hat Sie persönlich am meisten verblüfft?

Philipp Rauschnabel: Naja, dass das Lied "Last Christmas" von Wham! stark polarisiert, ist ja bekannt. Aber dass es bei der Frage, ob man es liebt oder hasst, so große Unterschiede zwischen Süd und Ost gibt, hätte ich nicht vermutet. In Baden-Württemberg und Bayern finden es 40 Prozent nervig und knapp über 40 Prozent toll. Im Osten liegt das Verhältnis bei 24 zu 54 Prozent. Dann das Thema Weihnachtsbaum-Kauf: Da sind die Leute im Süden einige Tage früher dran als die im Norden. Und wer früher kauft, ist wegen der größeren Auswahl in einer deutlich besseren Wettbewerbsposition. 

Wann kaufen Sie Ihren Weihnachtsbaum?

Rauschnabel: Ich bemühe mich, aus der Untersuchung zu lernen. Das heißt: Wir haben unseren Baum in diesem Jahr schon ein Wochenende früher als sonst geschlagen, zehn Tage vor Weihnachten. Da waren noch viele Bäume da. 

Immerhin 18 Prozent feiern mit einem künstlichen Baum.

Rauschnabel: Also ehrlich gesagt hat mich das erschreckt. In den USA, wo ich eine Zeit lang gelebt habe, hat ja fast jeder einen Plastikbaum, aber dass die Quote bei uns auch schon so hoch ist! Ein Plastikbaum geht für mich gar nicht. 

Und dann noch die Lichterketten-Fanatiker. Laut Ihrer Untersuchung haben nur 13 Prozent noch echte Kerzen, nur bei den Akademikern sind es mehr, nämlich rund 24 Prozent. Zündeln Studierte besonders gerne?

Rauschnabel: Also bei uns gibt es auch echte Kerzen, aber eher aus Tradition. Echte Kerzen müssen sein, das war in meiner Familie immer so. Die Familie meiner Frau hingegen hatte Lichterketten (überlegt). Man kann ja auch beides kombinieren. 

Klingt nach einer geschickten Lösung. So können Sie die Traditionen aus beiden Familien zusammenführen.

Rauschnabel: Tradition ist wichtig. Das ist auch einer unserer Kernbefunde. Weihnachten ist ein sehr analoges Fest mit Ritualen, die sich jedes Jahr wiederholen: Schallplatten hören, alles hübsch festlich dekorieren, die Wohnung zuvor auf Hochglanz bringen. 

Auch der Stress vor Weihnachten tritt jedes Jahr ritualisiert auf.

Rauschnabel: Das stimmt. Wobei Frauen und Männer von ganz unterschiedlichen Dingen gestresst sind, was dann wiederum zum Stress zwischen den Partnern führt. Frauen mögen alles möglichst perfekt haben. Männer legen darauf keinen so großen Wert, sie empfinden es als anstrengend, wenn die Kinder vor lauter Aufregung durchdrehen. 

Wie verändert sich Weihnachten in Zeiten der Klimakrise?

Rauschnabel: Nachhaltiges Verhalten haben wir nicht explizit untersucht, aber ich würde mal tippen, dass es an Weihnachten keine große Rolle spielt. Erst einen Baum fällen, um ihn dann ein paar Tage später wieder wegzuwerfen ist ja nicht gerade besonders nachhaltig. 

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf Weihnachten aus?

Rauschnabel: Das traditionelle, analoge Feiern wird über das Smartphone abgebildet. Man macht einen Instagram-Film davon, wie sich die Schallplatte dreht oder postet ein Foto seines geschmückten Baums in seinem Whats-App-Status. Apps ermöglichen einem auch, sich vorher anzuschauen, wie sich der Weihnachtsbaum im Wohnzimmer machen wird. 

Echt jetzt?

Rauschnabel: Ja, das gibt es. Man kann mit manchen Apps genau ausmessen, wie viel Platz noch zwischen den Möbeln ist und auf der Basis entscheiden, wie groß der Baum sein soll. Man kann ihn auch zur Probe digital schmücken. 

Für sowas ist wohl vor allem die Altersgruppe der unter 30-Jährigen zu haben, die dann aber gleichzeitig großen Wert auf den analogen Kirchgang legt.

Rauschnabel: Das hat mich auch überrascht. Ich war mir sicher, dass junge Leute keinen Wert mehr auf Kirche legen, aber das Gegenteil ist der Fall. Ich glaube, dass das außer an dem Traditionsthema auch noch daran liegt, dass man dort Freunde trifft und sich an früher erinnert fühlt. Und ist nicht in unserer Erinnerung das, was früher war, immer schöner? Vor allem natürlich ein Weihnachten mit Schnee. 

 

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