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Handel lässt die Hüllen fallen

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Für den Handel war es ein Jahr, in dem viele Hüllen gefallen sind. Im ganzen Land befreiten Lebensmittelhändler ihr Obst und Gemüse von Plastik, Strohhalme und Wegwerfgeschirr werden langsam abverkauft. Der kommende Sommer wird der letzte sein, in dem Plastikgeschirr beim Grillfest erlaubt ist, ab 2021 sind Wegwerfprodukte wie Teller, Besteck, Strohhalme oder Wattestäbchen in der Europäischen Union verboten. Plastiktüten kosten inzwischen fast überall Geld, im November beschließt die Bundesregierung, sie komplett zu verbieten. Im Laufe des nächsten Jahres könnte das Verbot in Kraft treten. 

Verbote

Man könnte meinen, die Verbraucher und die Politik hätten sich gegen den Kunststoff entschieden. In einer aktuellen Forsa-Umfrage geben 84 Prozent der Deutschen an, dass sie sich weitere Verbote für Einwegplastik wünschen. Videos, in denen Menschen versuchen, ihren Alltag komplett ohne Plastik zu bestreiten, werden tausendfach angeschaut. Aus "Zero Waste", kein Müll, ist eine Bewegung geworden, wegen der vor allem in Städten Unverpackt-Läden an allen Ecken entstehen. Im September eröffnet der erste plastikfreie Laden in Heilbronn. Waschnüsse, loses Klopapier und Bambuszahnbürsten liegen im Trend. 

Für die breite Bevölkerung gilt das jedoch nicht. Laut Zahlen des Umweltbundesamts haben die Deutschen im Jahr 2017 insgesamt 18,7 Millionen Tonnen Verpackungsmüll verursacht – so viel, wie nie zuvor. Verbraucher trugen mit 8,8 Millionen Tonnen Verpackungsmüll erheblich dazu bei. Schuld sind laut Umweltbundesamt immer "bequemere" Verpackungen: mehr Fertiggerichte, vorportioniertes Obst und Gemüse, Salate zum Mitnehmen oder Waschmittelflaschen statt Pulver im Karton. Auch der zunehmende Versandhandel mit all seinen Folien und Kartonagen ist Teil des Problems.

Dass es so nicht weitergehen kann, ist erwiesen. Was Kunststoff anrichtet, wenn er in Form von Mikroplastik in den Körper gelangt, ist bisher nicht bekannt. Bekannt ist aber, dass wir den kleinsten Teilchen nicht mehr entgehen können. Wissenschaftler haben Mikroplastik mittlerweile in der Arktis, der Tiefsee, in der Luft und in zahlreichen Tieren gefunden.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat reagiert und will Plastik Schritt für Schritt reduzieren. Ihr Fünfpunkteplan gegen Plastik sieht vor, überflüssige Verpackungen zu vermeiden und notfalls zu verbieten. Ab 2020 sollen Kosmetika kein Mikroplastik mehr enthalten. Außerdem sollen mehr Verpackungen aus recyceltem Plastik bestehen. Durch Dialoge mit dem Einzelhandel will Schulze Verpackungen schrittweise reduzieren.

Der Handelsverband Württemberg sieht die Unternehmen auf einem guten Weg. "Die Reduktion von Verpackungsmüll und Plastikverpackungen ist und bleibt ein zentrales Thema im Handel", erklärt Verbandssprecher Philipp Morio. Das Etikett für Obst und Gemüse würde immer öfter mit einem Laser in die Schale gebrannt, viele Supermärkte würden Kunden Mehrwegnetze statt der dünnen Plastikbeutel anbieten. Mineralwasserflaschen könnten schon heute fast vollständig wiederverwertet werden.

Flaschensammler

Wie das geht, zeigt die Neckarsulmer Schwarz-Gruppe. Sie sammelt ihre eigenen PET-Flaschen und macht daraus wieder neue Flaschen. Beim stillen Wasser muss dazu nicht mal frischer Kunststoff dazugegeben werden. Der Mineralbrunnen Romina („Eiszeitquell“) schließt sich im Dezember der Bewegung an und verkündet, nur noch Recyclingmaterial für seine Gebinde zu verwenden. Es geht um viel: Alleine bei Lidl werden dadurch pro Jahr eine Milliarde Flaschen wiederverwertet. Um Plastik generell zu reduzieren, hat die Schwarz-Gruppe eine Reduzierungs-Strategie aufgelegt: Bis 2025 soll Kunststoff bei Lidl um mindestens 20 Prozent reduziert werden. 

Auch andere Handelsketten versuchen, mit gutem Beispiel voranzugehen. Ein Unternehmen nach dem anderen gibt den Verzicht auf Plastiktüten bekannt. Die seit einiger Zeit nur noch eingeschweißt erhältlichen Salatgurken werden von ihrer Plastikhülle befreit. Das geht übrigens nach hinten los: Weil nun die Gurken wieder in den Auslagen altern, erhöht sich der Anteil, der unverkauft bleibt und entsorgt werden muss. Plastikverzicht hat eben manchmal auch seine Tücken.

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