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Machen Smartphones krank?

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Es ist ein kleines Gerät, das unseren Alltag revolutioniert hat. Seit gut zehn Jahren ist das Smartphone auf dem Vormarsch – mittlerweile nutzen es acht von zehn Menschen in Deutschland. Der Branchenverband Bitkom schätzt die Zahl der Smartphone-Nutzer hierzulande auf 57 Millionen. Längst hat die Technik das Land erobert, viele Menschen aber sind verunsichert: Was machen Smartphones mit der Gesundheit?

1. Behauptung

Smartphones können süchtig machen.

Bewertung: Stimmt.

Fakten: "Mit der Ankunft des Smartphones hat die Online-Sucht eine neue Dynamik erhalten“, sagt der Suchtforscher Bert te Wildt, Chefarzt der Psychosomatischen Klinik Kloster Dießen bei München. Insbesondere die Abhängigkeit von sozialen Medien habe durch das Smartphone zugenommen. „Wenn morgens der erste Blick aufs Handy geht und abends auch der letzte, dann müssen sich Betroffene fragen: Dient dieses Gerät noch mir oder diene ich ihm?“

Rund ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland gilt bereits als internetabhängig. Betroffen sind vor allem Jüngere: In der Altersgruppe von 14 bis 24 Jahren zeigen 2,4 Prozent der Frauen und 2,5 Prozent der Männer ein Suchtverhalten. Zu diesem Ergebnis kommt die sogenannte „Pinta“-Studie, die im Auftrag der Bundesregierung von dem Lübecker Psychologen Hans-Jürgen Rumpf durchgeführt wurde.

2. Behauptung

Smartphone-Nutzung kann unserem Rücken und unseren Händen schaden.

Bewertung: Stimmt.

Fakten: "Smartphones vereinen Display und Tastatur. Durch diese Einheit ist es eigentlich nicht möglich, eine Haltung zu finden, die gleichzeitig für alle Körperbereiche optimal ist“, sagt Patricia Tegtmeier von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Sie hat mit ihrem Team 41 Studien aus den Jahren 2007 bis 2016 ausgewertet und kommt zu dem Ergebnis: "Wenn das Smartphone sehr intensiv und andauernd genutzt wird, kann sich das Risiko für Muskel-Skelett-Erkrankungen erhöhen.“

Neben Nackenverspannungen durch eine gekrümmte Haltung birgt das schnelle, wiederholte Tippen auf kleinen Displays ein erhöhtes Risiko für Sehnenscheidenentzündungen an den Handgelenken und in den Daumen. "Touchscreen-Geräte sind grundsätzlich für eine kurze Nutzung sinnvoll. Wenn man aber längere Texte tippen will, sollte man eine externe Tastatur nutzen“, sagt Tegtmeier.

3. Behauptung

Das blaue Licht des Smartphones kann die Netzhaut der Augen schädigen.

Bewertung: Hierüber streiten die Forscher.

Fakten: Im Juli erhielt ein Beitrag in der Fachzeitschrift "Scientific Reports“ viel Aufmerksamkeit. Ein Team der Universität Toledo in den USA wollte herausgefunden haben, dass der Blauanteil im Displaylicht von Smartphones und Computern Erblindung verursachen kann. Das kurzwellige Licht rege in den lichtsensiblen Zellen des Auges die Produktion giftiger Moleküle an, so die Forscher. Diese Einschätzung ist sehr umstritten.

Das wissenschaftliche Komitee der EU-Kommission für Gesundheitsfragen erklärte noch im Juni: "Studien zeigen, dass die Lichtintensität von LED-Displays, die in Fernsehgeräten, Laptops, Telefonen, Tablets oder Spielzeug verbaut sind, weniger als zehn Prozent der Höchstintensität beträgt, die zum Schutz der Netzhaut definiert worden ist. Das heißt, sie stellt bei normaler Nutzung kein Risiko für die Augen da.“

4. Behauptung

Wer abends lange aufs Smartphone schaut, schläft schlechter ein.

Bewertung: Stimmt.

Fakten: Viele Menschen greifen kurz vorm Schlafengehen noch einmal zum Handy. Sie checken E-Mails, lesen Nachrichten oder skypen mit dem Partner. Wissenschaftler raten hiervon ab. Es kann nachweislich zu einer Unterdrückung des Hormons Melatonin kommen. Melatonin macht uns abends müde, normalerweise wird das Hormon bei Dunkelheit ausgeschüttet. Doch das helle Licht des Smartphones signalisiert dem Körper genau das Gegenteil: Es ist Tag, bleibe wach!

5. Behauptung

Die elektromagnetische Strahlung von Smartphones kann Krebs verursachen.

Bewertung:Stimmt nach bisherigen Erkenntnissen nicht, aber ein Restrisiko besteht.

Fakten: "Wir haben keinen Nachweis, dass die Smartphone-Nutzung bei Einhaltung der internationalen Grenzwerte Krebs verursachen könnte“, sagt Gunde Ziegelberger vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Zwar seien die Studien noch nicht in der Lage, völlige Sicherheit zu geben, weil sich Tumore über lange Zeit entwickelten. "Aber mit jedem Jahr, in dem wir keinen Anstieg an Erkrankungen sehen, erhalten wir mehr Gewissheit.“ Die bislang größte Langzeitstudie "Interphone“ mit mehr als 12 000 Teilnehmern kam 2010 zu dem Ergebnis, dass bei durchschnittlicher Nutzung des Handys kein erhöhtes Tumorrisiko für Erwachsene besteht.

Wegen der verbleibenden Unsicherheit bezüglich der Langzeitnutzung empfiehlt Ziegelberger, das Handy so selten wie möglich direkt an den Kopf zu halten. Ein Headset oder die Lautsprecherfunktion seien gute Alternativen. Außerdem lohne sich der Blick auf die Verbindungsqualität. "Wenn der Empfang gut ist, dann regelt die Basisstation die Sendeleistung des Handys um das Tausendfache herunter und die Strahlungsbelastung nimmt ab.“

 

 

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