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Klimawandel zum Fühlen

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Hitzerekorde überall auf der Welt: Noch nie war es in einem Juni so heiß wie dieses Jahr. Klimaexperte Florian Imbery erklärt, wie Wetterextreme mit dem Klimawandel zusammenhängen. 

Hitze durch Klimawandel

Herr Imbery, letzten Monat war es ganz schön warm...

Florian Imbery: Das Außergewöhnliche ist nicht nur, dass dies der wärmste Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland, Europa und sogar der ganzen Welt war, sondern auch, dass es eine große Abweichung zum vieljährigen Mittelwert gab. 

Hat dieser Hitzerekord etwas mit dem Klimawandel zu tun?

Imbery: Bei Temperaturen ist der Einfluss des menschengemachten Klimawandels inzwischen sehr gut nachzuweisen. Eine Studie, die am Dienstag veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass ein Ereignis wie die Hitzeperiode in Frankreich durch den menschengemachten Klimawandel fünfmal wahrscheinlicher geworden ist. 

Gibt es nicht auch viele natürliche Ursachen für den Klimawandel?

Imbery: Der natürliche Anteil am bisher beobachteten Klimawandel wird auf unter fünf Prozent geschätzt. Dass er zu mehr als 90 Prozent menschengemacht ist, ist absoluter Konsens in der Klimaforschung und der Meteorologie. 

Politische Auswirkung

Stört es Sie, wenn Politiker wie Trump den Unterschied zwischen Klima und Wetter nicht verstehen?

Imbery: Natürlich stört mich das. Vor allem die direkten Auswirkungen seiner Politik, zum Beispiel, dass er die USA aus dem Pariser Klimaabkommen herausgeführt hat. Das ist sehr fatal, weil die USA einer der größten CO2-Emittenten der Welt sind. Und wenn ein Politiker heute noch sagt: "Da gibt es wissenschaftlichen Disput und außerdem friere ich gerade“, dann ist das wissenschaftlich gesehen Nonsens und schlicht eine politische Agenda

Ist der Klimawandel unumkehrbar?

Imbery: Das emittierte CO2 hat in der Atmosphäre eine Verweildauer von Jahrhunderten. Umkehrbar ist das erst einmal nicht. Was wir machen können, ist, dass wir diese Prozesse stark verlangsamen. Das Ziel ist es, global so schnell wie möglich auf null Emissionen zu kommen. Vor Mitte des Jahrhunderts. 

Null Emissionen bis 2050. Wird ein Land wie China da mitziehen?

Imbery: Ich sehe auch in Deutschland nicht den großen Willen, da mitzuziehen. Deutschland hatte lange den Ruf eines Musterschülers im Klimaschutz, aber im Moment ist es schwierig, viele positive Beispiele zu finden. China hat neben dem Klimaschutz natürlich das Problem einer extremen Luftverschmutzung in den Metropolen, aber beim Ausbau erneuerbarer Energien liegt China inzwischen weit vor Europa. 

Hoher Preis

Also kein Lichtblick in Sicht?

Optimistisch bin ich, wenn ich sehe, dass viele Menschen erkannt haben, dass der Klimaschutz ein relevantes Thema ist und die Politik dazu auffordern, endlich etwas zu tun.

Sollten wir denn unsere Wirtschaft für den Klimaschutz opfern?

Imbery: Zuerst einmal kann ich die Argumentation verstehen. Der deutsche Anteil der globalen Emissionen liegt bei etwa zwei Prozent. Doch Deutschland könnte sowohl bei der technischen Innovation als auch bei der Umsetzung Vorbild sein. Ansonsten muss man klar sagen: Nichts tun kostet auch. Die Konsequenzen des Klimawandels mit allen zu erwartenden Folgen, zusätzlichen Kriegen, ökonomischen Katastrophen und Migrationsströmen übertreffen die Kosten für den Klimaschutz bei weitem. 

Erwartungen und Vorschläge

Werden extreme Wetterverhältnisse zunehmen?

Imbery: Wir erwarten bei vielen Wetterextremen eine Zunahme der Ereignisse, der Dauer und der Intensität und, dass Temperaturen wie im Juni Mitte des Jahrhunderts eher Regel als Ausnahme sein werden. 

Was sollte die Politik umsetzen?

Imbery: Eine Maßnahme wären intelligente Verkehrssysteme. Daraus folgen weitere Investitionen in die Forschung zu erneuerbaren Energiesystemen. Und es ist wichtig, auf internationale Zusammenarbeit zu bauen. Außerdem müssen wir uns zukünftig an den Klimawandel anpassen und unsere Städte und Infrastrukturen fit für die veränderten Bedingungen machen. 

 

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