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Zu viele Biker-Unfälle

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Für den Kreisverkehrswacht-Vorsitzenden Harald Lepple ist es "erschreckend“: Immer wieder gab es in der Region und überregional zuletzt Nachrichten von schweren oder tödlichen Motorradunfällen, bei denen Autofahrer den Biker beim Linksabbiegen erfassten und die Vorfahrt nahmen.

Vergleich zum letzten Jahr

Es werde Zeit, Verkehrsteilnehmer "zu sensibilisieren“, betont Lepple. Weil hier offenbar ein eklatantes Wahrnehmungsproblem bestehe. 

Mit Experten diskutiert Lepple gestern in den Räumen der Kreisverkehrswacht die Lage. Polizeisprecher Gerald Olma bestätigt, dass von Januar bis Mai 2019 im Bereich des Polizeipräsidiums Heilbronn sieben Unfälle mit getöteten Motorradfahrern registriert wurden, zwei mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Aber nicht alle seien von Autofahrern ausgelöst worden. Dennoch: Sieben tote Motorradfahrer in fünf Monaten sind eindeutig zu viel.

Woran liegt es? Brauchen Motorradfahrer auffällige Kleidung, am besten mit Reflexionsstreifen? Joachim Gehring organisiert bei der Verkehrsdirektion Weinsberg die Verkehrsüberwachung. Er ist skeptisch, ob sich nicht viele gegängelt fühlten. In Fachzeitschriften gebe es solche Aussagen. Dennoch sei helle Kleidung in jedem Fall zu raten, betont Wolfgang Fischer, Vorsitzender im Fahrlehrer-Kreisverein.

Schulterblick nicht vergessen

Dass Motorradfahrer eine schmale Silhouette haben, ist für die Experten ein wichtiger Einflussfaktor. Autofahrer würden Geschwindigkeiten zuweilen auch falsch einschätzen. Und: Der doppelte Schulterblick beim Einordnen und Abbiegen, der seit Jahren Pflicht ist, wird nach Einschätzung von Gehring heute zu oft vergessen. Für Fahrlehrer Fischer ist er "das Effektivste“, weil der tote Winkel damit erfasst werden kann. Polizist Gehring sieht eine Pflicht bei Autofahrern, die eigene Aufmerksamkeit zu überprüfen, als Fahrer die Finger vom Handy zu lassen. "Viele legen das inzwischen in den Schoss“, lesen oder tippen – und fahren dann für Sekunden blind.

Wolfgang Fellmeth, bei der Verkehrswacht fürs Motorrad-Sicherheitstraining zuständig, nennt einen weiteren Aspekt. Motorradfahrer würden oft relativ wenige Kilometer im Jahr fahren, ihnen fehle somit der "siebte Sinn“ für Gefahrensituationen. Das Bewusstsein bei Motorradfahrern zu schärfen, dass sie bei Unfällen ohne Knautschzone den Kürzeren ziehen, gehört für die Experten dazu. Nur: Schwarze Schafe erreiche man mit Appellen meist nicht.

Blickkontakt aufnehmen

Wolfgang Fellmeth hat bei einer Ausfahrt beim Sicherheitstraining zuletzt zwei fremde Motorradfahrer erlebt, die mit hohem Tempo und "Knie am Boden“ in einer Kurve auf die Gegenfahrbahn brausten. Einer sei gegen den Randstein gekommen, habe sich gerade noch halten können. Für so etwas habe er "kein Verständnis“. 

Für Fahrlehrer-Chef Wolfgang Fischer gibt es klare Verhaltensregeln für Motorradfahrer: An jeder Kreuzung sollten sie "weg vom Gas“ gehen und Blickkontakt zum Autofahrer aufnehmen. "Zu 99 Prozent fährt er dann nicht weiter.“

Bei Unfällen im Stadtkreis Heilbronn im Jahr 2018 waren nur ein Drittel der verunglückten Motorradfahrer schuld an dem Unfall, im Landkreis die Hälfte. Das heißt: In vielen Fällen verunglücken Biker, weil andere falsch handeln. Das sollte beiden Seiten zu denken geben.

 

 

 

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