Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Kryptowährung Libra

Übersicht

Mit der Ankündigung, eine weltweite Digitalwährung einzuführen, hat der Internet-Konzern Facebook für Aufsehen in der Finanzbranche gesorgt. Noch sind viele Fragen offen bezüglich Libra, wie die Währung heißt. Doch klar ist, dass es sich um eine Kampfansage an die Branche handelt. Die wichtigsten Fragen und Antworten. 

Zahlungen vereinfachen

Was ist Libra?

Libra ist der Name einer Kryptowährung, die Facebook gemeinsam mit Partnern weltweit einführen will. "Libras Mission ist es, eine einfache, globale Währung und eine finanzielle Infrastruktur für Milliarden von Menschen bereitzustellen, die ihnen das Leben leichter machen“, heißt es in einem Papier des Libra-Konsortiums.

Wer steckt hinter Libra?

Facebook hat das Projekt gestartet und Partner an Bord geholt. Die Libra Association, die sich als "nicht gewinnorientierte, unabhängige, gemeinnützige Mitgliederorganisation mit Hauptsitz in Genf, Schweiz“ bezeichnet, hat 28 Mitglieder, dabei sind Uber, Paypal, Visa, Mastercard, Spotify, Vodafone sowie gemeinnützige Organisationen. Bis zum geplanten Start im ersten Halbjahr 2020 sollen es 100 Mitglieder sein.

Wie soll Libra funktionieren?

Über die digitale Geldbörse Calibra, die als App funktionieren soll, oder über Whatsapp oder Facebook sollen Nutzer Geld mit dem Smartphone oder Tablet in Sekundenschnelle überall hinschicken können.

Bitcoin Konkurrent?

Was sind die Unterschiede zwischen Libra und Kryptowährungen wie Bitcoin?

Im Gegensatz zum Bitcoin ist Libra eine Stablecoin – eine stabile Digitalwährung, die durch einen Reservefonds mit echtem Geld gedeckt ist. Das Konsortium verspricht, auf Vermögenswerte mit geringer Schwankungsanfälligkeit zu setzen, etwa auf Bankeinlagen oder sichere Staatsanleihen. Libra basiert auf der Blockchain-Technologie, allerdings wird sie nicht von den Nutzern selbst erstellt, sondern vom Konsortium – es entfallen damit die beim Bitcoin notwendigen energieintensiven Rechenleistungen.

Wie groß ist das Kundenpotenzial von Libra?

Gewaltig. Alleine Facebook hat rund 2,7 Milliarden Nutzer. Letztlich kommt jeder in Frage, der Zugang zum Internet hat. Libra verfolgt das Ziel, "mehr Menschen Zugang zu besseren, günstigen und offenen Finanzdienstleistungen zu ermöglichen – unabhängig davon, wer sie sind, wo sie leben, was sie tun und wie viel sie besitzen“, heißt es im Papier. 

Wie reagiert die Finanzbranche auf Libra?

Die neue Konkurrenz hat die Branche aufgeschreckt. Schließlich ist der Zahlungsverkehr die ureigene Domäne der Banken. Setzt sich Libra durch, gerät ihr Geschäftsmodell gewaltig unter Druck.

Gespaltene Ansichten

Wie bewerten Experten Libra?

Überwiegend skeptisch. "Es gibt noch viele offene Fragen“, sagt Professor Hans-Peter Burghof vom Lehrstuhl für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Uni Hohenheim. Insbesondere die Frage der Regulierung ist ungeklärt. Für Burghof ist angesichts des Potenzials von Libra klar: "Das muss reguliert werden wie eine Bank.“ Offen sei auch, wer den Reservefonds von Libra verwalten soll und ob es ausreichend solide Staatsanleihen gebe, um diesen Fonds zu füllen. Marcel Thum, Professor für Volkswirtschaftslehre an der TU Dresden, sieht in der Größe des Konsortiums eine Gefahr. "Was passiert, wenn dieser sehr große Spieler ausfällt?“ Für Thum und Burghof sind auch Datenschutz und Vertrauen zentral – schließlich hat Facebook hier viel Glaubwürdigkeit verspielt.

Welche Vorteile hat Libra?

Marcel Thum sieht die Möglichkeit, dass Libra für eine bequeme und billigere Art des weltweiten Geldtransfers sorgt. Vor allem bei Überweisungen in Entwicklungsländer, die heute sehr teuer sind, könnte die Digitalwährung Burghof zufolge "große Verbesserungen“ bringen.

 

 

Galerien

Regionale Events