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Keine Rückkehr zu G9

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Gibt es in Baden-Württemberg eine neue Diskussion über die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium? Die SPD will mit dem Versprechen, Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 zu lassen, 2021 in den Landtagswahlkampf ziehen.

Verlängerter Modellversuch

Ein entsprechender Antrag wurde auf dem kleinen Parteitag in Pforzheim beschlossen. Die Online-Petition "G9-jetzt Baden-Württemberg“ auf der Internet-Plattform Open-Petition hat bereits 35 702 Unterstützer. Doch wie hoch ist der Handlungsdruck? Fragen und Antworten. 

Wie ist der aktuelle Stand zu G8 und G9 im Land?

Im Schuljahr 2004/05 wurde landesweit für alle fünften Jahrgangsstufen flächendeckend das achtjährige Gymnasium (G8) eingeführt. Beschlossen wurde das "Turbo-Abi“ von der damaligen CDU-/FDP-Landesregierung unter Kultusministerin Anette Schavan (CDU). Die ab 2011 regierende grün-rote Landesregierung gestattete ab 2012 im Rahmen eines Modellversuchs je einem Gymnasium in den 44 Stadt- und Landkreisen die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium, der Versuch wurde an 43 dieser Schulen bis 2031/32 beziehungsweise 2032/33 verlängert.

Große Nachfrage

Wie wird das G9 nachgefragt?

An den 44 Gymnasien, die sowohl G8 als auch G9 anbieten, gibt es nach Mitteilung des Kultusministeriums für das kommende Schuljahr 2019/2020 insgesamt 5597 Anmeldungen, davon 5258 Schüler für G9 und 339 Schüler für G8. 2018 meldeten sich von 5706 Schülern 5435 Schüler für G9 und 271 Schüler für das G8 an. Die Anmeldezahlen für die G9-Modellschulen zeigen aus Sicht des Kultusministeriums, dass das Angebot des G9-Modellversuchs nach wie vor sehr gut angenommen werde.

An einigen Standorten wurde aufgrund der Anmeldezahlen komplett auf G9 umgestellt. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sieht aber momentan keinen Ansatz für eine Änderung am achtjährigen Gymnasium. "Im Koalitionsvertrag haben wir vereinbart, die bestehenden G9-Modellstandorte fortzuführen. Wir werden uns natürlich anschauen, wie es in anderen Bundesländern läuft, die zum G9 zurückgekehrt sind. Das ist aber eine Entscheidung, die wir sorgfältig abwägen werden.“

Kurswechsel im Marsch

Was sagen die Parteien?

Grüne, CDU und FDP sind gegen eine Rückkehr zum G9. Die AfD zeigt sich offen für eine Rückkehr oder zumindest für Wahlfreiheit. Die SPD hatte noch im Landtagswahlprogramm von 2016 eine pauschale Rückkehr zum G9 als nicht notwendig und nicht sinnvoll abgelehnt. Der Beschluss vom vergangenen Wochenende nach Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 stellt einen klaren Kurswechsel dar. Die bildungspolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion, Sandra Boser, kritisiert den einstigen Koalitionspartner und sprach von einem "bildungspolitischen Irrweg“.

Wie groß ist der Veränderungsdruck im Land?

Nachdem Bayern 2017 die Rückkehr zum G9 beschlossen und das neunjährige Gymnasium zum laufenden Schuljahr 2018/19 wieder eingeführt hatte, wurden diese Forderungen vereinzelt auch wieder in Baden-Württemberg laut. Eine entsprechende Online-Petition, von zwei Müttern im März 2018 gestartet, hat mittlerweile landesweit über 35 700 Unterstützer. Der Landeselternbeirat (LEB) fordert die Einführung des Systems "Abitur im eigenen Takt“, das in einem Kurssystem in acht oder neun Jahren zum Abitur führt. Der Landesphilologenverband äußert sich positiv. "Wir begrüßen diese bildungspolitische Positionierung der SPD“, heißt es.

 

 

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