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Lebenskonzept Zero Waste

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Ein Einmachglas mit Plastik, drei Kisten Papier und ein Schuhkarton mit Glas: Das ist der gesamte Müll, den Hanno und Shia Su innerhalb von einem Jahr verursachen. "Niemand ist perfekt“, fügen die beiden Kölner beruhigend hinzu. "Zero Waste“, also null Müll, lautet ihr Credo, und am Montagabend erzählen sie im Brackenheimer Bürgerzentrum auf Einladung des Arbeitskreises Klimaschutz humorvoll und ganz ohne erhobenen Zeigefinger von ihrem persönlichen Weg zur Müllvermeidung

Von Oma inspiriert 

Fast 300 Menschen aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn, aber auch darüber hinaus, sind gekommen, um sich von dem lockeren Paar Tipps zu holen. Tatsächlich waren es Hannos Omas, die die beiden stark inspiriert haben. Denn früher hieß es nicht trendy "zero waste“, sondern war einfach normal. „Vor den 1960ern gab es ja kein Plastik, Reste wurden an die Schweine verfüttert und vollkommen verwertet, alles andere wurde verbrannt“, erzählt Shia. 

Ihr Ziel war es, eine moderne Form dieses alten Lebensstils zu kreieren. "Wir wollten deswegen aber nicht aufs Leben verzichten, sondern nur auf Müll, und am liebsten sind wir faul“, gibt Hanno zu. Nichts mit "höggschde Disziplin“, sondern einfach erstmal: nichts gemacht. Ein Kaufstopp. "Der Schrank ist voll von Sachen, die man längst vergessen hat. Wir hatten drei Dosen Thymian.“ Das Publikum lacht, das kennt jeder. Und immer, wenn etwas leer war, kümmerten sie sich um eine müllfreie Alternative, wodurch sich die Umstellung eineinhalb Jahre hinzog. "Wir hatten einen Zahnpastavorrat von einem Jahr!“

Nicht neu kaufen

Die beiden erstellten auch eine Anti-Konsum-Pyramide. Erst mal benutzen, was man hat. Dann ausleihen, tauschen, gebraucht kaufen, selbst machen und erst wenn all das nicht klappt, neu anschaffen. "So viele Sachen sind am falschen Ort, sie müssen nur in die richtigen Hände gelangen“, stellt Hanno fest. 

Hanno und Shia entdeckten ihre Stadt, damals noch Bochum, neu. Der persische Gemüsehändler verkaufte Nüsse schon immer ohne Verpackung – bisher unbemerkt. Der Asia-Laden machte dasselbe mit Reis. Das Paar ließ sich immer neue Dinge einfallen, vor allem, als es noch keinen Unverpackt-Laden in der Nähe gab. Wäschenetze für den Zwiebeleinkauf im Supermarkt. Eigene Dosen an der Frischetheke, als es noch keine Systeme mit Tablett wie in Brackenheim gab. "Am Anfang waren wir immer total schüchtern, hatten Angst, was die Leute von uns denken, aber viele waren total offen und ließen sich Lösungen einfallen“, erinnert sich Hanno.

Geplante Umstellung

Eins sei klar: Wer faul sein will, braucht ein System. Mit der Zeit hat sich das Paar ein Zero-Waste-Kit zusammengestellt. Das besteht aus Metalldosen, Metallflaschen, Besteck (geht auch an der Pommesbude), Einkaufsbeutel, Marmeladenglas für Kaffee, Wäschenetze und Stofftaschentücher.

Beim ungeliebten Putzen haben die beiden auf alte Haushaltsmittel umgestellt. Essigessenz, Zitronensäure, Natron und Waschsoda halten alles sauber. Olivenölseife ersetzt Duschgel und Shampoo, verschiedene Öle all die Cremes und Tiegel. "Mit einem Esslöffel Apfelessig auf eine Tasse Wasser wird das Haar total weich“, erzählt Shia begeistert. Es gibt Bambuszahnbürste, Zahnputztabs und kompostierbare Zahnseide.

Ach ja, Klopapier haben die Kölner nur für Gäste im Haus. Sie selbst sind aufs Bidet umgestiegen, das gibt es auch als Flasche. "Das ist ein ganz neues Lebensgefühl.“

 

 

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