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Teure Azubis

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Betriebe könnten nach Überlegungen aus dem Handwerk künftig Ablösesummen zahlen, wenn sie Azubis gleich nach der Lehre von der Konkurrenz abwerben.

Teurer Verlust

Zwei von drei Fachkräften, die im Handwerk qualifiziert wurden, arbeiteten im Laufe ihres Berufslebens in anderen Wirtschaftsbereichen, sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer der dpa. "Unsere gut ausgebildeten jungen Leute werden abgeworben.“ Er denke deshalb über eine Entschädigung für Ausbildungsbetriebe nach, die Azubis direkt nach der Lehre verlieren. 

Konkret könnte man regeln, dass Auszubildende in den ersten Jahren nach ihrer Lehre nur dann den Betrieb wechseln dürfen, wenn der neue Arbeitgeber einen Teil der Ausbildungskosten übernimmt, so der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Denn die Betriebe stecken während der dreijährigen Lehre viel Geld in ihre Azubis – oft mit dem Hintergedanken, die jungen Leute später zu übernehmen und dann ohne lange Einarbeitung direkt einsetzen zu können.

Entschädigung

Was ein Auszubildender seinen Arbeitgeber kostet, ist je nach Branche unterschiedlich. Insgesamt zahle der Betrieb aber immer drauf, sagte Wollseifer. "Die Ausbildung kostet im ersten und zweiten Jahr Geld. Im dritten Lehrjahr kommt dann auch ein bisschen was rein.“ Nach der aktuellsten Kosten-Nutzen-Rechnung des Bundesinstituts für Berufsbildung (Bibb) hat ein Betrieb pro Azubi jährliche Kosten von etwa 18 000 Euro – zugleich aber erwirtschaftet der Lehrling rund 12 500 Euro. 

"Wir können den Gedankenanstoß von Herrn Wollseifer gut nachvollziehen“, sagt Ralf Schnörr, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Heilbronn-Franken. "Immer mehr Betriebsinhaber beschweren sich auch in unserem Kammerbezirk darüber, dass die Azubis nach erfolgreichem Abschluss den Betrieb verlassen oder abgeworben werden. Insofern wäre eine 'Prämie', wie auch immer diese gestaltet und die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür geschaffen würden, auf jeden Fall gerecht.“

Eigene Schuld?

Wenig Zustimmung findet die Idee bei Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken: "Ablösesummen für abgeworbene Azubis sind der falsche Weg“, meint sie. "Die Betriebe benötigen keine zusätzlichen Regelungen, die zudem dem Berufsbildungsgesetz widersprechen.“ Wenn Azubi und Ausbildungsbetrieb während Ausbildungszeit eine gute Arbeitsbeziehung aufgebaut haben, würden beide Seiten Interesse haben, diesen Weg gemeinsam fortzusetzen. Unternehmen, die sich aktiv um ihre Mitarbeiter bemühen, werden diese auch erfolgreich an sich zu binden.“

 

 

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