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Ethik und Digitalisierung

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Digitalisierung geht die ganze Welt an – und die gesamte Wirtschaft. Gibt es darauf eine christliche Perspektive? Ja, sagen der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer (AEU) und der Weinsberger Unternehmer Hans-Jörg Vollert, der den AEU in der Region vertritt.

Ethik und Technik

Die mit der Digitalisierung einhergehenden radikalen Veränderungsprozesse verpflichten unternehmerisch tätige Protestanten zur Gestaltung, heißt es in einer Handreichung zum Thema, die Vollert beim Prälaturforum Kirche Wirtschaft in der Tagungsstätte Löwenstein verteilt. 

Künstliche Intelligenz werfe ethische Fragen auf, der bestehende Wettbewerb wird verzerrt. Und schließlich gibt die Digitalisierung Individuen – und auch Unternehmern – die Möglichkeit, ihre Präferenzen zu artikulieren. Was wiederum ethische Fragen nach sich zieht.

Die Antwort der Bibel ist einfach: Du sollst kein falsch Zeugnis reden. Aber was heißt das in der Praxis? Die Medienwissenschaftlerin Caja Thimm von der Universität Bonn sieht auf Politik und Wirtschaft große Herausforderungen zukommen. Denn: "Algorithmen sind nicht neutral, sondern hochgradig gefärbt“, sagt die Professorin. "Sie filtern unsere Wahrnehmung.“ Die Frage nach der Wahrheit stelle sich deswegen ganz neu.

Falsche Informationen

Die digitale Öffentlichkeit funktioniere vollständig anders. "Wir müssen uns in diese Kultur reindenken und sie verstehen lernen.“ Um den christlichen Unternehmern den richtigen Umgang mit der digitalen Öffentlichkeit zu erleichtern nennt die Medienwissenschaftlerin Thimm einige Punkte:

"Fake News“: Dass sich schon Kinder auf dem Schulhof mit den Worten „Du bist Fake News“ beschimpfen, zeige, wie sehr dieses von US-Präsident Donald Trump gesetzte Thema die Welt verändert hat. Caja Thimm warnt deswegen davor, diesen Begriff zu übernehmen. Sie spricht lieber von Desinformationen. Wenn diese selbst vom US-Präsidenten verbreitet würden, erschüttere das die Grundfesten der Demokratie

Man kann etwas tun: In einer Welt, in der per Internet jeder Nutzer Nachrichten verbreiten kann, sind Desinfomationen alltäglich geworden, sagt Caja Thimm. Als Beispiel nennt sie eine Falschaussage eines berüchtigten Rechten aus Chemnitz, der sich auch durch eine ausdrückliche Korrektur der sächsischen Polizei nicht beirren ließ. Thimm arbeitet indes viel mit der Polizei zusammen, um Strategie zu finden, wie man mit Widerspruch gegen Desinformationen vorgehen kann: "Es lohnt sich.“

Verbreitung im Netz

Die Rechten und das Netz: "Soziale Medien sind nicht sozial im eigentlichen Sinne“, sagt die Professorin. "Aber sie ermöglichen sehr wohl Kontakt mit Mitmenschen.“ In der Regel mit Gleichgesinnten. "Die Echokammern sind selbstgewählt“, sagt sie – und Pegida verteile digitale Streicheleinheiten. Gerade Menschen, die sich eher ausgegrenzt fühlen, fühlten sich in diesen Gruppen zu Hause – und auch ältere rechtspopulistische Wähler benutzten aus diesem Grund Facebook. "Die Lügenpressedebatte hat Spuren hinterlassen“, so Thimm: AfD-Wähler seien von den Traditionsmedien am stärksten entfremdet. 

Technologie: Mit frei verfügbarer Software lassen sich auch Videos fälschen – und zwar live, erklärt Thimm. Das kann auch für Unternehmen gefährlich werden, wenn gefälschtes Filmaterial im Umlauf ist. Ein aktuelles Beispiel: Bei Instagram kursiert zurzeit ein gefälschtes Video, in dem Facebook-Chef Mark Zuckerberg über die Weltherrschaft sinniert. 

Unternehmer und Kirchenleute brauchen angesichts dieser Veränderungen mehr digitale Kompetenz, fordert Caja Thimm. "Wir brauchen mehr Verständnis für Technologie und eine Wachsamkeit, was das Thema Manipulation angeht“, sagt sie.

 

 

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