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Kohlekraftausstieg gefordert

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Geht es nach der Umweltökonomin Claudia Kemfert, dann sollte das Heilbronner Kohlekraftwerk so schnell wie möglich vom Netz gehen – nicht erst 2038. Je mehr Meiler frühzeitig wegfallen, umso mehr Spielräume gebe es am langen Ende, was die Erfüllung der Pariser Klimaziele angeht.

Ausbau erwünscht

"Viele Kohlekraftwerke sind ja älter als ich“, sagt die 50-Jährige. Die könnten sofort abgeschaltet werden – wenngleich die beiden Heilbronner Blöcke deutlich moderner sind. 

Die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) setzt stattdessen auf einen massiven Ausbau der Erneuerbaren Energien und auf dezentrale Lösungen. "Der Ausbau muss aber deutlich schneller erfolgen als bisher“, sagt sie. Bei einem Vortrag in Heilbronn schimpft sie über den Deckel bei der Photovoltaik. "Das ist widersinnig. So werden die Klimaziele nicht erreichen.“ Auch die Windkraft müsse schneller ausgebaut werden.

Konsum verändern

In einer klug umgesetzten Energiewende sieht sie durchaus wirtschaftlichen Chancen – sie macht aber zugleich deutlich, "dass wir insgesamt über unseren Verhältnissen leben und deswegen auf einen nachhaltigen Kurs umsteuern müssen“. Dazu gehört für sie auch ein deutlich sparsamerer Umgang mit Energie und insbesondere mit Strom. "Es gibt nicht genügend Anreize, Energie zu sparen“, sagt sie – und nimmt sich auch selbst in die Pflicht. In Paris sei ein Kurswechsel vereinbart worden, betont sie. "Wir sind Teil des Problems, aber auch diejenigen, die das Problem lösen können, sollen und müssen.“ 

Während sie auch die Verkehrswende fordert und den Umstieg auf die Elektromobilität, macht sie zugleich deutlich, dass viele der Stromer, die jetzt auf den Markt kommen, keine Lösung sind: "SUVs sind groß und schwer. Das muss man ändern.“ Denn: "Jede Energie, die wir nicht verbrauchen, ist für die Energiewende gut, weil wir dann weniger erneuerbare Energie erzeugen müssen.“ Nicht den Preis sieht sie dabei als kritisch an, sondern die Verfügbarkeit – solange um jedes Windrad gestritten werde. "Die erneuerbaren Energien werden immer billiger.“

Ansätze vorhanden

Die Versorgungsicherheit sieht die Expertin durch die Energiewende indes nicht als gefährdet an. "Vor dem Blackout brauchen wir keine Angst zu haben“, sagt Kemfert. "Das sind Mythen.“ Während sie die Suedlink-Leitung, die Windstrom aus dem Norden nach Leingarten bringen soll, für sinnvoll hält, sieht sie andere geplante Verbindungen kritisch – weil der jetzt beschlossene Kohleausstieg dabei nicht berücksichtigt sei. 

Lastmanagement und steuerbare Speicherkapazitäten, sieht sie als Schlüssel für eine erfolgreiche Energiewende. Unter dem Strich ist für sie aber klar: "Wir müssen auf die Verbrennung fossiler Energien verzichten.“

 

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