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Der symbolische Cent?

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Die klassischen Plastiktüten sind im deutschen Lebensmittelhandel kaum noch zu finden. Doch dünne Plastikbeutel zur Verpackung von losem Obst und Gemüse werden nach wie vor milliardenfach verwendet. Dagegen will Aldi nun etwas tun. Der Discounter kündigte am Dienstag an, er werde im Interesse des Umweltschutzes die kostenlosen Obst- und Gemüsebeutel abschaffen

Umweltfreundlich?

Wer beim Einkauf von Äpfeln, Birnen oder Tomaten nicht auf den sogenannten Knotenbeutel verzichten will, muss dafür vom Sommer an einen Cent pro Stück zahlen, wie das Unternehmen am Dienstag ankündigte. Dafür ist der Beutel dann aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Die "Süddeutsche Zeitung“ hatte zuvor über die Aldi-Pläne berichtet. Bei Umweltschützern und anderen Handelsketten stieß der Vorstoß auf Kritik.

Bisher bieten die großen Lebensmittelhändler die dünnen Kunststoffbeutel in ihren Obst- und Gemüseabteilungen in der Regel noch kostenlos an. Aldi will dies Praxis jedoch beenden und damit eine Vorreiterrolle im Einzelhandel übernehmen. "Wir würden uns freuen, wenn andere Händler mitziehen. Denn nur durch eine branchenweite Lösung können wir bei der Reduzierung der Plastiktüte einen großen Schritt nach vorne machen“, sagte Aldi-Managerin Kristina Bell. Die Erfahrung bei den normalen Plastiktüten habe gezeigt, dass Umdenken einsetze, wenn Geld dafür verlangt werde. 

Keine langfristige Lösung

Während der Verbrauch an "klassischen“ Plastiktüten in den vergangenen Jahren drastisch gesunken ist, wurden auch 2018 in Deutschland nach Angaben des Bundesumweltministeriums noch rund drei Milliarden der dünnen Knotenbeutel verbraucht, ähnlich viele wie in den Jahren zuvor.

Bei Umweltschützern stieß die Aldi-Initiative dennoch auf erhebliche Vorbehalte. Die Deutsche Umwelthilfe bewertete den Schritt als "reine Symbolpolitik“. Ein signifikanter Lenkungseffekt sei bei einem derart niedrigen Preis nicht zu erwarten. Auch Greenpeace-Sprecherin Viola Wohlgemuth bezeichnete die Initiative als "Augenwischerei“. Der Umstieg auf Bioplastik sei keine Lösung, denn auch dieses Material brauche sehr lange, bis es verrotte.

Neue Vorschläge

Wenn Aldi hier wirklich etwas tun wolle, müsse es das Einkaufen von unverpackten Produkten aktiv fördern. "Toll wäre es, wenn es einen Preisnachlass für unverpackt gekaufte Ware geben würde, statt mehr Geld für die Beutel zu nehmen. Das könnte gerade bei der preisorientierten Kundschaft von Aldi funktionieren“, sagte sie.

Ministerin Svenja Schulze mahnte unterdessen weitere Maßnahmen an: "Ich habe den Handel aufgefordert, mir bis Herbst konkrete Konzepte vorzulegen, wie die Supermärkte auf ökologisch sinnvolle Weise die Menge an Plastikverpackungen deutlich verringern können. Das gilt für Hemdchenbeutel, aber eben auch für andere Obst- oder Gemüseverpackung.“

 

 

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