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Kein Bier für Nazis

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Fußball-Fest, prominente Unterstützung und ein Bier-Coup: Ostritz hat mit Zivilcourage ein deutliches Zeichen gegen das rechtsextreme "Schild und Schwert Festival“ in der ostsächsischen Stadt gesetzt.

Rechtsextremer Rückgang

Man könne sehr froh sein, dass deutlich weniger Neonazis und Rechtsextremisten gekommen seien als erwartet worden waren, sagte Michael Schlitt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal (IBZ), am Sonntag im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Mein Eindruck ist, dass die Proteste der Zivilgesellschaft Wirkung zeigen. Die Neonazis sehen, dass sie nicht willkommen sind in Ostritz“, sagte er. 

Zu dem Neonazi-Treffen waren nach Polizeiangaben zwischen 500 und 600 Teilnehmer angereist. "Ich hatte damit gerechnet, dass mehr als 2000 Leute kommen“, sagte Michael Schlitt. Die Polizei zog am Sonntag eine positive Bilanz. Alle Versammlungen und Veranstaltungen seien friedlich verlaufen, sagte der Leitende Polizeidirektor Holger Löwe. Insgesamt wurden von Freitag bis Sonntag 32 Straftaten und 5 Ordnungswidrigkeiten festgestellt. Schwerpunkte waren 16 Verstöße gegen das Versammlungsgesetz sowie zehn Fälle des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Bier ausverkauft

Mit ihrem kreativen Protest "Kein Bier für Nazis“ haben die Einwohner ein viel beachtetes Signal gesendet. Nachdem für die Veranstaltung ein Alkoholverbot verhängt worden war, hatte das IBZ am Samstag die Biervorräte eines Supermarktes aufgekauft. "Wir sind froh, dass wir damit ein Zeichen setzen konnten für Bürgerengagement“, sagte Schlitt.

Man habe auch damit klar gemacht, dass man in Ostritz keine Neonazis wolle. Nach der gerichtlichen Bestätigung des Alkoholverbots für das Rechtsrock-Konzert auf dem Gelände eines früheren Hotels hatten die Polizei und das Technische Hilfswerk 4200 Liter Bier dort beschlagnahmt und bei Kontrollen der Anreisenden rund 200 Liter alkoholische Getränke eingezogen.

Hilfe zur Umsetzung

In einer Spontanaktion kauften dann die Ostritzer Bürger deutlich mehr als 100 Kästen Bier in einem Supermarkt auf. Es könne ja nicht sein, dass auf dem Gelände ein Alkoholverbot gelte und dann vor dem Markt Alkohol in großen Mengen getrunken werde. "Ich denke, dass wir damit geholfen haben, das Alkoholverbot umzusetzen.“

Zu den Kosten des Einkaufs sagte Schlitt: "Das können Sie sich ja ausrechnen.“ Die Biervorräte seien nun erstmal eingelagert und sollten in absehbarer Zeit mit den engagierten Helfern getrunken werden. "Wir werden in Kürze ein schönes Fest feiern und die Leute zu einem kleinen Umtrunk einladen.“ dpa

 

 

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