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Landwirte für die Umwelt

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Als ob sie die Dringlichkeit des Klimaschutzes unterstreichen wollte, brennt die Sonne vom Himmel. In Leipzig diskutieren sich beim Deutschen Bauerntag 500 Landwirte die Köpfe heiß, wie sich die Branche auf die Herausforderungen der Zukunft einstellen soll.

Vielfalt und Schutz

"Wir sind bereit zur Veränderung und brauchen dafür verlässliche und langfristig angelegte Rahmenbedingungen“, sagte der Deutsche Bauernpräsident, Joachim Rukwied aus Eberstadt. Eine Resolution zur Artenvielfalt in der Agrarlandschaft soll die Biodiversität fördern. 

Es sind unruhige Zeiten, in denen Bauernfunktionäre aus ganz Deutschland in Leipzig zusammenkommen. Agrarmärkte, wie bei den Zuckerrüben zum Beispiel, sind im Aufruhr, die Zukunft der Europäischen Förderpolitik steht in den Sternen, kontroverse Diskussionen drehen sich um die Nutztierhaltung. Zwei Themen stehen in Deutschland und in Leipzig vor allem im Mittelpunkt: Arten- und Klimaschutz.

Geradezu beschwörend fordert Rukwied Veränderungswillen von seinen Kollegen ein. "Wir müssen mehr tun.“ Der Bauernpräsident fordert aber auch Bundesregierung und EU dazu auf, die Landwirte auf diesem Weg stärker zu unterstützen. Außerdem: Global gebe es 800 Millionen hungernde Menschen. "Wir müssen die Menschen satt bekommen. Das geht nur mit einer effizienten und zukunftsgerichteten Landwirtschaft.“

Neue umweltfördernde Maßnahmen

Die Resolution, die das DBV-Präsidium gestern verabschiedet hat, umfasst mehrere Punkte. So sollen praxistaugliche Maßnahmen entwickelt werden, die "Ökologie und Ökonomie“ in Einklang bringen. Klima- und Naturschutz solle einen höheren Stellenwert in der Ausbildung erhalten. Inhalt der Resolution ist auch, verstärkt Beratungsangebote für die Mitglieder anzubieten.

Der Verband fordert, Umweltmaßnahmen "sinnvoll über die Gemeinsame Agrarpolitik zu finanzieren“ und eine nationale "Initiative Artenvielfalt“ zu etablieren. Im Blick haben die Bauern dabei alle Akteure der Lebensmittelkette, den Handel, die Verarbeitung und die Verbraucher. 

Druck auf die Landwirte übt das Volksbegehren "Rettet die Bienen“ in Baden-Württemberg aus. Angeführt vom Bio-Verband Demeter kämpft ein großer Kreis aus Naturschützern für einen Umbau der Landwirtschaft. So soll bis 2035 die Hälfte der Flächen auf biologische Wirtschaftsweise umgestellt werden. Die Menge der eingesetzten Pestizide sei bis 2025 zu halbieren.

Aktionen statt Worte

In Baden-Württemberg, so die Argumentation des Volksbegehrens, würden neun Prozent aller Ackergifte ausgebracht. Gemessen am Flächenanteil dürften es aber nur sechs Prozent sein. Rund 20 000 Unterschriften wurden für das Volksbegehren bereits gesammelt.

"Im Gegensatz zu manchen Initiatoren des Volksbegehrens unternehmen wir in der Praxis etwas“, sagt Rukwied. So seien in diesem Jahr mehr als 230 000 Kilometer Blühstreifen angelegt worden – als Nahrungsgrundlage für Insekten. Bei allem, was noch zu tun sei: "Wir wünschen uns Wertschätzung für das, was wir schon geleistet haben.“ Die Delegierten belohnen diese Aussage mit großem Beifall. Der Bauernverband habe sich eine eigene Klimastrategie gegeben. Ziel: Die Emissionen sollen bis 2030 um 30 Prozent sinken. Hier sieht Rukwied noch Potenzial: "Etwa bei der energetischen Nutzung von Biomasse und Reststoffen oder bei der Reduktion von Ammoniakemissionen.“

Tierhaltung verbessern

Im Fokus der Öffentlichkeit liegt auch die Nutztierhaltung. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner arbeitet an einem staatlichen Label. Rukwied warnte davor, die von Handel und Landwirtschaft ins Leben gerufene Initiative Tierwohl zu gefährden – deren Standards aber als zu großzügig in der Kritik stehen. Nach Ansicht des Bauernverbands wäre eine verpflichtende Haltungs- und Herkunftsbezeichnung für Fleisch sinnvoll. Ob die Hürden übersprungen werden können, ist unklar. Rukwied will jedenfalls ein Signal Richtung Verbraucher senden und verpflichtende Tierschutz-Weiterbildungen für Landwirte auf den Weg bringen.

Um allen Herausforderungen gerecht zu werden, dürften sich die Landwirte nicht auseinanderdividieren lassen in klein oder groß, konventionell oder Bio. Ein Dorn im Auge sind ihm Großstädter, die keine Ahnung von Landwirtschaft hätten, aber die Agrarpolitik massiv beeinflussen wollten. Doch Polarisierung helfe nicht weiter. "Wir müssen mit diesen urbanen Milieus diskutieren.“ 

 

 

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