Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Frauen(kampf)tag

Übersicht

In Heilbronn steht am heutigen Frauentag einiges auf dem Programm. "Nach hundert Jahren Frauenwahlrecht sind wir noch längst nicht am Ziel“, sagt Silke Ortwein. Seit zehn Jahren organisiert die Kreisvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Veranstaltungen zu diesem Anlass.

Gleicher Lohn 

Immer populärer wird auch der sogenannte Equal Pay Day. Dieser "Tag der gleichen Bezahlung“ symbolisiert den Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen. Laut Statistischem Bundesamt ist der Bruttoverdienst von Frauen in Deutschland nämlich um 21,8 Prozent geringer als der von Männern – in Baden Württemberg sind es sogar 27,8 Prozent. In diesem Jahr ist der 18. März der Tag, bis zu dem Frauen rechnerisch gesehen ohne Gehalt gearbeitet hätten, weil sie weniger Lohn bekommen als Männer. Diese Betrachtung ist allerdings umstritten.

Wie hoch ist der Gender Pay Gap denn tatsächlich?

Die 21,8 Prozent Lohnunterschied sind Fakt. Interessant wird es bei der Unterscheidung zwischen dem bereinigten und dem unbereinigten Gender Pay Gap, englisch für geschlechtsspezifisches Lohngefälle. "Die unbereinigte Lohnlücke kommt auch dadurch zustande, dass Frauen viel öfter in Teilzeitjobs oder schlecht bezahlten Berufen arbeiten als Männer“, betont Ortwein. "Im bereinigten Gender Pay Gap wird hingegen alles rausgerechnet, was man an strukturellen Gründen heranziehen kann. Also Teilzeitarbeit, Bildungsabschluss, Alter, Unternehmensgröße, Branche oder Position. Am Ende bleiben dann noch sechs Prozent.“

Sind die unbereinigten Werte also wertlos?

"Beim unbereinigten Gender Pay Gap werden Äpfel mit Birnen verglichen“ – ein Argument, das Ortwein häufig hört. "Was die Männer uns da vorlegen, ist aber Quatsch“, sagt sie. "Klar werden hier unterschiedliche Faktoren wie beispielsweise Teilzeit- mit Vollzeitjobs verglichen. Aber man kann ja auch nicht so tun, als wäre der Markt gerecht und funktionierend“, sagt die Gewerkschafterin. So seien psychische Anforderungen wie etwa Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen auch beim bereinigten Gender Pay Gap außen vor. Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland im unteren Drittel ab. Der Anteil der Frauen, die in Teilzeit arbeiten oder sehr lange Familienpausen machen, ist in Deutschland höher als in vielen anderen europäischen Ländern.

Zeigt sich Diskriminierung neben der Bezahlung auch in anderen Bereichen?

"In einem sehr stark männerdominierten Geschäftsumfeld mag Frau vielleicht unter besonderer Beobachtung stehen“, sagt Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Heilbronn-Franken. "Aber erfreulicherweise sind Frauen in Führungspositionen heute keine Seltenheit mehr. In der Leistungsbewertung spielt das Geschlecht keine Rolle.“ Die Frage nach der Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf bekommt sie aber oft gestellt. "Wahrscheinlich häufiger als ein Mann.“ Für Ortwein sind Frauen doppelt benachteiligt: "Es ist für sie schwerer, einen Job zu bekommen, und dann werden sie auch noch schlechter bezahlt.“

Ist die Frauenquote die Lösung?

"Wenn wir die gläserne Decke der Berufswelt nicht durch Quoten aufbrechen, haben Frauen keine Chance“, sagt Marianne Kugler-Wendt, Verdi-Geschäftsführerin der Regionen Heilbronn-Neckar-Franken und Rhein-Neckar. Verdi sei die erste Gewerkschaft gewesen, die die Quote hatte. Elke Döring sieht die Frauenquote skeptisch: "Ich verstehe die Intention dahinter. Aber es muss doch auch ohne Quote gelingen, Frauen in Führungspositionen zu etablieren. Durch den demografischen Druck haben wir immer mehr Bedarf an hochqualifizierten Mitarbeitern.“ Außerdem wachse die Bereitschaft der Frauen, Verantwortung zu übernehmen. So werde sich ihr Anteil in Führungspositionen von selbst erhöhen.

Was tragen Frauen selbst zu ihrer Situation bei? 

"Sie haben nicht nur weniger Führungspositionen inne, sondern treffen auch weniger politische Entscheidungen“, betont Kugler-Wendt. Als stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD wisse sie: "Frauen halten sich oft aus der Politik raus, nehmen Entscheidungsmöglichkeiten nicht wahr.“ Nur 20 Prozent des Heilbronner Gemeinderats bestehe aus Frauen. "Männer trauen sich einfach, Frauen schlafen noch zweimal darüber“, sagt auch Ortwein. "Aber oftmals traut man das den Frauen nicht so zu. Weder die Männer den Frauen noch die Frauen sich untereinander“, betont Kugler-Wendt.

Wird die Gleichberechtigung eines Tages Realität sein?

"Irgendwann wird die Problematik überwunden sein“, zeigt sich Kugler-Wendt zuversichtlich. Vieles sei das Ergebnis von harten Kämpfen. "Vor ein paar Jahren hatte ich das Gefühl, dass das gar nicht mehr wahrgenommen wird“, sagt sie. Aber durch konkrete Auslöser wie Trump, die "Me Too“-Debatte um sexuelle Belästigung oder den Paragraphen 219a, der sogenannte Werbung für Abtreibungen regelt, sei das Thema Gleichberechtigung wieder viel stärker in den Fokus geraten. "Junge Frauen stellen wieder mehr Fragen, engagieren sich. Ich bin da sehr hoffnungsfroh“, sagt auch Ortwein. 

Veranstaltungen zum Frauentag

Im Gewerkschaftshaus Heilbronn veranstalten DGB Heilbronn und Kulturkeller ab 18.30 Uhr Gespräche, Buffet und Gedanken zum Frauentag. Ab 19.30 Uhr tritt das Kabarett Kabbaratz auf.

Der Frauenrat organisiert im Rathaus in Heilbronn ab 16.30 Uhr Reden, Musik und ein Buffet.

In Schwäbisch Hall organisiert die Agentur für Arbeit, die auch für den Hohenlohekreis zuständig ist, zwei Veranstaltungen: Im Sonnenhof Mobile startet ab 18 Uhr ein „märchenhafter Abend“. In der VHS gibt es ab 9 Uhr den Vortrag "Minijob und Rente – Frauen leben länger, aber wovon?“ 

 

Galerien

Regionale Events

Würth Open Air

Vom 28. bis 30. Juni findet in Künzelsau das Würth Open Air statt.