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Kein Dauerzustand

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Die einen machen eine offizielle Exkursion zu einer Klimaschutz-Demonstration, den anderen drohen Hausarbeiten zur Strafe – landesweit handhaben Schulen es sehr unterschiedlich, wie sie mit Schülern umgehen, die für Klimaschutzdemos den Unterricht schwänzen. Ist das gerecht

Keine Bestrafung

"Bei uns kommen Meldungen an, dass es im Einzelfall bis zu drei Tage Schulausschluss gegeben hat“, sagt Roman Jauch, Sprecher des Landesschülerbeirats. An seiner eigenen Schule, dem Otto-Hahn-Gymnasium in Tuttlingen, läuft es anders. "Wer freitags demonstrieren will und beim Unterricht fehlt, trägt sich donnerstags in eine Liste ein, damit die Lehrer Bescheid wissen, und am Montagnachmittag wird das Versäumte in der Schule nachgearbeitet“, sagt Jauch. "Das läuft auf Vertrauensbasis.“ 

Die Tuttlinger Lösung ist ganz im Sinne der Kultusministerin. Susanne Eisenmann (CDU) hat den Schulleitern Ende Februar einen Brief geschrieben, in dem sie für pädagogische Lösungen wirbt und die Entscheidung über Sanktionen den Schulleitungen überlässt. Aber wie lange soll das noch so gehen? "Ich will engagierte Schülerinnen und Schüler. Deshalb habe ich die Schulen gebeten, das Thema Klimaschutz im Unterricht zu behandeln“, sagt Eisenmann auf Anfrage unserer Zeitung.

Pädagogische Lösung

"Aber die Demonstrationen müssen nicht während der Schulzeit sein. Wer Klimaschutz ernst meint, kann das auch außerhalb der Schulzeit machen. Wir müssen hier zu Maß und Mitte zurückfinden. Deshalb muss auch der geschwänzte Unterricht nachgeholt werden. Wir verhängen keine Bußgelder. Aber es kann nicht auf Dauer gehen, dass wir Unterricht ausfallen lassen für den Klimaschutz“, so Eisenmann.

Den Vorwurf, sich aus der Debatte herauszuhalten und sich um ein Machtwort herumzudrücken, weist sie zurück. "Im Gegenteil: Ich habe die Schulen aktiv dazu ermuntert, das Thema aufzugreifen, um den Schülern damit zu zeigen, dass wir ihr Engagement ernst nehmen und es etwas bewirkt“, sagt die CDU-Politikerin. "Ich habe mich bewusst dafür entschieden, in meinem Brief für pädagogische Lösungen zu werben.“ Darauf habe es viele positive Rückmeldungen und gute Beispiele gegeben.

Andere Themen

"Wie zum Beispiel das Gymnasium in Mengen. Dort hat der Ethikkurs mit seiner Lehrerin eine Aktion zum Thema Klimafasten gemacht, also zur Frage, wie jeder einzelne von uns zum Klimaschutz beitragen kann“, sagt Eisenmann. Dass landesweit unterschiedlich auf die Demonstrationen reagiert wird, liege in der Natur der Sache – da müsse jede Schule für sich die beste Lösung finden.

Schule und Klimaschutz sollten allerdings nicht gegeneinander ausgespielt werden, fordert die Ministerin. "Beides muss nebeneinander funktionieren. Im Übrigen sei im Schulgesetz der Umgang mit unentschuldigtem Fehlen festgelegt. "Und man muss auch feststellen, dass viele Schulen sehr sinnvolle Lösungen gefunden haben, wie das erwähnte Beispiel des Gymnasiums in Mengen zeigt“, so Eisenmann. 

Klar sei aber auch, dass der Unterricht nicht dauerhaft ausfallen könne. "Zumal es viele weitere wichtige Themen wie Menschenrechte oder Tierschutz gibt. Wenn nun jeden Tag für eines dieser Themen demonstriert wird, dann haben wir am Ende gar keinen Unterricht mehr. Und das kann es ja nicht sein.“
 

 

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