Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Mehr Windfläche

Übersicht

In Baden-Württemberg sind doppelt so viele Flächen für den Bau von Windkraftanlagen geeignet wie bisher angenommen. Dies geht aus dem neuen Windatlas des Landes hervor, den Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) am Mittwoch in Stuttgart präsentierte. Demnach sind im Südwesten 6,2 Prozent der Gesamtfläche – also rund 220 000 Hektar – theoretisch dafür geeignet, Windräder aufzustellen. Die bisherigen Annahmen bezogen sich noch auf Berechnungen aus dem Jahr 2011

Neuer Atlas

"Der neue Atlas zeigt uns, dass es auch im Südosten des Landes und im Rheingraben durchaus gute Standorte für Windkraftanlagen gibt“, sagte Untersteller. So kämen mehr Orte in Oberschwaben als Standorte in Frage, als bisher angenommen. Bisher sei bekannt, dass im Südwesten vor allem in den Höhenlagen des Nord- und Südschwarzwaldes sowie auf der Schwäbischen Alb die besten Windverhältnisse herrschten, so der Grünen-Politiker weiter. Der Nordosten Baden-Württembergs sei hingegen weniger gut geeignet als gedacht. 

Der Ausbau der Windenergie im Südwesten geriet zuletzt ins Stocken. So wurden im vergangenen Jahr lediglich 35 neue Anlagen in Betrieb genommen. 2017 waren es noch 123 Anlagen. Ende 2018 lieferten jedenfalls 720 Windkraftanlagen im Land erneuerbaren Strom – doppelt sie viele wie 2011. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich die installierte Leistung von knapp 480 auf zuletzt rund 1500 Megawatt. Der Windstromertrag hat sich dadurch auf etwa 2700 Gigawattstunden mehr als vervierfacht.

Bessere Planung

Trotzdem: Der Anteil der Windkraft an der Bruttostromerzeugung beträgt lediglich 3,8 Prozent. Untersteller musste deshalb zuletzt mehrmals eingestehen, dass es in diesem Energiesektor zuletzt kaum Fortschritte gab. Der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Verbrauch lag 2018 im Südwesten bei 14,8 Prozent.

Mit dem neuen Windatlas sind laut Untersteller nun die Möglichkeiten verbessert worden, Flächen nach ihren Windverhältnissen zu kartieren. So gebe es unter anderem inzwischen bessere Simulationen und vor allem eine Reihe der Daten der bestehenden Anlagen. Den Windatlas bezeichnete Untersteller in eher technokratischem Ton als "zeitgemäße Informations- und Planungsgrundlage“.

Allerdings: Nicht berücksichtigt bei den Berechnungen wurden "beispielsweise Belange des Artenschutzes oder regionalplanerische Restriktionen“, erklärte der Minister.

Orakel bleibt aus

Doch wie viele neue Windkraftanlagen können künftig im Südwesten gebaut werden? Darauf vermochte Untersteller keine Antwort geben. "Das Orakel sitzt in Delphi, nicht in Stuttgart, und es zieht auch nicht um“, sagte er schmallippig. 

Untersteller verwies auf die schwierigen politischen Rahmenbedingungen. So verhindere die Politik des Bundes den Bau von Windkraftanlagen in Süddeutschland. 2017 hat die Bundesregierung eingeführt, dass sich mögliche Windrad-Betreiber in einem Ausschreibungsverfahren um Genehmigungen und Fördermittel bewerben können. Wer den Strom günstig produzieren kann und weniger Förderung verlangt, wird bevorzugt. Gebiete im Norden sind dadurch im Vorteil, weil zum einen mehr Wind weht als im Süden. Zudem ist das Flachland einfacher für Windanlagen zu erschließen als zum Beispiel Höhengebiete des Schwarzwaldes.

Die FDP kritisierte, das Land würde trotz der geringen Bundesförderung seine Energiepläne auf die Windkraft konzentrieren. Energieexperte Andreas Glück: "Das ist engstirnig und verbohrt.“

 

Galerien

Regionale Events