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Das Kreuz mit der Sucht

Übersicht

Die Debatte um schärfere Gesetze zum Nichtraucherschutz in Deutschland ist in vollem Gange: Landesgesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) will einen grundsätzlichen Rauchstopp in der Gastronomie in Baden-Württemberg. Auf Bundesebene berät die große Koalition über ein Verbot von Tabakwerbung. Wie steht es um andere Sucht- und Rauschmittel wie Alkohol oder Cannabis? Sind die davon ausgehenden Gesundheitsgefahren vergleichbar mit denen von Zigarettenqualm? Und was ist der Stand in puncto Verbote? 

Tabak

Nikotin ist ein starkes Suchtmittel und Tabak enthält zahlreiche Schadstoffe wie Teer, Ammoniak und Kohlenmonoxid. Beim Inhalieren über die Lunge werden sie schnell und effizient aufgenommen und können so großen Schaden anrichten. Rauchen erhöht das Krebsrisiko, es fördert Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie chronische Entzündungen und Geschwüre im Magen-Darm-Trakt. Rauchen vermindert die Fortpflanzungsfähigkeit, indem es bei Männern Erektionsstörungen begünstigt und bei Frauen auf die Fruchtbarkeit wirkt. Es hat auch massive Auswirkungen auf andere: Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) reagieren besonders Kinder empfindlich auf die Giftstoffe im Tabakrauch. Ihr Körper befindet sich in der Entwicklung und ihre Organe, zum Beispiel die Lunge, können schnell schwer geschädigt werden – und zwar schon durch Rauch-Rückstände an Kleidung oder Tapeten. Kinder haben eine höhere Atemfrequenz und ihr Körper ist noch nicht genügend ausgereift, um Giftstoffe abzubauen. Das heißt, sie nehmen beim Passivrauchen die Schadstoffe in deutlich höherer Konzentration auf als Erwachsene. Passivrauchende Kinder sind anfälliger gegenüber Erkrankungen. So leiden Kinder aus Raucherhaushalten häufiger an Mittelohrentzündung, Lungenentzündung und Bronchitis sowie an Asthma, auch das Risiko für plötzlichen Kindstod steigt für sie. 

Cannabis

In manchen Teilen der Welt – in Kanada etwa oder in einigen US-Bundesstaaten – ist der Konsum von Cannabis für den Freizeitgebrauch erlaubt. Nicht so in Deutschland, wo Cannabis nach wie vor eine illegale Droge ist. Zugelassen ist der medizinische Einsatz nach ärztlicher Verordnung zur Therapie bestimmter Erkrankungen. 
THC ist der Haupt-Inhaltsstoff von Cannabis, es erzeugt kurzfristig einen Rausch und man kann davon süchtig werden. THC kann Wahnvorstellungen oder Halluzinationen auslösen, langfristig können Gedächtnis oder Konzentrationsfähigkeit leiden.

In Deutschland steigen die Konsumenten-Zahlen unter Jugendlichen. Laut BZgA haben 22 Prozent der 18- bis 25-Jährigen 2018 mindestens einmal Cannabis genommen. Gegen diesen Trend wollen die einen mit noch härterer Repression vorgehen, die anderen fordern eine Legalisierung. Ein gern vorgebrachtes Argument pro Legalisierung: Die Auswirkungen des Marihuana-Konsums sind "nicht gefährlicher als die von Alkohol". Der Suchtmediziner Axel Menzebach vom Donau-Isar-Klinikum im bayerischen Deggendorf sieht das differenziert. Er rät im Sinne des Jugendschutzes klar von einer generellen Cannabis-Freigabe ab. Gerade bei einem nicht ausgereiften Gehirn könnten die Auswirkungen von Hasch-Konsum gravierend sein. Menzebach hat immer wieder Patienten, die in ihrer Jugend Joints geraucht haben und nun unter dem sogenannten amotivationalen Syndrom mit Symptomen wie Antriebsarmut und Gleichgültigkeit leiden. Für Menschen mit psychischen Grunderkrankungen kann Cannabis-Konsum richtig gefährlich werden, sagt der Arzt: "Das kann schwere psychotische Schübe auslösen."

Was normal gesunde Erwachsene angeht, hat er eine andere Haltung: "Da habe ich den Eindruck, dass Alkohol eher noch mehr Schäden macht." Menzebach zählt auf: Organschädigungen, Gewalt oder Unfälle unter Alkoholeinfluss. Er sagt: "Vielleicht ist Alkohol auch deswegen das größere Problem, weil er legal verfügbar ist."

Alkohol

Der Mythos hält sich hartnäckig: Rotwein in Maßen sei gut für die Gesundheit. Tatsächlich lassen viele Studien vermuten, dass der geringe Konsum von Rotwein das Risiko reduziert, an Herzleiden, Schlaganfall oder Diabetes zu erkranken. Doch Vorsicht, die Mengen, ab denen der Effekt kippt, sind sehr niedrig. Neue Studien besagen: Mehr als 100 Gramm reinen Alkohol pro Woche zu trinken verkürzt die Lebenserwartung und steigert das Risiko für eine Reihe von Erkrankungen. Die Menge entspricht etwa fünfeinhalb Gläsern Wein oder 2,5 Litern Bier. Wer dauerhaft mehr zu sich nimmt, schädigt dadurch womöglich Gehirn, Organe, Haut und Sexualfunktion

Für Jugendliche kann regelmäßiger Alkoholkonsum besonders schädlich sein – Konzentrationsstörungen oder Lernprobleme drohen zum Beispiel. Die gute Nachricht: Der Konsum in dieser Gruppe ist rückläufig. Laut BZgA trinken aktuell 8,7 Prozent der Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren regelmäßig. 2004 lag der Wert bei 21,2 Prozent. Die Experten führen das auf die Präventionsarbeit zurück und fordern noch bessere Aufklärung zu den Risiken von Alkohol.

 

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