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Frech, frivol und selbstbewusst

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Im Alltag trägt Pamina Frisch am liebsten Jeans und Sneakers. Allein schon deshalb, weil es praktisch sei, sagt die Erzieherin aus Heilbronn. Privat zeigt sich die 25-Jährige gern auch von einer anderen Seite. Dann dominieren Glitzer, Glanz und Extravaganz ihren Auftritt. Pamina Frisch ist Burlesque-Tänzerin mit der unausgesprochenen, aber nicht weniger deutlichen Aufforderung: "Schau mich an." 

Pamina Frisch streift die Pumps von den nackten Füßen. Das rechte Bein gestreckt, berühren die Zehenspitzen im Rhythmus der Musik den Boden. Sie hebt die Arme, wirft den Kopf in den Nacken, lässt das Becken kreisen. Burlesque ist für die 25-Jährige mehr als ein Hobby. Die Inszenierung von Sinnlichkeit drückt ihre Haltung aus, ohne große Worte.

"Ich glaube, dass wir Frauen es verlernt haben, stolz auf uns zu sein. Wir haben gelernt, uns klein zu machen, nicht aufzufallen", sagt sie. Ähnliches Verhalten von Männern und Frauen werde unterschiedlich wahrgenommen und bewertet. Die aufrechte und stolze Körperhaltung eines Mannes gleiche einem Vorangehen. Bei einer Frau heiße es dagegen häufig, sie sei eingebildet. "Statt zu sagen, sie ist eine Frau, die weiß, wer sie ist."

Erotik

Frisch wächst in Heilbronn auf, besucht die Dammrealschule und macht an der Christiane-Herzog-Schule in Böckingen Abitur. Ein freiwilliges soziales Jahr absolviert sie in Stuttgart in einer Kindertagesstätte. Aus dieser Zeit stammt ein Piraten-Tattoo an der linken Wade. Nach der Ausbildung zur Erzieherin beginnt Frisch ein duales Studium. Nebenher jobbt sie – als Verkäuferin bei Sexspielzeug-Partys. "Das war richtig super, es hat Spaß gemacht", erzählt Frisch von den Veranstaltungen, bei denen sich – ähnlich wie bei Tupper-Partys – überwiegend Frauen im privaten Kreis über Erotik und Sexualität austauschen. "Man lernt neue Dinge kennen“, sagt sie rückblickend. Das Studium wirft sie nach einigen Semestern hin. Sie habe den Eindruck gewonnen, dass es hauptsächlich darum gehe, sich den Stoff einzuverleiben und am Prüfungstag wieder auszuspucken. Seitdem arbeitet sie in Stuttgart als Erzieherin

Früher in der Schule gehört Pamina Frisch "eher zu den Außenseitern". Sie habe Dinge hinterfragt. "Dadurch wird man schnell unbequem." Prägend ist ihre Diät-Erfahrung. 20 Kilogramm habe sie einst abgenommen. "Meine Gedanken kreisten nur noch ums Essen." Spaß an der Ernährung, Spaß an sich selbst zu haben, das lernt sie neu. Und immer geht es dabei auch um die Frage: Mag ich meinen Körper?
Eine Antwort darauf ist das Spiel mit der Verführung, das langsame Entblättern. Seit etwa vier Jahren nimmt Frisch in einer Stuttgarter Tanzschule Unterricht. "Burlesque hat mich in vielen Punkten unterstützt", sagt sie. So wie früher versteckt Pamina Frisch den üppigen Busen heute nicht mehr. In ihrer Erscheinung liegt Selbstbewusstsein: die hochhackigen Schuhe, das figurbetonte Kleid. Dicker schwarzer Lidstrich und dunkelviolett geschminkte Lippen betonen ihr Gesicht.

In der Burlesque-Szene findet sie eine Heimat. "Ich liebe die extravaganten Shows, die familiären Künstlerkreise." Ihr gefallen die langen Abendroben, die bei den Treffen und Festivals getragen werden. "Es ist schön, sich weiblich kleiden zu können. Eine Bühne zu haben." Burlesque bedeutet auch: so zu sein, wie man ist, und dafür gefeiert zu werden. "Das Gesehenwerden spielt eine große Rolle."

Sinnlichkeit

Als Jugendliche empfindet Pamina Frisch Heilbronn langweilig. Heute nennt sie sich in der Szene Lucia Island und ist der Meinung, dass man selbst etwas tun muss, statt bloß herumzunörgeln. Im September sollen Burlesque-Anfängerkurse in der Heilbronner Zigarre starten, ein Fächer- und Make-up-Workshop sei geplant. Zielgruppe? "Jeder, der Lust auf Bewegung hat, seine Sinnlichkeit leben will und den Mut hat, sich selbst zu entdecken." 

 

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