Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Als Karl noch König war

Übersicht

Manchmal reicht es auf den ersten Blick zum König. Als einziger Sohn hatte Karl von Württemberg keine andere Wahl, als die Thronfolge anzutreten. Zuvor hatte das Königspaar, Wilhelm und Pauline von Württemberg, nur Töchter zur Welt gebracht. Im Lande Württemberg des Jahres 1823 war die Geburt des Kronprinzen Karl eine Sensation. 

Die Heilbronner begingen den Tag mit einem Dankgottesdienst in der Kilianskirche und einem großen Fest. Zur Feier des Tages wurden Brot und Mehl an die Armen ausgegeben. Wenig später wurden das neu erbaute Gymnasium, das Karlstor und die Karlstraße nach dem Thronfolger benannt. Eine freundliche Geste der Heilbronner gegenüber dem königlichen Ehepaar. Heute, fast zwei Jahrhunderte später sorgt ein anderer Karl eher für Unmut als Begeisterung: Karl der Gartenzwerg, Maskottchen der Bundesgartenschau in Heilbronn. Oft wurde er beschädigt, entführt und sogar in die Luft gesprengt. Dabei hat Buga-Zwerg Karl mit dem einstigen König von Württemberg manches gemeinsam, findet Annette Geisler vom Heilbronner Stadtarchiv: "Es gibt einige Verbindungen zwischen beiden."

Bei einem Vortrag haben die Buga-Freunde Annette Geisler und Petra Heinzelmann einige Gemeinsamkeiten der beiden Karls gesammelt. Dass sie den Namen teilen, ist kein Zufall: Der Zwerg wurde nach dem Karlshafen benannt, der unter König Karl erbaut wurde und sich auf dem Gelände der Buga befand.

Die Krönung Karls fand am 12. Juli 1864 statt, heute Halbzeit der Buga. Außerdem starb Karl von Württemberg am 6. Oktober, dem Tag, an dem auch die Gartenschau zu Ende gehen wird. Zufall? „Es kann nur Zufall sein. Aber wenn man die Geschichte kennt, ist es umso spannender", sagt Geisler.

Freudenfest

Während seiner Herrschaft steht der Monarch in reger Verbindung mit Heilbronn. Mit 23 Jahren heiratet Karl die russische Zarentochter Olga in Sankt Petersburg. Auf ihrer Rückreise nach Stuttgart war es Heilbronn, wo die frisch Vermählten erstmals württembergischen Boden betraten. Das wurde in der Sülmerstraße gefeiert. Militär und Vereine standen Spalier, mehrere Festbögen aus jungen Bäumen und Lorbeer schmückten die Stadt. "Alle haben das Kronprinzenpaar erwartet." Zum Andenken überreichte der Schultheiß Karl und Olga eine Schale mit Blumen und zwei Gedichte auf Seidentüchern. Mehrmals kehrte das Paar zurück, um Fabriken zu besichtigen. 

Zurückhaltend

Zum großen Herrscher wie sein Vater wollte Karl, damals ein gutaussehender Mann mit Rauschebart, nicht so Recht gereichen. Presse- und Vereinsfreiheit stellte er wieder her oder gestattete Protestanten und Katholiken das Heiraten. Das Tagesgeschäft überließ er seinen Beamten. "Die Württemberger kamen damit gut zurecht", erklärt Geisler. Passend findet sie die auffallend pinke Farbe und weiß sie auf den König zu übertragen. Denn Karl von Württemberg war homosexuell und mit dem Amerikaner Charles Woodcock liiert. "Damals wusste jeder, dass er in einen Mann verliebt war." Erst als Woodcock sich in die Politik einmischte, war die Toleranzgrenze der Württemberger überschritten. 
Soweit zum König. Aber was bleibt vom modernen Karl? "Er verkörpert eine Leichtigkeit, die mit der Buga in die Stadt gekommen ist", sagt Geisler. "Ich finde ihn einfach wunderbar."

 

Galerien

Regionale Events