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Bald keine Plastiktüten mehr im Handel

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Möchten Sie eine Plastiktüte? Diese Frage an der Ladenkasse sollen Kunden nicht mehr zu hören bekommen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der sogenannte "leichte Kunststofftragetaschen" verbietet. "Ich bin sicher, dass schon bald kaum einer die Wegwerftüten vermissen wird", sagte die SPD-Politikerin am Freitag in Berlin. Die ganz leichten Tütchen, etwa für Obst und Gemüse, und auch besonders stabile Modelle sind davon nicht betroffen

In Deutschland würden pro Jahr und Kopf noch rund 20 leichte Plastik-Tragetaschen verbraucht, heißt es im Entwurf von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). "Häufig landen sie in der Umwelt, wo sie über viele Jahrzehnte verbleiben und jede Menge Schäden anrichten können", erklärte Schulze.

Ihr Gesetzentwurf muss durch Bundestag und Bundesrat, im Frühjahr 2020 könnte er beschlossen sein. Dann sollen die Tüten innerhalb von sechs Monaten aus den Läden verschwinden. Wie eine Sprecherin des Ministeriums bestätigte, seien ansonsten Strafen von bis zu 100 000 Euro vorgesehen.

Verwendung als Müllbeutel

Der Handelsverband HDE, der 2016 eine Vereinbarung mit dem Umweltministerium getroffen hatte, die Plastiktaschen nicht umsonst rauszugeben. reagierte verärgert: "Das Verbot ist ein klarer Vertrags- und Vertrauensbruch", sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth der "Welt". "Der Handel mit seinen drei Millionen Beschäftigten fragt sich, ob man sich auf das Wort der Regierung noch verlassen kann." Auch die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen zeigte kein Verständnis: Plastiktüten würden "nach oftmals mehrmaligem Gebrauch als Müllbeutel verwendet". Sie landeten nur in der Umwelt, wenn Verbraucher sie falsch entsorgten. In den vergangenen Jahren hatte sich das Umweltministerium mit dem Rückgang der Tütenzahl eigentlich zufrieden gezeigt, obwohl Umweltverbände mehr forderten. 
Als Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) im Mai ein Tüten-Verbot forderte, hatte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums noch gesagt, es gehe "im Grunde genommen um Peanuts": Sie machten nicht einmal ein Prozent des Verpackungsaufkommens aus Kunststoff aus.

Der WWF meint, dem Verbot komme in Deutschland "eher symbolische Bedeutung zu", sagte Abfallexperte Bernhard Bauske. "Wenn stattdessen der Verbrauch von Papiertüten steigt oder die Verbraucher auf die kostenlosen Hemdchenbeutel von der Obsttheke ausweichen, ist aus ökologischer Sicht nichts gewonnen. Umweltverbände wie der Nabu weisen immer wieder darauf hin, dass zum Beispiel Papiertüten sich leichter zersetzen, aber in der Herstellung nicht ökologischer sind als Plastiktüten.

Lob kam dagegen von der Deutschen Umwelthilfe: Das Verbot sei richtig, sagte Barbara Metz. Für die Herstellung der Tüten würden Ressourcen vergeudet und das Klima belastet, sie trügen auch zur Verschmutzung der Meere bei. "Begleitend zu einem Tütenverbot sollten im Handel attraktive Mehrwegtragetaschen als Alternative zum Kauf angeboten und deren häufige Wiederverwendung durch Bonuspunkte oder Rabatte gefördert werden."

Auch Biotüten

Das geplante Verbot soll dem Entwurf zufolge übrigens auch "bio-basierte und bio-abbaubare Kunststofftragetaschen" umfassen. Vor der Annahme, sogenanntes Bio-Plastik löse die Umweltprobleme, hatte Schulze erst kürzlich gewarnt: "Das angebliche Bio-Plastik ist leider meistens eine Mogelpackung" und verrotte nicht wie echter Biomüll. 
Dagegen bewertete Schulze eine Ausdehnung des Verbots auch auf dünne "Hemdchenbeutel" für Obst und Gemüse als nicht sinnvoll: "Wenn wir die verbieten würden, dann würde noch mehr Obst und Gemüse eingeschweißt, portioniert in den Handel kommen", sagte sie, und empfahl stattdessen mehrfach benutzbare Beutel aus recyceltem Plastik. 2017 hatten die Deutschen bei diesen kleinen Tüten pro Kopf im Schnitt 39 Mal zugegriffen.

 

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