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Mit dem E-Ticket durch das ganze Land

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Das Bus- und Bahnfahren über die Grenzen der regionalen Verkehrsverbünde soll in Baden-Württemberg mit einem elektronischen Ticket einfacher werden.

Spätestens Anfang 2022 könnten Fahrgäste mit dem neuen System ohne jegliche Tarifkenntnisse durch das ganze Land fahren und am Ende automatisch den günstigsten Preis verrechnet bekommen. In Stuttgart

und Pforzheim wird das jetzt ausprobiert. „Das ist der Grundstein für den digitalen Fahrschein“, schwärmt Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) am Montag bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung. 

In den Grenzen des eigenen Gebiets bietet zum Beispiel der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) ein solches E-Ticket bereits an. Die Fahrgäste haben auf dem Mobiltelefon eine App, auf der sie beim Einsteigen nur einen Knopf drücken. Beim Aussteigen melden sie sich genauso einfach ab. Egal ob sie dazwischen Busse, Bahn oder Straßenbahn nutzen, wird ihnen entfernungsabhängig der Fahrpreis berechnet und am Monatsende automatisch per Lastschrift abgebucht.

Software

Dieses System wollen die 22 Verkehrsverbünde auf das ganze Land ausdehnen. Dazu müssen die unterschiedlichen Tarifsysteme nach einheitlichen Regeln aufbereitet werden. „Das ist vor allem ein großes Softwareprogramm“, sagt Horst Stammler, der Geschäftsführer des Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS). Der VVS testet jetzt das System in einem Pilotprojekt mit den Pforzheimer Kollegen. Möglichst Ende nächsten Jahres, spätestens Anfang 2022, sollen dann alle 22 Verbünde angeschlossen sein. 

Hermanns Zielvorstellung: von jeder Haltestelle einer beliebigen Stadt mit Bus oder Bahn zum Zielort und dort mit Stadtbahn und wieder Bus zum Wunschziel. Das Smartphone zeichnet die Entfernung auf. „Die Sorge, das richtige Ticket aus dem Automaten zu lassen, entfällt“, betont Hermann. Niemand müsse sich mehr Gedanken machen, welcher Fahrschein der richtige und günstigste ist. Und es werde auch niemand beschissen: „Es gibt die Garantie, dass immer der günstigste Preis abgerechnet wird.“ Summieren sich die Einzelfahrten, sei am Ende ein Tagesticket günstiger. Grundlage für das Ticketsystem ist der BW-Tarif. Dessen Einführung wird mit dem Fahrplanwechsel in einer Woche abgeschlossen. Dann können auch verbundübergreifend Zeitkarten einfach gekauft werden.

„Wir haben ziemlich lange gebraucht“, gibt VRN-Geschäftsführer Volkhard Malik zu. Er erinnert daran, dass 1992 der damalige Verkehrsminister Hermann Schaufler die Vision formuliert habe, dass die Nutzung von Bus und Bahn so einfach werden müsse wie das eigene Auto. Mit dem E-Ticket habe man das 28 Jahre später erreicht.

Für Hermann ist die Vereinfachung eine Voraussetzung, um das politische Ziel einer Verdopplung der Fahrgastzahlen bis 2030 zu erreichen. Er denkt schon laut über eine Belohnung von Vielfahrern nach. „Je öfter jemand Bus und Bahn fährt, desto höher wird der Rabatt“, erklärt er den Plan. Es sei auch möglich, zum Beispiel Monatskarten zu kombinieren mit einzelnen Freizeitfahrten in Nachbarregionen, erläutert Stammler.

Schwarzfahren

Wenig Hoffnung machen die Praktiker den Schwarzfahrern. „Wir haben verschiedene Kontrollmechanismen für das E-Ticket“, sagt Stammler. Nur wer sein Handy noch vor Beginn der Fahrt eincheckt, startet die Streckenaufzeichnung. Dann gilt diese bei einer Kontrolle als gültiger Fahrschein. 

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