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Bar bezahlen ist nicht mehr am schnellsten

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Die schnellste Bezahlmethode ist inzwischen nicht mehr das Bargeld. Im vergangenen Jahr haben die Methoden mit Funkchip in der Bankkarte oder per Handy dem ältesten Verfahren den Rang abgelaufen – jedenfalls, was die durchschnittliche Dauer des Bezahlvorgangs angeht. Das geht aus einer Studie hervor, die Professor Ludwig Hierl von der DHBW Heilbronn zusammen mit der Absolventin Julia Pak veröffentlicht hat. 

Bereits wenige Monate nach Umrüstung der Kassenterminals wurden knapp 17 Prozent aller untersuchten Transaktionen kontaktlos abgewickelt, ergab die Untersuchung des Professors für Accounting, Controlling und Finance. Dazu wurden mehr als 3.000 Bezahlungen in verschiedenen Filialen des Lebensmittel-Einzelhandels in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt analysiert. Mit welchen Handelsketten dabei zusammengearbeitet wurde, darf aus Gründen des Datenschutzes allerdings nicht mitgeteilt werden.

Durchbruch

Aus Sicht der Autoren hat das kontaktlose Bezahlen 2019 seinen Durchbruch erlebt. Noch Anfang 2019 hieß es in einer Studie der Bundesbank mit dem EHI-Retail-Institut, dass das Bargeld mit einer durchschnittlichen Transaktionsdauer von 22,3 Sekunden das schnellste Zahlungsmittel in Deutschland sei. Doch nun seien die entsprechenden Geräte an den Kassen in den Geschäften vorhanden, es gibt die Apps für das Smartphone, vor allem mit Apple Pay und der Partnerschaft von Google mit Paypal. Neue Karten der Banken und Sparkassen enthalten nun den dafür nötigen Chip. "Das war ein entscheidender Multiplikator", sagt der Professor. Apple Pay habe zudem technikaffine Bevölkerungsschichten erschlossen, die neue Möglichkeiten gerne als erste erproben. 

Insgesamt bewege sich der Anteil der Smartphone-Nutzung an allen Bezahlvorgängen noch im niedrigen einstelligen Bereich. Fast 66 Prozent aller Kunden gaben der Barzahlung den Vorzug. Kontaktlos wurden bereits 16,63 Prozent aller Transaktionen abgewickelt, davon nur in 23 Fällen mit dem Mobiltelefon. Der höchste durchschnittliche Einkaufswert wurde bei den Kartenzahlungen mit Unterschrift erreicht (43,97 Euro), aber die kontaktlosen Bezahlungen mit Geheimzahl erreichten bereits den zweithöchsten Wert mit 41,61 Euro. Die Beträge bei den Kontaktloszahlungen ohne Geheimzahl blieben mit 12,51 Euro zwangsläufig weit unter dem Durchschnitt, da sie nur bis zu einem Betrag von 25, bei einem Anbieter bis 50 Euro, ohne Authentifizierung möglich sind. Ohnehin sind für jede sechste Zahlung Geheimzahl oder Unterschrift erforderlich.

In den nächsten zwei Jahren erwartet Hierl, dass der Anteil von Zahlungen per Smartphone auf sieben bis acht Prozent steigt. "Mobile Payment ist da und es wird auch nicht mehr weggehen", sagt er. Und das nicht nur im Supermarkt: Gerade für Fahrten im öffentlichen Nahverkehr seien solche Angebote geeignet, während es in Geschäften mit höheren Kaufsummen kaum Zeitvorteile geben dürfte, da jenseits des Höchstbetrags der Kunde für den Kauf weiterhin seine Geheimzahl eingeben muss.

Perspektiven

Viel schneller als laut der Studie dürften die Zahlvorgänge vorerst nicht mehr werden, meint Hierl. "Perspektivisch ergeben sich daraus aber ganz andere Kassenlösungen, etwa dass der Kunde gleich am Regal bezahlt." Sogenannte Self-Checkout-Kassen sieht er hingegen skeptisch. Im deutschen Handel würden sie derzeit eher selten genutzt – was auch daran liege, dass Mitarbeiter nach dem Bezahlen stichprobenartig prüfen dürfen, ob tatsächlich alle Artikel eingescannt wurden. "Da kommt man sich vor, als werfe man einem Diebstahl vor – wer möchte das schon?"

Dass außerdem einige Smartphone- und Geldkarten-Besitzer das kontaktlose Bezahlen ablehnen und die Chips deaktivieren lassen, findet Hierl völlig in Ordnung. "Datenschutz- oder Diebstahls-Bedenken wird man nie völlig entkräften können", ist er sich sicher. "Aber es ist gut, dass es einen Strauß verschiedener Möglichkeiten gibt, um im Laden zu bezahlen."

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