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Alles andere als ausgeschlafen

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Wäre es besser, wenn die Schule später beginnen würde? Ja, so das Fazit einer Kika-Umfrage aus dem vergangenem Jahr. Der Kinderkanal von ARD und ZDF hat rund 1300 Erst- bis Sechsklässler in Deutschland befragt. Demnach liegt die durchschnittliche Wunschuhrzeit für den Unterrichtsbeginn bei 8.40 Uhr
Den Wunsch der Kinder kann Harald Englert nachvollziehen. Er ist ärztlicher Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums der Lungenklinik in Löwenstein.

Frühaufsteher oder Langschläfer?

Es gibt zwei Schlaftypen, in die der Mensch unterteilt werden könne. Zum einen in die „Lerchen“, die zeitig schlafen gehen und am nächsten Tag kaum Probleme haben, früh aufzustehen. Und zum anderen in die „Eulen“, die erst spät einschlafen und am nächsten Morgen deutlich länger brauchen, um in die Gänge zu kommen. „In der Pubertät entwickeln sich die jungen Menschen oft zum Eulen-Schlaftyp. Ihre innere Uhr verändert sich“, erklärt Harald Englert. Deshalb sei es sinnvoll, Klassenarbeiten oder andere Tätigkeiten, die ein hohes Maß an Konzentration erfordern, auf den späten Vormittag zu legen. 

Das sagen Schulleiter aus der Region

Im Paul-Distelbarth-Gymnasium in Obersulm beginnt der Unterricht um 7.40 Uhr. „Man merkt, dass die Schüler um diese Zeit noch müde sind und nicht so aufgeweckt“, schildert Schulleiter Dieter Kurtze seine Erfahrungen. Allerdings sei vielen Schülern bewusst, dass ein späterer Schulbeginn mit weniger Freizeit am Nachmittag einhergeht. „Dann ist das Thema schnell vom Tisch. Für viele ist das keine Option.“ 

Marcus Dunke, Direktor des Jagsttal-Gymnasiums Möckmühl , findet: „Je später, desto besser.“ In seiner Schule beginnt der Unterricht um 7.30 Uhr. „Das heißt die Schüler müssen zum Teil schon um sechs Uhr aufstehen oder früher. Im Winter ist es um diese Zeit noch dunkel.“ Schulleiter Marcus Dunke wundert es daher nicht, wenn die meisten Schüler zur ersten Stunde noch gar nicht richtig wach sind. Günter Schimek, Schulleiter der Kraichgauschule Eppingen , befürwortet einen Schulstart zwischen acht und halb neun. Ihm sei bewusst, dass das in organisatorischer Hinsicht einiges durcheinanderbringt. Aber vor allem die Corona-Krise habe gezeigt, dass bisherige Strukturen in den Schulen teilweise eingefahren und zu starr sind. 

Schwierige Umstellung 

Ihm zufolge sollten mehr Dinge hinterfragt werden. Zum Beispiel die 45-Minuten-Taktung der Schulstunden. „Es ist erwiesen, dass beim Lernen einer neuen Sprache der Lernerfolg erst nach 30 Minuten einsetzt.“ Wenn kurz danach die Schulglocken läuten, sei damit keinem geholfen. „Alles ist eine Sache der Gewohnheit.“ 

In der Realschule in Güglingen beginnt der Unterricht um 7.30 Uhr. „Das ist früh, ich weiß“, räumt Leiter Klaus Pfeil ein. Jedoch sei diese Zeit an viele andere Dinge gekoppelt wie zum Beispiel die Verbindungen der Schulbusse oder den Konfirmanden-Unterricht jeden Mittwochnachmittag. „Das ist mit der Kirche so abgesprochen, dass die Schüler an diesem Tag frei haben.“ Ein späterer Schulbeginn wäre in dieser Hinsicht problematisch. 

 

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