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Gar nicht mal so super

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Sie sind in aller Munde und in vielen Supermarktregalen zu finden: sogenannte Superfoods. Aber sind die wirklich so super, wie der Name verspricht? „Superfood ist ein Marketingbegriff“, stellt Sabine Holzäpfel klar, „keine rechtliche Definition“. Holzäpfel ist Referentin der Abteilung Lebensmittel und Ernährung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg

Es handele sich bei diesen Produkten meist um exotische Früchte und Samen, die besonders viele gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe enthalten sollen. Allerdings hat das Chemisches- und Veterinäruntersuchungsamt in Stuttgart festgestellt, dass die Superfood-Produkte oft durch Pestizidbelastung auffallen.

Bei der aus China stammenden Goji-Beere habe man auch Schwermetalle und andere unerwünschte Stoffe gefunden, sagt Holzäpfel. „Die sollte man auf jeden Fall mit Vorsicht genießen.“ Und vielleicht auf die zwar etwas teureren, aber dafür mit nur geringfügigen Spuren belasteten Beeren aus ökologischer Erzeugung umsteigen. Außerdem kann es zu Wechselwirkungen mit blutgerinnungshemmenden Medikamenten und der Goji-Beere kommen. Deren Wirkung wird durch die Beere verstärkt.

Lange Transportwege

Ein weiterer Nachteil der Superfood-Produkte sind die weiten Transportwege. Denn nicht nur die Goji-Beere kommt von weit her nach Deutschland gereist. Die Acai-Beere, die vor allem aufgrund ihres hohen Gehalts an sekundären Pflanzenstoffen als Superfood gilt, kommt aus dem fernen Brasilien. Chia-Samen, die besonders viel Eiweiß und Ballaststoffe enthalten, kommen aus Mittelamerika, wo auch die Avocado ihren Ursprung hat. 

Letztere wird allerdings heute rund um den Globus in tropischen und subtropischen Gebieten, aber auch im Mittelmeerraum angebaut. Durch die langen Transportwege, die die Superfood-Produkte zurücklegen, bis sie in den deutschen Supermärkten landen, gehen nicht nur viele der gepriesenen Inhaltsstoffe verloren, auch die Umwelt wird dadurch unnötig belastet. „Wenn man regionale Produkte kauft, lassen sich lange Transportwege vermeiden“, sagt Holzäpfel. Aber Hirse klingt nicht so hip wie Quinoa. Nichtsdestotrotz sind auch Hirse und Hafer genauso gute Eiweiß- und Eisenquellen wie die Kulturpflanze aus Südamerika.

Hoher Wasserverbrauch

Geht es nur um die Inhaltsstoffe, dann kann man statt der weitgereisten Avocados auch Walnüsse zu sich nehmen. Die haben nicht nur einen höheren Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, sondern wachsen auch hier. Denn neben den langen Lieferwegen braucht es auch rund 1000 Liter Wasser, um ein Kilo Avocados zu erzeugen. 

Anstatt der Goji-Beere empfiehlt die Verbraucherzentrale auf ihrer Homepage schwarze Johannis- und Sanddornbeeren. Die hätten nicht nur mehr Vitamin C, sondern seien auch deutlich günstiger als die exotische Beere. Auch für die Chia-Samen gibt es eine heimische Alternative: Leinsamen. Letztere enthalten, verglichen mit den Chia-Samen mehr Eiweiß und auch eine ordentliche Portion an Omega-3-Fettsäuren und Ballaststoffen. Die Acai-Beere, die in Brasilien an Palmen wächst, könne man laut Verbraucherzentrale mit blauem Obst und Gemüse ersetzen. Denn die violetten, roten oder blauen Pflanzenfarbstoffe, die den Körper vor schädigenden Oxidationsprozessen schützen sollen, sind auch in heimischem Obst und Gemüse wie Heidelbeeren, Himbeeren oder Rotkohl enthalten.

Allgemein gilt: „Ein Lebensmittel allein kann kein Superheld sein“, wie Holzäpfel betont. Eine gesunde Mischung macht die Ernährung aus. Und: „Auch bei heimischem Obst und Gemüse gibt es eine große Vielfalt.“

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