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Gebauer: Schulen sollen bereits jetzt digitale Geräte bestellen

Schulen zwischen Tafel und Tablet

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Zu wenige Laptops, zu langsames Internet, teils überforderte Lehrer. So lässt sich eine Umfrage über die digitale Ausstattung der Schulen in Baden-Württemberg zusammenfassen. Selbst Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will die Lage nicht beschönigen. „Der Nachholbedarf ist bundesweit unbestritten hoch“, sagt ihre Sprecherin zu der Befragung von 1455 Schulen im Südwesten durch Bildungsverbände, die eine Digitalisierungsinitiative gegründet haben. 

Wie viele Geräte stehen in den Schulen zur Verfügung?

Gering ist der Anteil der Schulen, die ein Endgerät für jeden ihrer Schüler und Lehrer zur Verfügung haben. Nur 0,5 Prozent der 1455 Schulen haben eine solche Ausstattung, bei der private Endgeräte nicht zählen. An weiteren 5,3 Prozent der Schulen müssen sich rechnerisch zwei Personen ein Endgerät teilen. Die Verbandsexperten gehen davon aus, dass digitalisierter Unterricht nur möglich ist, wenn sich nicht mehr als zwei Schüler einen Rechner teilen. Der Fernunterricht während der Corona-Schließungen basierte auf privaten Mobiltelefonen oder Laptops von Schülern und Lehrern. Eisenmann weist darauf hin, dass Bund und Land derzeit 300. 000 Tablets für Schüler bezahlen, die sonst vom Heimunterricht abgehängt wären.

Wie steht es um die Anbindung der Schulen ans Internet?

Mit 97 Prozent haben inzwischen fast alle Schulen einen Internetanschluss. Allerdings ist dessen Leistung unterschiedlich. Nur bei 7,5 Prozent ist das ein Hochgeschwindigkeitsanschluss. Und nur in gut einem Drittel der Schulen reicht es für Videokonferenzen von allen Schülern und Lehrern. Ausbaufähig sind auch die Netzwerke. Längst nicht alle Unterrichtsräume haben einen Anschluss. In den meisten Schulen sind weniger als 80 Prozent der Klassenzimmer versorgt.

Was fordern die Bildungsverbände von der Politik?

Die in der Digitalisierungsinitiative beteiligten Bildungsgewerkschaften GEW und VBE sowie der Verein für Gemeinschaftsschulen werfen Eisenmann schwere Versäumnisse vor. „Leitlinien und Qualitätskriterien für den Fernlernunterricht helfen in keiner Form, weil sie von den Schulen nicht erfüllt werden können“, meint Matthias Wagner-Uhl vom Verein für Gemeinschaftsschulen. Die Lage sei zu vergleichen mit Bäckern, die ihr Handwerk ohne Mehl ausüben müssten. VBE-Landesvize Oliver Hintzen fordert vor allem mehr Fortbildungen für Lehrer: „Wir brauchen zeitnah echte Unterstützung, falls wir wieder in den Heimunterricht zurück müssen.“

Was bietet das Kultusministerium konkret an?

Die Sprecherin verweist auf die Verantwortung der Kommunen beim Ausbau des Internets. Das Land habe bereits ein Fortbildungsprogramm aufgelegt, über das pro Jahr 50 .000 Lehrkräfte erreicht werden könnten. Im Herbst stünden die ersten Komponenten der digitalen Bildungsplattform zur Verfügung. Dazu würden ein Lernmanagementsystem, eine dienstliche E-Mail-Adresse für die Lehrer und ein Kommunikationsprogramm gehören.

Wie bewertet die Opposition im Landtag die Ergebnisse?

„Noch schlimmer als befürchtet“, stuft der SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei die Lage ein. Den „alarmierenden Rückstand bei der Digitalisierung“ lastet er Eisenmann an. FDP-Bildungssprecher Timm Kern fordert die Neuauflage eines Digitalpaktes, der auch die Wartung der Technik beinhaltet. Die Grünen-Abgeordnete Sandra Boser mahnt eine zügige Umsetzung der Digitalisierungsoffensive an.

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