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Ernährungsmythen aufgedeckt

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Abends nur nicht zu viel essen, zu jeder Tasse Kaffee ein Glas Wasser, weil Kaffee entwässert, und Spinat und Pilze niemals aufwärmen. Diese und andere Ernährungsmythen halten sich seit langem hartnäckig. Aber wo kommen sie her, und was ist wirklich dran? Wir haben bei Iris Baumann, AOK-Ernährungsfachkraft in Heilbronn, nachgefragt.

Abends sollte man wenig essen:

„Man ist damals davon ausgegangen, dass in der Nacht keine Kalorien verbraucht werden“, sagt Iris Baumann. Tatsächlich empfiehlt die AOK aber regelmäßige Mahlzeiten. Also Frühstück, Mittag- und Abendessen. Ob mit oder ohne Zwischenmahlzeiten, sei individuell zu handhaben.

„Von der Menge her sollte man immer soviel essen, dass man angenehm gesättigt ist.“ Zu große Mengen führen dazu, dass der Körper zu sehr mit der Verdauung beschäftigt ist. Die Folge: „Ein Loch aus Müdigkeit und Antriebslosigkeit.“ Menschen, die morgens noch nichts essen können, empfiehlt Baumann ein späteres Frühstück. 

Kaffee entzieht dem Körper Wasser:

Diese Annahme beruht laut der Ernährungsexpertin auf der Fehlinterpretation einer Studie. Bei dieser Studie wurde die Gesamtwassermenge des Körpers als alleiniges Maß für die Flüssigkeitsversorgung herangezogen. Durch Kaffee verringert sich diese Gesamtwassermenge. Allerdings nur kurzfristig. „Bei einem moderaten Genuss von drei bis vier Tassen Kaffee am Tag gleicht sich das im Verlauf des Tages wieder aus.“ Heute gilt: „Kaffee kann, in Maßen, wie Wasser zur Flüssigkeitsbilanz dazugezählt werden.“

Spinat und Pilze sollte man niemals aufwärmen:

„Dieser Mythos hält sich seit Jahren und kommt aus einer Zeit, als man noch keine geeigneten Möglichkeiten hatte, Lebensmittel beziehungsweise Essensreste rasch zu kühlen“, erklärt Baumann. Entgegen dieser Meinung ließen sich aber Spinat und Pilze sehr wohl wieder aufwärmen, wenn sie nach der Zubereitung schnell abgekühlt werden. Dies könne durch ein Eiswasserbad oder durch rasches Abkühlen im Kühlschrank bei zwei bis vier Grad erfolgen. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass beim Aufwärmen eine Temperatur von mindestens 70 Grad erreicht wird. Ein zweites Mal sollte man beide Speisen nicht mehr erwärmen. 

Warmes Bier hilft gegen Erkältung:

„Das wird seit Jahren als altes Hausmittel empfohlen.“ Verantwortlich dafür ist der im Bier enthaltene Hopfen. „Hopfen enthält Bitterstoffe und ätherische Öle. Diese Bitterstoffe sollen antibakteriell wirken und unserem Körper helfen, mit der Erkältung besser fertig zu werden.“ Außerdem wirke Bier einschläfernd, und: „Schlaf hilft bei der Genesung.“

Ein weiterer positiver Effekt sei, dass die Durchblutung durch das Bier angeregt werde. „Der Körper kommt ins Schwitzen, und das fördert den Heilungsprozess.“ Trotz dieser Wirkungen sollte Alkohol bei einer Erkältung gemieden werden, so die Expertin. „Der Körper braucht Energie, um die Erkältung zu bekämpfen. Der Abbau des Alkohols verbraucht unnötig Kraft.“ Besser sei es, viel Tee zu trinken, vitaminreiches und gesundes Essen zu sich zu nehmen ausreichend zu schlafen. 

Schokolade ist ungesund: „Dunkle Schokolade mit einem hohen Gehalt an Kakao enthält sekundäre Pflanzenstoffe, sogenannte Flavonoide, die die Gefäße stärken und das Herz-Kreislaufsystem schützen sollen“, sagt die Ernährungsberaterin. Allerdings enthalte eine Tafel Schokolade im Durchschnitt 550 Kalorien, die überwiegend aus Zucker und Fett stammen. Auch 43 Milligramm Koffein sind in einer Tafel enthalten. Und: Die Qualität der Fette ist nicht günstig. „Schokolade enthält überwiegend gesättigte, also ungünstigere Fette.“ Hier macht es die Menge: „Kleine Mengen sind in Ordnung, es sollte nur nicht gleich eine ganze Tafel sein.“ 

Zur Person: 

Iris Baumann arbeitet sei 1999 bei der AOK in Heilbronn. Die dreijährige Ausbildung zur Diätassistentin hat sie im Marienhospital in Stuttgart absolviert. Sie ist verantwortlich für den Stadt- und Landkreis Heilbronn und führt auch in Eppingen, Bad Rappenau und Brackenheim Ernährungsberatungen durch. In dem neuen AOK Gesundheitszentrum in der Heilbronner Happelstraße, der sogenannten Ernährungswerkstatt, vermittelt sie theoretisches und praktisches Wissen rund um die Ernährung. 

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