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Wunderwaffe Toilettenpapier

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Kaum eine andere Ware scheint sich zurzeit derartiger Beliebtheit zu erfreuen wie das Klopapier. Reihenweise leere Regale in Supermärkten und Drogerien zeugen von der Jagd der Deutschen nach dem Hygieneprodukt. Der Verkauf ist von Februar bis März um 700 Prozent angestiegen. Zeit, ein bisschen mehr über die alltäglichen Blättchen Papier zu lernen, die den Menschen in Deutschland gerade so sehr am Herzen liegen.
 
Erfunden in China
Erfunden wurde das Klopapier – wie auch das Papier – in China. Mitte des 19. Jahrhunderts kam es dann in den USA auf den Markt. Damals allerdings nicht als Rolle, sondern in Form einzelner Blättchen in einer Schachtel. Auch in Europa hielt es damals Einzug. Die erste Fabrik für Toilettenpapier in Deutschland entstand in den 1920er Jahren. Doch das hier so verbreitete Klopapier wird nicht überall verwendet. In vielen Ländern Südostasiens und auf der arabischen Halbinsel etwa säubern sich Menschen nach dem Toilettengang mit Wasser.
 
Klopapier in der Musik
Über Klopapier wird nicht gesprochen? Von wegen! Nicht nur bei Eminem und Lil Wayne schaffte es das Klopapier in die Liedzeilen, auch R. Kelly und Neil Young besangen es schon. Dass der Schlager „Dreilagiges Klopapier“ von Mario Rosenauer derzeit in den sozialen Medien die Runde macht, ist sicherlich nicht verwunderlich.
 
170 Rollen im Jahr
Wie viele Rollen Klopapier genau die Deutschen im Jahr verbrauchen, ist nicht ganz klar, aber nach dem Spitzenreiter Nordamerika ist Westeuropa beim Verbrauch von Hygienepapier ganz vorne dabei. Etwa 17 Kilogramm pro Person bescheinigt das European Tissue Symposium jedem Menschen in Deutschland jährlich. Zum Hygienepapier zählen auch Küchenrolle und Taschentücher. Wäre es nur das Klopapier, dann kämen die Deutschen wohl auf stolze 170 Rollen im Jahr – ausgehend von einer Rolle dreilagigem Papier mit 150 Blättern à 100 Gramm. Noch mehr Hygienepapier als in Deutschland wird etwa in den USA, in der Schweiz, in Finnland und in Hongkong verwendet. Doch nicht nur die Menge, auch die Art der Nutzung unterscheidet sich. Während in Deutschland viel gefaltet wird, knüllt man das Papier im angloamerikanischen Raum lieber.
 
Geschäft gemacht
Mit Klopapier lässt sich auch privat Geld verdienen. Eine kriminelle Gruppe in Tschechien beging 2014 Mehrwertsteuerbetrug, indem sie das Papier Dutzende Male zwischen Firmen im Inland und der Slowakei hin- und herverkaufte. Auch der Bestseller-Autor Karl-Heinz (Henry) Jäger bewies Geschäftssinn. Im Gefängnis beschrieb er heimlich Toilettenpapier. Mit Hilfe eines Geistlichen gelangten die Seiten nach draußen, und so wurde 1962 sein gefeierter Roman „Die Festung“ veröffentlicht.
 
Kreativ mit Klopapier
Wer sich zu einem Hamsterkauf von Klopapier hat verleiten lassen und nun nicht weiß, wohin mit den ganzen Rollen, kann mit den Blättchen auch seine Kreativität ausleben. Origami-Anleitungen etwa gibt es nicht nur für Schmuckpapier, sondern auch für die weniger edlen Abputztücher. Fortgeschrittene finden eine etwas langwierigere Aufgabe: ein Brautkleid aus Klopapier schneidern. Diese skurrile wie aufwendige Beschäftigung hat nicht nur auf Junggesellinnenabschieden Einzug gefunden, sondern auch in eine US-amerikanische Fernsehshow. Und wer beim Thema bleiben möchte, kann natürlich auch die passende Rolle mit der Aufschrift „Will you marry me?“ im Internet finden.
 
Ohne gibt es Verstopfung
Erste Kläranlagen melden Verstopfungen. Denn statt lange im Handel nach Toilettenpapier zu suchen, nutzen manche schon Küchenpapier und andere Alternativen. Aber das führt zu ernsten Problemen – für die Wasseraufbereitung. Denn Taschentücher, Küchenpapier und auch feuchtes Toilettenpapier sind reißfester als übliches Klopapier. Landen sie im Klo, könnten die Kläranlagen verstopfen, erklärt der Verband kommunaler Unternehmen. Im schlimmsten Fall werden die Pumpen lahmgelegt.
 
Nerven verloren
Kuriose Szenen in einem Supermarkt im oberbergischen Bergneustadt: Weil eine Kundin nur eine Packung Toilettenpapier kaufen durfte, setzte sich die Frau (54) aus Protest auf das Kassenband. Die Polizei musste sie schließlich in Handschellen abführen. Wie die Beamten am Donnerstag mitteilten, wollte die 54-Jährige am Vortag gegen 17.40 Uhr mehrere Packungen Klopapier kaufen: „Als sie darauf hingewiesen wurde, nur ein Paket zu kaufen und die übrigen zur Seite zu legen, setzte sich die Frau auf das Kassenband und behinderte so den weiteren Verkauf an andere Kunden.“ Die alarmierten Polizeibeamten konnten die Frau nicht beruhigen.
 
Und sonst so
In Düsseldorf gibt es ein eigens dem Toilettenpapier gewidmetes Museum. Am 26. August ist internationaler Tag des Toilettenpapiers. In Peking geben Hightech-Automaten das Klopapier mancherorts nur bei Gesichtserkennung aus – im Kampf gegen Papierdiebe, versteht sich. Und im polnischen Torun hat eine Konditorei wegen dem Hype um Toilettenpapier Torten in Form von Klopapierrollen gebacken.

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