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Das Problem Planbarkeit in Zeiten der Pandemie

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„Ich glaube nicht, dass der 1. Dezember der Öffnungstag ist.“ Baden-Württembergs Kulturstaatssekretärin Petra Olschowski spricht aus – live zugeschaltet aus Stuttgart am Mittwochabend –, was viele befürchten. Der Lockdown-Light trifft die Kulturszene schwer. Nicht nur finanziell sind Kulturschaffende von den Maßnahmen gebeutelt, die Bund und Länder getroffen haben zur Eindämmung der Pandemie. Seinen Beruf nicht ausüben zu dürfen, belastet. 

Fragen und Kritik

Fragen zur Förderung und Kritik an den Einschränkungen wollten Kulturakteure aus Heilbronn und der Region bei diesem Videochat äußern. Ein GoToMeeting, zu dem Susanne Bay, Heilbronner Grünen-Abgeordnete im Stuttgarter Landtag, Staatssekretärin Olschowski eingeladen hat. „Schwätzen statt hetzen digital spezial“ heißt das Format, das diesmal die Kultur zum digitalen Austausch animieren wollte. Theater und Literatur waren nicht vertreten. Dafür Musik und Kunst

Als Politikerin muss Olschowski den Spagat verteidigen zwischen „die Situation ist traurig“, „ich kann Ihren Ärger verstehen“, „Planbarkeit ist das große Problem“ und den steigenden Infektionszahlen, mit denen der Kultur-Lockdown erklärt wird. Trotz strikter Hygienekonzepte, die Kulturinstitutionen im Sommer erarbeitet, und Belüftungssystemen, in die sie investiert haben.

Private Treffen

„Das Modell Hygienemaßnahmen war im Oktober nicht mehr ausreichend. Es geht darum, Kontakte zu vermeiden“, rechtfertigt Olschowski die Schließung von Museen, Konzertsälen, Theatern und Kleinkunstbühnen. Wenngleich die Politikerin betont, dass private Zusammenkünfte die Infektionsstreiber sind. Und, dass die Kommunikation durch das Kanzleramt „unglücklich“ war, „Kultur mit Freizeiteinrichtungen zu listen“. 

„Können Sie mich hören?“ – der Satz des Jahres – fällt mehrfach, als sich das Meeting zum munteren Austausch entwickelt. Ralf Baumgärtner, Musiker und Dozent aus Eppingen, der auch die Inklusionsband Heilbronn leitet, möchte die Maßnahmen nicht anzweifeln, aber wissen, wie es weitergeht. „Seit März sind 80 Prozent meiner Einnahmen weggebrochen.“ Gerald Kranich, Präsident des Chorverbands Heilbronn und Vize des Schwäbischen Chorverbands, fragt, wie Chöre ihre Dirigenten unterstützen können. „Wir haben Chorleiter- und Dirigentenpauschalen erhöht“, weiß Olschowski, zudem können sie als Soloselbstständige einen fiktiven Lohn von 1180 Euro monatlich beantragen. „Wenn das nicht durchgedrungen ist, liegt es an Ihrem Verband. Melden Sie sich direkt bei uns im Haus bei den Kollegen, die für Amateurmusik zuständig sind.“ Die 0711 90715413, die Hotline der Landesregierung und deren Homepage, legt Petra Olschowski den Kulturschaffenden ans Herz, wenn es um Förderprogramme und Überbrückungshilfen geht. Rund zwei Millionen Euro zusätzlich für Kultur stellt die Landesregierung bis Ende des Jahres zur Verfügung.

Warum der Künstlerbund Heilbronn nicht wie eine Galerie behandelt wird? Weil der Verein öffentliche Förderung erhält und nicht mit dem Einzelhandel gleichgesetzt wird. Wenngleich die Staatssekretärin „unlogische Dinge“ einräumt.

Mitnehmen

Ob in Zukunft die im Kultursektor geltenden strengen Hygienekonzepte auch im Einzelhandel eingefordert würden, in Schulen und im öffentlichen Nahverkehr, fragt Johannes Hehrmann, Geiger beim Württembergischen Kammerorchester Heilbronn. Nach Hilfsprogrammen für die digitale Vermittlung erkundigt sich Kunstvereins-Ausstellungsleiterin Matthia Löbke. „Hilfsprogramme für Digitalisierung sind wichtig“, bestätigt Petra Olschowski. Davon hätten im Sommer bereits viele Gebrauch gemacht. „Ich werde das Thema nochmals mitnehmen in mein Haus.“ 

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