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Die Pandemie sorgt für Kreativität

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Was bewegt die Menschen während der Corona-Krise, wie hat sich ihr Alltag verändert, welche Wünsche haben sie? Dazu sammeln einige Museen im Südwesten Objekte, Fotos und Texte. Die Gegenstände mit Bezug zur Pandemie reichen vom Grenzzaun zwischen Konstanz und dem benachbarten Schweizer Kreuzlingen bis zu Ostereiern in Virusform.

„Wir wollen der Nachwelt zeigen, dass die Situation nicht immer eindeutig war, dass wir im Sommer mit einer Entspannung der Corona-Lage rechneten – kurz, dass es immer wieder Ungewissheiten gab“, erläutert Markus Speidel, Leiter des Museums für Alltagskultur in Waldenbuch. Kollegen in Mannheim, Stuttgart und im badischen Müllheim hat ebenfalls die Corona-Sammellust ergriffen. 

Kreuztanz

Das Stuttgarter Haus der Geschichte hat sich den deutsch-schweizerischen Grenzzaun gesichert, in dessen Streben Anwohner mit Absperrband das Kunstwort „Kreuztanz“ (aus „Kreuzlingen“ und „Konstanz“) sowie ein Herz eingewebt haben. Teil der Sammlung werden auch Selfies von Mitgliedern einer katholischen Kirchengemeinde in Achern (Ortenaukreis). Die Fotos nahmen während der Schließung beim Ostergottesdienst ihren Platz auf den Kirchenbänken ein. „Das zeigt sehr anschaulich, wie kreativ die Menschen mit den Corona-Einschränkungen umgehen“, sagt Kurator Alexander Schwanebeck. Aber auch Flyer von Gegnern der Maskenpflicht werden in die Sammlung aufgenommen. Schwanebeck betont: „Partizipation und Demokratie sind wichtige Themen dieser Zeit.“ 

Im Waldenbucher Museum organisierte Speidel eine Ausstellung „Mein Stück Alltag trotz(t) Corona“. Eingang dafür fanden etwa ein Springseil, Zeitpläne einer Familie zur Nutzung von Räumlichkeiten sowie Ostereier, die an den Erreger erinnern. Fotos einer Beerdigung unter Auflagen beleuchten die ganz dunklen Seiten der Pandemie.

Die im Oktober beendete Waldenbucher Schau war auch als Verlängerung des Online-Projektes „Corona-Alltag. Dein Projekt für Übermorgen“ gedacht. Dabei sollten alltägliche Gegenstände eingesandt werden, die in 15 oder 20 Jahren bei einer Ausstellung „Die Corona-Pandemie in Württemberg“ gezeigt werden können. Zudem konnten Museumsbesucher ihre Gedanken zum Thema Normalität und deren Wahrnehmung während der Pandemie auf Zetteln an eine Wäscheleine hängen. 1000 Menschen haben bereits mitgemacht.

Auch das Mannheimer Technoseum will, dass die Einschnitte in den Alltag nicht in Vergessenheit geraten. Ein gehäkelter Corona-Virus, Schul-Lernkits mit Samen für den heimischen Balkonkasten sowie ein Poster des Mannheimer Sportvereins Waldhof mit dem Angebot eines Einkaufsdienstes für Risikogruppen gehören bereits zur Sammlung. Auf andere Dinge wie Trennwände, Schutzanzüge und Testkits hat das Technik-Museum sich den Zugriff bereits gesichert.

Dokumentieren

Auch im Markgräfler Museum in Müllheim ist die Sammelleidenschaft ausgebrochen. Ein Trauerkranz mit Kerze ist der Neuzugang zur Corona-Sammlung. Den Kranz hatten Bürger im Rathaus abgelegt, um auf die schwierige Zeit aufmerksam zu machen. Er wanderte ins Dachgeschoss des Museums, wo bereits ein Schutzanzug, Masken, Fotos, Karikaturen und ein Comic einer Hebamme mit Coronabezug verwahrt werden. Auch Poster mit den Hygieneanforderungen gehen in die Sammlung ein. Kurator Frederic Lettelier betont:. „Das sind alles wichtige Dinge, anhand derer wir für die folgenden Generationen die Ereignisse anschaulich dokumentieren können.“ 

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