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Unterricht in Kneipen : Eltern belächeln die Idee

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Bund und Länder haben die Regeln für den Corona-Unterricht nicht verschärft. Es bleibt damit erst einmal alles beim bisherigen System: Kinder haben Unterricht unter Pandemiebedingung, an weiterführenden Schule gilt eine Maskenpflicht. Wenn Familien das zu riskant ist, können sie ihre Kinder vom Unterricht befreien. Zehn Hochzeiten sind bis Jahresende auf dem Öhringer Standesamt geplant. Ob sie gefeiert werden?

Elternbeiratsvorsitzende hat kein Verständnis

„Ich finde es unverantwortlich, den Schulbetrieb wie bislang weiterlaufen zu lassen“, sagt Franziska Hessenauer, Vorsitzende des Gesamtelternbeirats in Brackenheim. Familien dort setzen sich seit längerem dafür ein, dass nicht mehr alle Kinder gleichzeitig an den Schulen sind. Sie sprechen sich für einen rollierenden Unterricht aus. Halbe Klassen hat übers Wochenende auch die Bundesregierung ins Gespräch gebracht. Den Vorschlag kassierten aber die Länder. Brackenheimer Eltern würden sich weiter dafür einsetzen, dass nicht mehr alle Kinder zur selben Zeit in den Schulen sind, sagt Franziska Hessenauer. „Wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben.“

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hatte vorschlagen, die Kinder in geschlossenen Gaststätten und Hotels zu unterrichten. „Das ist total lächerlich“, kommentiert Franziska Hessenauer. „Es sind ja deshalb nicht mehr Lehrer vorhanden.“

GEW-Sprecher hält Präsenzunterricht für irrational

Harald Schröder hat sich am Montag mit Kollegen ausgetauscht: „Natürlich könnte man die Räume nutzen“, sagt der Sprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Kreis Heilbronn. Nur: Räume allein helfen nicht. Teile man eine Klasse, brauche man zwei Lehrer. „Der Vorschlag ist zu kurz gedacht.“ Die GEW spricht sich schon lange dafür aus, die Kinder im Wechselbetrieb zu unterrichten. Beispielsweise könnte eine Hälfte Montag, Mittwoch und Freitag in die Schule kommen, in der nächsten Woche dann Dienstag und Donnerstag. Außerdem fordert er bessere Schutzmasken für Lehrer. Auch an Grundschulen sollten Masken Pflicht sein. Dass die Kultusminister am Präsenzunterricht festhalten, bezeichnet der GEW-Sprecher als irrational. Auch an Schulen verbreite sich das Virus.

Bretzfelds Schulleiter Frank Eber hetzt von Telefonat zu Telefonat. Nein, nicht weil gerade eine Klasse in Quarantäne ist. Das, erklärt der Schulleiter vom Bildungszentrum Bretzfeld, habe man schnell organisiert. Zeit kosten ihn Debatten mit Eltern, die ihre Kinder von der Maskenpflicht befreien lassen wollen – und die Debatten mit Eltern, die ihre Kinder aus Sorge wegen Kindern ohne Maske nicht in die Schule lassen wollen.

Wird die Maskenpflicht auf die Jüngsten ausgedehnt?

Dazu kommt dann die aktuelle politische Diskussion, die Maskenpflicht auf die Grundschüler auszudehnen („Das wäre schlecht, denn Mimik und Gestik spielen hier eine zentrale Rolle“) und überhaupt noch mehr Sicherheitsmaßnahmen von den Schulen abzuverlangen („Das geht nicht.“) Eber zählt auf, was Schulen längst tun und was im öffentlichen Nahverkehr nicht möglich ist. Zu halben Klassen sagt er: „Wir können Unterricht verdoppeln oder das, was bei den Kindern ankommt, halbieren.“ Das Thema habe nicht nur eine medizinische Komponente, sondern auch eine pädagogische. „Der Kollateralschaden Schule steht im Raum“, warnt er, zumal kein Enddatum der Maßnahmen genannt werde.


Foto: Archiv/Seidel

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