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Nase raus, was nun? 

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Wer keine Lust auf Maske tragen hat, lässt die Nase raushängen. Ob im Supermarkt, in Bus und Bahn oder beim Bäcker, es ist inzwischen ein bekanntes Bild. Der Mund-Nasen-Schutz wird zum Mundschutz und in der Schlange vor der Kasse schmilzt der 1,5-Meter-Abstand schnell dahin. 

Die AHA-Regeln

AHA, inzwischen sind die wichtigsten Verhaltensregeln zur Eindämmung des Corona-Virus auf dieses Akronym verkürzt: Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen. Merken will sie sich trotzdem nicht jeder. 
„Viele Menschen scheinen weniger Angst vor der Krankheit als vor Einschränkungen ihrer Freiheit zu haben“, sagt Professor Hans-Jürgen Luderer dazu. Würden Regeln oder Verbote als übertrieben oder unnötig empfunden, führe das zu einer inneren Abwehr. Die zeige sich dann im Leugnen der Pandemie, im bewussten Ignorieren der Vorschriften oder in offener Kritik. Reaktanz nennt der Heilbronner Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie dieses Verhalten.

Doch wie geht man damit um, wenn man in der Schlange den Atem des Hintermanns im Nacken spürt, weil er weder die Alltagsmaske korrekt trägt noch den Abstand einhält? „Es gibt Situationen, in denen es nicht angemessen ist, den Mund zu halten“, findet Luderer. Viele Menschen würden jedoch lieber nichts sagen, um eine direkte Konfrontation zu vermeiden.

Vorbild sein

Aber gibt es denn auch eine Möglichkeit, auf die AHA-Regeln hinzuweisen, ohne einen Streit zu riskieren? Ja, findet der ehemalige Chefarzt des Klinikums am Weissenhof in Weinsberg.

Zuerst sei es wegen der Vorbildfunktion einmal wichtig die Vorschriften selbst einzuhalten. „Nicht schnell und verschämt die Hände desinfizieren“, rät Luderer. Stattdessen solle man dies gründlich und für alle sichtbar tun.
Apropos Sicht, auch ein direkter Blickkontakt kann das Gegenüber schon zum Handeln auffordern. Und wenn dann wirklich gar nichts mehr hilft, als den Mund aufzumachen, kann man in die psychologische Trickkiste greifen. Oder sich einfach fragen: Wie möchte man denn selbst auf solche Dinge hingewiesen werden? „Da fällt es einem leichter, wenn das Gegenüber vom eigenen guten Willen ausgeht“, erklärt Luderer. Wer den anderen direkt angreift, beschimpft oder unfreundlich wird, kommt nicht weit.

Das Rezept für eine gelungene Kommunikation hat drei Zutaten: Lieber erst einmal von einem Versehen ausgehen („Da ist Ihnen wohl die Maske runtergerutscht“), Verständnis zeigen („Ist ja schon lästig, das Ding“) und auch die eigene Fehlbarkeit nicht verschweigen („Ist mir auch schon passiert“). Mit dieser Herangehensweise sollte es eigentlich gut klappen.

Viele Menschen hätten zudem kein gutes Gefühl dafür, was eine Entfernung von 1,5 Metern bedeutet. Da hilft auch schon ein Schritt zurück und ein freundlicher Hinweis: „Wir müssen ja Abstand halten, ich gehe einfach einen Schritt zurück.“

Diskussionen vermeiden

Bleibt die erhoffte Einsicht aus, sollte man inhaltliche Diskussionen vermeiden. Lieber bei dem Hinweis bleiben, dass es sich um eine Vorschrift handele, die nicht ohne Grund erlassen wurde. „Bei der Kommunikation ist es wichtig, sich klar auszudrücken, ohne die andere Person bloßzustellen“, so der Experte.

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