Stimmt.de

Titelseite.indd
Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Termin für Zweitimpfung nach Astrazeneca bleibt gültig

Impfstoff für Schüler in Sicht

zurück zur Übersicht

Der Schutz der gesamten Bevölkerung vor dem Virus rückt näher. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geht davon aus, dass Jungen und Mädchen ab zwölf Jahren schon vor Beginn des neuen Schuljahres geimpft sein können. „Spätestens in den Sommerferien werden wir die über Zwölfjährigen impfen können“, sagte Spahn am Donnerstag in Berlin. 
Zuvor hatte der Mainzer Impfstoffhersteller Biontech angekündigt, dass schon im Juni erste Schulkinder im Alter von zwölf bis 15 Jahren eine Spritze erhalten könnten. Das Unternehmen will am nächsten Mittwoch bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA eine Zulassung seines Serums für Kinder ab zwölf Jahren beantragen. Bislang muss man mindestens 16 Jahre alt sein, um sich damit gegen Corona impfen zu lassen.

Tempo

Dass die Immunisierung der gesamten Bevölkerung kein wirklichkeitsfernes Ziel ist, liegt am

hohen Tempo, das die Massenimpfung mittlerweile erreicht hat. Am Mittwoch wurden in Deutschland erstmals über eine Millionen Spritzen verabreicht. „Mehr als jeder vierte Deutsche ist mittlerweile mindestens einmal geimpft“, meinte der Gesundheitsminister. 
Spahn freute sich über die Ankündigung von Biontech-Chef Ugur Sahin, warnte aber vor zu großem Optimismus. „Wir müssen jetzt aufpassen, dass der Juni nicht überfrachtet wird mit Erwartungen“, meinte der CDU-Politiker. Es werde dann nicht genügend Impfstoff für alle im Alter zwischen 12 und 60 Jahren geben. Die Bundesregierung plant, die bestehende Impfreihenfolge im Juni aufzuheben. Spahn hält es für sinnvoll, dass in Städten und Gemeinden vor Ort entschieden wird, wo Kindern das Serum verabreicht wird. Das könne in Schulen, in Impfzentren oder bei Kinder- und Hausärzten sein. In den vergangenen Wochen hatte sich der Erreger stärker bei Kindern und Jugendlichen ausgebreitet, weil Schulen und Kindergärten wieder geöffnet sind. Zum Beispiel liegt die Sieben-Tage-Inzidenz laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei den 15- bis 19-Jährigen bei 260 und damit um gut 100 Zähler über der Gesamtbevölkerung.

Folgeerscheinungen

Grundsätzlich ist das Risiko einer schweren Erkrankung und entsprechenden Langzeitfolgen bei Kindern deutlich geringer als bei Älteren. „Erste Studien zeigen, dass es auch bei Kindern ,,Long Covid'' geben kann“, warnte RKI-Präsident Lothar Wieler. Unter dem Begriff ,,Long Covid'' werden Folgeerscheinungen einer Corona-Infektion zusammengefasst, wie zum Beispiel Konzentrationsschwierigkeiten, Atemnot und Abgeschlagenheit. Spahn lehnte es dennoch ab, Eltern von Kindern prioritär zu impfen. 
Seit wenigen Tagen führt die Seuchenpolitik dazu, dass das Anwachsen der dritten Welle gebremst ist. Die Zahl der Neuinfektionen geht leicht zurück. Für Öffnungsschritte ist es aus Sicht Wielers und Spahns dennoch zu früh. „Das reicht leider noch nicht. Die Intensivstationen sind in zu vielen Städten zu voll“, sagte der Minister. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz je 100 000 Einwohner lag laut RKI am Donnerstag bei 154,9, eine Woche zuvor hatte sie 161,1 betragen. Neu angesteckt hatten sich 25 000 Menschen und damit 4000 weniger als in der Vorwoche.

Spahn und Wieler hatten zu ihrem Auftritt vor der Presse den Intensivpfleger Ricardo Lange mitgebracht, der in Berliner Krankenhäusern arbeitet. Lange schilderte in bewegenden Worten, wie anstrengend und belastend der Dienst auf den Intensivstationen ist: körperlich wegen Schutzkleidung und strengster Maskenpflicht, seelisch, wenn Patienten sterben, um die Ärzte, Schwestern und Pfleger wochenlang gekämpft haben. „Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, das macht was mit einem“, sagte Lange. Die Intensivstationen seien überlastet, das Personal am Anschlag. „Da gibt es nach meiner Meinung keinen Interpretationsspielraum.“ Auf den Intensivstationen ringen derzeit 5000 an Corona-Erkrankte mit dem Tod.


Galerien

Regionale Events