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Klingt doch öde? Wie Berufsnamen die Ausbildungswahl beeinflussen

Wie Namen die Ausbildungswahl beeinflussen

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Wellness, Fitness, gesunde Ernährung: Auf Instagram oder Youtube sind das große Themen, für die sich auch viele Jugendliche interessieren. Vielleicht wäre das was fürs Berufsleben? Eine passende Berufsausbildung, in der es um genau diese Inhalte geht, nennt sich Diätassistent. Das klingt für Jugendliche oft wenig ansprechend

Alte Muster

Aber wie sehr beeinflussen solche Bezeichnungen wirklich die Berufswahl? „Meine Erfahrung aus der Berufsberatungspraxis ist, dass sich die Jugendlichen unter vielen Berufen wenig vorstellen können“, sagt Sarah Müller, Berufsberaterin bei der Bundesagentur für Arbeit in Bremen. Deshalb gehen viele vor allem danach, was sie aus der Familie kennen, wovon sie schon gehört haben oder was sie sich selbst erklären können. Das reproduziert Muster, auch was die Geschlechtsverteilung in den Berufen betrifft. Dass sie dadurch mitunter Chancen vergeben, ihr Potenzial in unbekannteren Berufen einzusetzen, ist den wenigsten bewusst. „Berufe, unter denen Jugendliche sich nichts vorstellen können oder die unattraktiv klingen, werden oft im Vorfeld ausgeschlossen und nicht weiter beachtet“, sagt Monika Hackel vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Das träfe selbst dann zu, wenn deren Tätigkeiten zu ihnen passen würden. Der Berufsname als Aushängeschild sei daher im Berufswahlprozess nicht zu unterschätzen. Einige Branchen reagieren darauf inzwischen mit mehr gezielter Kommunikation und breitgestreuten Nachwuchskampagnen. Da wo es möglich ist, hat sich zudem eine geschlechterübergreifende Ansprache durchgesetzt.

Würde es aber nicht auch helfen, manche Ausbildungen attraktiver oder verständlicher zu benennen? In einigen Berufsverbänden wird darüber nachgedacht. So habe man beispielsweise schon Ende der 90er Jahre festgestellt, dass sich auf Stellen der „Mediengestalter/in Digital und Print“ deutlich mehr Frauen bewarben als auf die Vorgängerberufe „Schriftsetzer/in“ und „Druckvorlagenhersteller/in“, heißt es beim BIBB. Andersherum sollen sich möglichst auch mehr Männer angesprochen fühlen, wenn in weiblich dominierten Berufen ein männliches Gegenstück im Namen vorkommt, etwa neuerdings der Pflegefachmann oder der Erzieher. André John warnt allerdings davor, einen Namen nur zu Marketingzwecken zu vergeben. Frauen und Männer sollten etwas machen, weil sie das möchten. „Deswegen muss ein Berufsname schon auch ausdrücken, was darin vorkommt“. Grundsätzlich geht es also für Jugendliche vor allem darum, herauszufinden, welche Ausbildungen es überhaupt gibt und was hinter den Bezeichnungen wirklich steckt.

Alltags Beobachtungen

Berufsberaterin Sarah Müller empfiehlt Jugendlichen dafür, auch im Alltag mehr darauf zu achten, was die Menschen im eigenen Umfeld beruflich machen, und aktiv das Gespräch mit Familie, Freunden und Bekannten zu suchen. Auch aktiv zu beobachten, welche Berufsgruppen einem tagtäglich begegnen kann die Augen für neue oder unbekannte Berufsfelder öffnen. tmn


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