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Eine Busfahrt ohne Plan

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Sich in den nächstbesten Bus  setzen und ohne Ziel durchs den Landkreis fahren –  das hat sich  Lilli schon seit langem vorgenommen. Zum Jahreswechsel haben sie und ihre Freundinnen Pauline und Mia sich  einen Ruck gegeben und ihre Ideen in die Tat umgesetzt.

Freitagnachmittag nach Schulschluss. Heute geht es für mich nicht direkt nach Hause, denn ich möchte einen Punkt auf meiner Bucket List in Angriff nehmen. Etwas total Verrücktes, und das kurz vor dem Jahreswechsel: Ohne Plan und ohne Ziel will ich mich in den nächsten Bus setzen und einfach schauen, wohin die Reise geht. Als ich meinen Freundinnen Pauline und Mia davon erzählt habe, waren sie Feuer und Flamme, und so starteten wir zu dritt dieses kleine Abenteuer.

Es geht auf eine Busreise durchs Heilbronner Land. Nach einer kleinen Stärkung steuern wir die Haltestelle am Rathaus in Heilbronn an und warten auf den ersten Bus, der kommt. Die Bedingung: Auf Anzeigen oder auf die Buslinie zu achten, die uns etwas über das Ziel verraten könnten, ist streng verboten. 

Nervenkitzel

Wir sitzen also und warten. Zwischendurch wählen wir mit dem Zufallsgenerator auf dem Handy eine Zahl von eins bis zehn aus und bestimmen so die Anzahl der Haltestellen, nach denen wir aussteigen. Und dann geht es auch schon los. Nervös sind wir alle ein wenig, als wir in den Bus einsteigen, denn wann und wo wir rauskommen und vor allem, wie wir wieder den Weg zurückfinden, wissen wir noch nicht so richtig. Aber letztlich überwiegt dann doch der Nervenkitzel, und zum Aussteigen ist es jetzt sowieso schon zu spät. Wir fahren eine Weile, nach sechs Haltestellen stehen wir auf und steigen aus.

Wir befinden uns in einer vergrauten Kleinstadt mit mehreren Reihenhäuschen und Betonblöcken, wir sind in Flein. Auf der anderen Straßenseite, gegenüber der Bushaltestelle, gibt es einen Supermarkt, in dem wir uns erstmal ein wenig Verpflegung für unseren weiteren Weg sowie einen Block mit Stift zum Malen und Spielen kaufen. 
Als wir den Laden verlassen, sehen wir schon den nächsten Bus, den wir gerade noch so erwischen – und weiter geht es. Mit Keksen, Crackern, Stadt-Land-Fluss auf unserem neu erworbenen Block und einer Apfelschorle fahren wir diesmal sieben Haltestellen lang. Der Ort, in dem wir landen, kommt mir bekannt vor: Wir sind in Talheim. 
Spontan beschließen wir, den Ort ein wenig zu erkunden. Wir entdecken einige kleinere Geschäfte, eine Bäckerei, vergleichen die Weihnachtsdekoration an den Häusern. Wir bleiben, solange es uns gefällt, und setzen uns dann in den nächsten Bus in Richtung Heilbronner Innenstadt. Diesmal haben wir nämlich ein Ziel. Nach einigen Haltestellen steigt ein älterer Mann in den Bus und setzt sich in unser Viererabteil.

Er rückt seinen Filzhut gerade, faltet eine Tageszeitung auf und beginnt zu lesen. Etwas Zeit vergeht, wir drei reden unbeirrt weiter. Irgendwann wird er hellhörig und nimmt an unserem Gespräch teil. Wir erzählen von unserer Mission und dem Artikel, der daraus entsteht, und der Mann ist hellauf begeistert. Die Konversation ist erst beendet, als der ältere Herr aussteigen muss. Er wünscht uns “alles Gute, frohe Weihnachten und viel Segen”. Er verlässt den Bus und wir fahren weiter, zurück nach Hause. 

Fazit

Ich nehme, außer einer tollen Erfahrung, drei Dinge aus diesem Selbstexperiment mit: Eins: Spontanität kann so schön sein. Ich sollte öfter Dinge machen, von denen ich vorher noch nicht weiß, wohin sie mich bringen werden. Zwei: Generell sollten wir alle viel offener sein – so wie der Mann im Bus. Denn man weiß nie, welche tollen Begegnungen man machen könnte, wenn man einfach mal über seinen Schatten springt. Und drei: Wir sollten anfangen die Dinge zu tun, die wir schon immer mal machen wollten. Für 2022 nehme ich mit: Die Dinge, die ich mir vornehme, mache ich auch. Und dann braucht es nicht einmal den Vorwand, dass ich darüber einen Artikel schreibe. 

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