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Das Reiterleben ist mehr als nur ein Ponyhof

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Als meine Mutter mich als kleines Kind mit in den Stall nahm und mir zeigte, was es heißt, Verantwortung für ein Pferd zu übernehmen, wurde mir klar: Das ist nichts, was man einfach mal so nebenbei stemmen kann. Ich sollte lernen, dass der Pferdesport nicht nur aus Reiten besteht, sondern auch aus viel Arbeit, Stall ausmisten, zum Tierarzt fahren, Lederpflege und mehr.

Bis zu meinem 13. Lebensjahr hatte ich kein eigenes Pferd, habe aber aktiv voltigiert und durfte in dieser Zeit viele schöne Momente erleben. Und hier bin ich heute. Seit nun etwas mehr als fünf Jahren bin ich im Besitz meines eigenen Pferdes Camillo, und ich bin an dieser Aufgabe nur gewachsen. Das ist nicht immer einfach, denn so ein Pferd bringt auch einige Nachteile mit sich: weniger Zeit für Freunde, weniger Taschengeld, mehr Verantwortung, eine volle Tages- und Wochenplanung sowie unzählige Tierarztrechnungen. Aber: Es lohnt sich! Und mal abgesehen von irgendwelchen Nachteilen, wenn man etwas wirklich will, geht das auch.

Abstriche

Gerade als Jugendlicher oder junger Erwachsener ist das Thema Freizeit sehr wichtig. Weil ich mehr Zeit mit meinem Pferd verbracht habe, sind schon einige Freundschaften daran zerbrochen. Man muss nun mal einige Abstriche machen, was aber nicht heißt, dass das Leben mit Pferd weniger spannend ist. Im Gegenteil. Die meisten meiner engen Freunde habe ich gerade durch das gemeinsame Hobby kennengelernt und möchte sie nicht mehr missen. 

Camillo und ich haben unsere ganz eigene Geschichte. Erst über Umwege hat er seinen endgültigen Platz bei uns gefunden. An die acht Mal wechselte er in sechs Jahren den Besitzer, nirgends durfte er lange bleiben. Das hatte Auswirkungen auf sein jetziges Leben. Durch ein Trauma bei einem Unfall musste Camillo im März 2020 das rechte Auge vollständig entfernt werden. Das macht ihn aber nur noch einzigartiger. Viele Menschen in unserer Umgebung sind immer wieder begeistert von seiner Gelassenheit, seiner Geduld und seinem unendlichen Vertrauen mir gegenüber. Man kann sich voll auf ihn verlassen, auch wenn er manchmal Unsinn macht. Über die Jahre hat Camillo seinen eigenen Charakter entwickelt und bringt diesen täglich zum Vorschein. Er ist kein verängstigtes, scheues und dünnes Pferd mehr, er ist neugierig, lebensfroh und ein absoluter Herzensfreund. 

Für die Kleinen

Ich habe mit meinem Pferd unglaublich viel Spaß. Wir springen gerne, reiten aus, albern herum und nehmen gelegentlich an Turnieren teil. Ein besonderer Moment ist für mich, wenn zehn Kinder im Alter zwischen vier und zwölf Jahren wie jeden Samstag freudestrahlend auf meinen 1,80 Meter großen und 650 Kilo schweren Wallach zulaufen. Anfangs sind viele von ihnen schüchtern, doch nach kurzer Zeit breitet sich ein Grinsen auf ihren Gesichtern aus, und sie reden wie ein Wasserfall. Das „Voltigieren für die Kleinen“ ist für Kinder mit oder ohne körperliche Einschränkung ein Highlight ihrer Woche, sie fiebern richtig darauf hin. Es fördert ihre Koordination, Beweglichkeit, Konzentration, die Teamfähigkeit und natürlich die Liebe zu den Pferden. Außerdem ist es der ideale Einstieg für Kinder in den Reitsport. Das Hobby Pferd ist sowieso total vielseitig, und es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Ob Kutsche fahren, Springreiten, dem Pferd bei der Bodenarbeit Tricks beibringen, Dressurreiten, Voltigieren oder einfach gelegentlich auf dem Pferderücken ausreiten - der Pferdesport bietet etwas für jeden Tierliebhaber. 

Seelentröster 

Aber auch für mich ist die Zeit mit meinem eigenen Pferd etwas Besonderes. „Pony“, wie ich Camillo liebevoll nenne, ist für mich wie ein Seelentröster. Er hilft mir in vielen Situationen, bestimmte Dinge zu akzeptieren oder zu verarbeiten. Er ist, der mich immer aufheitert, wenn ich traurig oder schlecht gelaunt bin. Ob es daran liegt, dass man einfach nur viel zu tun hat oder am persönlichen Charakter des Pferdes, weiß ich nicht. Wahrscheinlich trägt beides seinen Teil dazu bei.

Man erlebt so viele unbezahlbare Momente mit einem Pferd, die man nie vergessen wird. Man wächst als Team zusammen und versteht die Zeichen des anderen immer besser. Viele können gar nicht einschätzen, wieviel ein Pferd an Menschen zurückgeben kann. Man versteht es erst, wenn man selbst in dieser Situation ist und das Vertrauen und die Liebe eines Pferdes selbst zu spüren bekommt. 

Das Leben mit Pferd ist definitiv nicht immer ein Ponyhof. Es gibt Tage, an denen läuft es nicht wie geplant. Camillo hat seinen eigenen Willen, den er ab und zu klipp und klar durchsetzt. Dann hat er keine große Lust darauf, das zu tun, was ich sage. In solchen Situationen musste ich lernen, meine eigenen Bedürfnisse hintenan zu stellen. Wenn man also oft genug Kompromisse eingeht, kommt man recht nah an den Ponyhof heran.  

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