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Mehr Licht!

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Wenn morgens um 7 Uhr der Wecker klingelt, ist es noch dunkel und meistens auch ziemlich trüb draußen. So manchem fällt es da doppelt schwer aufzustehen, in Schwung zu kommen und mit der Arbeit zu beginnen, die für viele ja derzeit im Homeoffice stattfindet.

„Heimarbeiter“ sind zwar einerseits privilegiert, weil sie ihre Kontakte und damit das Ansteckungsrisiko deutlich reduzieren können. Gleichzeitig fehlt vielen Aktivität und frische Luft – beides Einflüsse, die in normalen Zeiten auf dem Weg zur Arbeit quasi automatisch „mitgenommen“ werden. Und noch etwas fehlt, auch wenn vielen Menschen das gar nicht richtig bewusst ist, sagt der Künzelsauer Lichtplaner Frank Nowicki: Licht.

Rhythmus

Der menschliche Organismus ist seit Jahrmillionen an den Tag-Nacht-Rhythmus angepasst, erklärt SLK-Neurologe Christian Opherk. Sonnenlicht ist ein starker Trigger für viele Funktionen des Körpers und Taktgeber der inneren Uhr. Licht löst ein Gefühl von Wachheit aus. Der Stoffwechsel kommt in Gang, Stresshormone werden ausgeschüttet – der Tag kann beginnen.

Die Erfindung des künstlichen Lichts hat es erst möglich gemacht, Arbeit und andere Aktivitäten in die Abendstunden hinein auszudehnen. Das hat sich auf den natürlichen menschlichen Tag-Nacht-Rhythmus ausgewirkt. Schlafstörungen hätten ihre Ursache häufig in zu viel nächtlichem Licht, vor allem Licht mit viel Blauanteilen, das den Körper aktiviert, sagt Opherk: „Deswegen ist es auch keine gute Idee, vor dem Schlafengehen noch Excel-Tabellen am Tablet zu bearbeiten.“

Leistungsfähig

Nachts zu viel Licht, tagsüber zu wenig. Frank Nowicki hat bei seiner eigenen Arbeit im Homeoffice bemerkt, dass er schlechter sieht als gewöhnlich und leichter ermüdet. „Ich brauchte eine Lesebrille.“ Ein möglicher Grund für die Erschwernis: Heimarbeitsplätze, häufig Provisorien, seien im Vergleich zum Schreibtisch im Büro oft schlecht beleuchtet. Der Lichtmangel könne dazu führen, dass man sich unwohl fühlt und weniger leistungsfähig ist, sagt Nowicki. Abhilfe schafft bei ihm jetzt das Leuchtmittel aus dem Büro, das der 55-Jährige vorübergehend an seinem Heimarbeitsplatz installiert hat.

Es sei ganz normal, dass das Licht zu Hause ein anderes ist als im Büro, sagt Nowicki. Zu Hause wolle man ein angenehmes, warmes „Feuerlicht“ mit vielen Rotanteilen, das gemütlich und entspannend ist und den Körper auf die Schlafphase vorbereitet. Im Büro ist dagegen helleres Licht mit mehr Blauanteilen gefragt, das munter macht und die Bedingungen schafft, um gut und konzentriert arbeiten zu können. Am besten sei immer noch Tageslicht, sagt Nowicki. Er rät fürs Homeoffice dazu, sich klarzumachen, wo am meisten Licht hinfällt und dann zu prüfen, ob sich der Schreibtisch womöglich günstiger positionieren lässt. Auch helle Materialien, zum Beispiel eine helle Tischplatte, die das Licht gut reflektieren, helfen.

Gutes Kunstlicht zur Ergänzung kommt in der Regel von der Decke, sagt Nowicki, „auch die Sonne kommt von oben“. Schreibtischlampen – ein Klassiker an privaten Arbeitsplätzen – seien hingegen nicht gut geeignet, weil damit nur ein gewisser Bereich ausgeleuchtet werde. So müsse sich das Auge ständig an unterschiedliche Bedingungen anpassen.

Verantwortlichen in Firmen rät der Experte: „Investieren Sie in eine gute Lichtanlage und wählen Sie eine höhere Lichtleistung als in der Arbeitsstättenrichtlinie vorgesehen.“ Er ist überzeugt: Es zahlt sich aus, eine angenehme, gut ausgeleuchtete Arbeitsumgebung zu schaffen, in der die Mitarbeiter sich wohlfühlen und so in die Lage versetzt werden, wach und konzentriert zu arbeiten. „Mit Licht kann man sehr viel erreichen.“

Spaziergänge

Christian Opherk erklärt, tägliche Spaziergänge oder andere Aktivitäten draußen förderten das allgemeine Wohlbefinden: „Die Gesamtlichtmenge, die man bekommt, wirkt sich schon auf die Stimmung aus.“ Gerade in Homeoffice-Zeiten und angesichts reduzierter sozialer Kontakte sei „viel Bewegung an der frischen Luft“ entscheidend, um gut durch die trübe Jahreszeit zu kommen und Einschränkungen besser zu bewältigen.

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