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Drei digitale Helfer in der Corona-Krise

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Digital gegen die Corona-Krise:  Ob Impfpass als Smartphone-Version oder eine bessere App zur Kontaktnachverfolgung, diese drei Apps sind vielversprechende Helfer, um die Pandemie in den Griff zu bekommen.

Israel stellt grüne Corona-Pässe aus

Israel hat seinen digitalen Impfpass schon seit einigen Wochen. Den sogenannten grünen Pass bekommt seit 21. Februar jeder, der eine Corona-Erkrankung durchgemacht hat oder vollständig gegen das Coronavirus geimpft wurde. Mehr als jeder zweite der fast neun Millionen Einwohner Israels ist inzwischen einmal geimpft, mehr als 40 Prozent sind zwei Mal geimpft. Die Neuinfektionen in dem Land sind mit der steigenden Impfrate um rund 95 Prozent zurückgegangen. Seit Ende Februar lockert Israel daher die Corona-Einschränkungen. Wer die Voraussetzungen erfüllt, kann das Dokument über die „Traffic Light App“ des Gesundheitsministeriums beantragen und in dieser App hinterlegen. Alternativ kann der grüne Pass auch ausgedruckt werden.

Restaurantbesitzer oder Veranstalter können den QR-Code scannen und sehen, wann derjenige geimpft wurde. Der Pass ist sechs Monate gültig und muss dann neu beantragt werden. Neben Bars, Cafés und Restaurants sind so auch Veranstaltungen mit bis zu 1500 Menschen in Arenen und Hallen wieder möglich, wie das israelische Gesundheitsministerium erklärt.
„Ich kenne niemanden, der bisher ein Problem damit hatte“, erzählt die Dänin Mette, die in Israel lebt. Ihre zweite Impfdosis hat die 26-Jährige im Februar bekommen und den Pass beantragt. Ihre Familie in Dänemark kann sie derzeit nicht besuchen, denn diese muss noch lange auf eine Corona-Impfung warten. „Die EU ist so langsam beim Impfen. Das ist wirklich peinlich.“
Gegen Impfgegner geht Israel indes hart vor. Die Regionalregierungen sollen nach Plänen von Premierminister Benjamin Netanyahu die Daten von nichtgeimpften Personen erfassen können, um sie zu einer Impfung zu bewegen. Mehrere Unternehmen planen laut Medienberichten, Mitarbeiter unbezahlt freizustellen oder zu entlassen, die sich nicht impfen lassen wollen. Das Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem verbietet nichtgeimpften Pflegekräften inzwischen, Patienten zu behandeln. Sie würden in anderen Bereichen des Krankenhauses eingesetzt. Die Einreisebestimmungen wurden mehrfach verschärft und der Flugverkehr wurde drastisch reduziert.

Impfpass muss kein Papierbüchlein mehr sein

Die EU und Deutschland wollen, dass der Impfpass als gelbes Papierbüchlein der Vergangenheit angehört. Künftig soll es sowohl auf EU-Ebene als auch für Deutschland einen digitalen Impfpass geben, der auf dem Handy hinterlegt werden kann. Am Dienstag gab das Bundesgesundheitsministerium bekannt, dass vier Unternehmen den digitalen Pass bauen sollen, darunter der US-Konzern IBM und der Neckarsulmer IT-Dienstleister Bechtle. Was genau die Neckarsulmer beisteuern, ist derzeit noch unklar.

Nach der Impfung in einem Impfzentrum oder einer Arztpraxis erhält man eine Bescheinigung, auf der ein Code aufgedruckt ist. Dieser kann mit der künftigen Impfpass-App gescannt werden. Die Bescheinigung kann nur einmalig abgerufen werden und ist dann an das Smartphone gebunden. Außerdem soll es eine App geben, mit der der digitale Impfpass gescannt werden kann. Ähnlich wie bei einem Flugticket kann derjenige so den Impfstatus, den Namen des Geimpften und das Geburtsdatum abrufen. Für die beteiligten Unternehmen könnte sich die Entwicklung lohnen. Sie können für jedes bereitgestellte Zertifikat eine Gebühr berechnen. Baden-Württembergs Datenschutzbeauftragter Stefan Brink sieht im Impfpass ein gewisses Risiko. Restaurantbesitzer oder Veranstalter dürften sich einen solchen Pass zwar vorzeigen lassen. „Der Arbeitgeber darf das aber nicht. Er hat nicht die Befugnis, diese Gesundheitsdaten zu erheben.“ Auch in Bereichen der öffentlichen Daseinsvorsorge, wie in der Schule oder im Nahverkehr, dürfe nicht nach einem Impfausweis gefragt werden.

Bis Ende des zweiten Quartals soll der digitale Impfpass kommen, wenn es nach Gesundheitsminister Jens Spahn geht. Bis der EU-Impfpass kommt, könnte es noch länger dauern. Belgien lehnt ihn ab, während Länder wie Griechenland und Zypern ihn befürworten, etwa für Urlaubsreisen. Die WHO, die den gelben Pass bisher ausstellt, lehnt den digitalen Pass ab. Es sei nicht sicher, wie lang die Immunität anhalte. Die EU-Kommission will einen Gesetzentwurf für den Impfpass am kommenden Mittwoch vorlegen.

Wird Luca die neue Corona-App?

Um die Luca-App ist ein regelrechter Hype entstanden. Smudo, Mitglied der Fantastischen Vier und Mit-Initiator, stellte die Anwendung in der ARD-Talkshow Anne Will vor. Seitdem wird diskutiert, ob die App zu einer Art Standard für Restaurantbesuche und Veranstaltungen werden könnte. Die Luca-App funktioniert so: Nutzer laden sich die Anwendung auf das Smartphone und geben Kontaktdaten wie Name, Telefonnummer und E-Mail-Adresse an – so wie sie es im Restaurant auch tun würden. Die Luca-App verschlüsselt diese Daten und speichert sie nur auf dem eigenen Smartphone. Sie speichert außerdem, wenn man sich in einem Restaurant oder bei einer Veranstaltung eincheckt. Meldet jemand eine Corona-Infektion, der zur gleichen Zeit in der Nähe war, können die Daten schnell ans jeweilige Gesundheitsamt übermittelt werden, wenn Kontaktpersonen dem zustimmen. Das Gesundheitsamt kann die Daten entschlüsseln und die Betroffenen ausfindig machen.
Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wollen die App bald flächendeckend einsetzen. Auch Städte wie Rostock und Jena setzen auf die App, Freiburg und der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald starten einen Test.

In der Region wird Luca nicht offiziell eingesetzt. „Wir informieren uns derzeit über die Funktionsweise der zur Verfügung stehenden Systeme und eruieren, inwieweit sie die Arbeit des Gesundheitsamtes bei der Kontaktpersonennachverfolgung unterstützen können“, erklärt Hohenlohekreis-Sprecher Sascha Sprenger. „Wir verfolgen die Situation mit Interesse“, sagt Manfred Körner, Sprecher des Heilbronner Landratsamtes. Eine mögliche App müsse breit eingesetzt werden.
Bund und Länder wollten diese Woche entscheiden, welche App bundesweit eingesetzt werden soll, legten sich bisher aber nicht fest. Ein Grund könnte sein, dass die Gesundheitsämter verschiedene Systeme zur Datenerfassung nutzen. Die Luca-App funktioniert über eine Schnittstelle mit dem Sormas-System. Dieses setzen jedoch nicht alle Gesundheitsämter in Baden-Württemberg und den übrigen Ländern ein.

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