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Lockerungen für Geimpfte geplant - Einige Länder gehen voran

Die Freiheit kehrt langsam zurück

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Schon am Samstag könnten für Millionen Menschen in Deutschland die gröbsten Corona-Beschränkungen Geschichte sein. Die Bundesregierung will für doppelt Geimpfte und Genesene Ausgangssperren, Kontaktverbote und andere Einschränkungen aufheben. Gleichzeitig hat Deutschland bei den Impfungen gegen das Coronavirus derart Schwung aufgenommen, dass die Wochen geschlossener Kneipen, Biergärten, Restaurants und Geschäfte gezählt sind. Schon Ende Mai dürfte die Hälfte der Bevölkerung mindestens eine erste Impfung erhalten haben. Das war der Wert, bei dem die Briten zurück in die Pubs strömen durften. 

Änderungen

Zunächst werden aber zweifach Geimpfte sowie Genesene ihren Alltag freier gestalten können, wenn Bundestag und Bundesrat dem Plan der Regierung in den nächsten Tagen zustimmen. Kommt es so, dann wird für sie die nächtliche Ausgangssperre wegfallen. Außerdem sollen sie sich ohne Einschränkungen mit Menschen treffen dürfen, die das Virus ebenfalls mit Wahrscheinlichkeit nicht mehr weitertragen können, weil sie nicht mehr ansteckend sind. Bei Treffen mit Ungeimpften im Familien- oder Freundeskreis sollen sie nicht mehr mitgezählt werden. Das geht aus dem Entwurf von Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hervor. Wer eine Infektion überstanden hat oder über den vollständigen Impfschutz verfügt, muss dann auch keinen negativen Corona-Test im Geschäft oder beim Friseur vorzeigen. Die Quarantäne bei der Rückkehr von Reisen aus dem Ausland entfällt. Ausgenommen davon sind Länder, in denen sich gefährliche Mutationen ausbreiten, wie Indien und Brasilien. 

Weil doppelt Geimpfte und Genesene für andere nicht mehr ansteckend seien, „ist es auch möglich, Beschränkungen aufzuheben“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Montag. Er zeigte sich zuversichtlich, dass Bundestag und Bundesrat zustimmen werden. „Die Signale sind grundsätzlich sehr, sehr gut“, sagte der CDU-Minister.
In Deutschland haben rund sieben Millionen Menschen beide Einheiten des Impfstoffs erhalten. Knapp dreieinhalb Millionen haben eine Infektion durchgemacht (festgestellte Fälle). Allerdings will die Regierung nur denjenigen Genesenen ein Stück ihrer Freiheit zurückgeben, deren Infektion höchstens ein halbes Jahr zurückliegt. In den nächsten Wochen wird sich die Zahl derer, die eine schützende Spritze erhalten haben, deutlich erhöhen. Deutschland hat beim Impftempo mittlerweile Großbritannien und die USA überholt.

Prognose

Nach Simulationsrechnungen des Robert-Koch-Institutes werden Ende Mai 54 Prozent aller Deutschen über 18 Jahre eine erste Dosis Serum bekommen haben, 17 Millionen bereits zwei Einheiten. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rechnet damit, dass dann die Fallzahlen deutlich sinken werden. „Aber wir werden weiter vorsichtig bleiben müssen mit Lockerungen“, sagte er unserer Redaktion. Generell sei es richtig, dass für doppelt Geimpfte die Ausgangssperren entfielen. Lauterbach warnte aber vor einem für die Gesellschaft gefährlichen Riss. „Ganz klar nein sage ich zu Öffnungen von Läden, Kneipen oder anderen Angeboten nur für doppelt Geimpfte“, meinte er. „Einerseits ist ihre Zahl noch zu klein, andererseits spaltet das die Gesellschaft.“ 

FDP-Chef Christian Lindner sieht das anders und plädierte dafür, für sie das öffentliche Leben zu öffnen. „Öffnungen von Sport- und Kulturstätten sowie der Außengastronomie für Geimpfte und Genesene sind durchaus möglich“, sagte Lindner. Betriebsärzte sollen aus Sicht der Liberalen bereits im laufenden Monat die Gegenmittel spritzen dürfen und nicht erst im Juni, wie es die Bundesregierung vorhat.




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