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Geld spielt für mich keine Rolex

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Simon: Geld spielt keine Rolex für mich

Mit Geld ist das ja so eine Sache. Man redet eigentlich nicht darüber, und falls doch, dann nie mit konkreten Zahlen. Wer sich beispielsweise ab und zu mal Interviews mit Prominenten, egal ob Influencer, Schauspieler oder Sportler, anschaut, wird merken, dass sich die Stars meistens schon rein vertraglich gar nicht zu ihrem finanziellen Einkommen äußern dürfen. Wenn es um konkrete Einkünfte geht, kann man als interessierter Zuhörer schon damit zufrieden sein, wenn vage Formulierungen wie „oberer sechsstelliger Bereich“ fallen. Das zeigt, wie wichtig und wie sensibel das Thema für die Menschen ist. Auch im popkulturellen Bereich spielt Geld seit Jahrzehnten eine große Rolle, durchaus auch inhaltlich. Man denke nur an Serienhits wie „Haus des Geldes“ oder an Nummer-Eins-Songs wie „Money, Money, Money“ von ABBA. 

Sparsam

Doch man muss gar nicht in das Jahr 1976 zurückblicken, um das Motiv Geld in der populären Musik zu entdecken. Gerade im aktuell so omnipräsenten Deutschrap handeln viele Texte von „100k Cash“ oder vom „Geld machen“, um nur zwei Songtitel des zurzeit sehr erfolgreichen Rappers Capital Bra zu nennen. Neben dem Geldverdienen gibt es im deutschsprachigen Rap aber noch ein anderes großes Motiv, das sich mit Geld verbindet: nämlich das Ausgeben der verdienten Euros, meist für Luxusgüter. Natürlich sprechen Deutschrapper sicherlich nicht für alle. Aber wenn man sich eine Weile durch Instagram oder Youtube klickt, kann man schon den Eindruck gewinnen, dass Luxus und Geld für Jugendliche im Moment eine große Rolle spielen. Vielleicht liegt es daran, dass ich mittlerweile einfach einer anderen Generation angehöre, aber ich gebe nur selten viel Geld auf einmal aus, und dann nie für Luxusklamotten.

 

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Dass ich in letzter Zeit am Ende des Monats immer mehr Geld auf dem Konto habe als vorher, dürfte auch viel mit der Pandemie zu tun haben, und dass sie die Möglichkeiten zum Geldausgeben stark eingrenzt. Allerdings war ich schon immer eher sparsam. Während sich andere im Grundschulalter Kaugummis, Gummibärchen oder andere Süßigkeiten kauften, sah ich es schon damals nicht ein, mein eigenes Geld für etwas zu verprassen, wovon ich nach wenigen Minuten schon nichts mehr gehabt hätte. Auch von meinem Konfirmationsgeld habe ich, wahrscheinlich im Gegensatz zu den meisten anderen, noch keinen Cent ausgegeben. So nehme ich mir seit Jahren vor, mir irgendwann einen teuren Wunsch zu erfüllen. Doch brauche ich weder das teuerste Fahrrad, noch eine Rolex. Generell ist mir Materielles, beziehungsweise sind mir Statussymbole nicht so wichtig. 

Ich gehöre beispielsweise auch nicht zu denjenigen, die sich jedes Jahr das neueste Handy gönnen. Im Gegenteil: Ich hänge eher an meinen Habseligkeiten und habe mich richtig geärgert, als mein zweieinhalb Jahre altes Handy im Februar kaputtging und ich mir ein neues kaufen musste. Auch mit Fast Fashion habe ich nichts am Hut und trage durchaus noch Pullis oder T-Shirts, die ich schon seit drei Jahren besitze.

Weniger Ausgaben

Mittlerweile findet mein Studienalltag nicht mehr nur noch online, sondern teilpräsent statt, sodass ich wieder vor Ort in Mannheim bin und dadurch definitiv mehr ausgebe als noch vorher zu Lockdownzeiten, zum Beispiel für Zugtickets, Essen, Kino- oder Kneipenbesuche. Im Alltag braucht man als Student aber, zumindest in Mannheim, nicht so viel Geld. Solange man beispielsweise nicht gerade jeden Tag in Edelrestaurants ein- und ausgeht oder im Club das teuerste Getränk der Karte bestellt, sondern regelmäßig in der Mensa isst und im Studierendenwohnheim lebt, was ich beides tue, sollte man einiger-maßen gut zurechtkommen.  Das gilt besonders dann, wenn man noch einen Nebenjob hat. Ich habe zwar keine Nebenbeschäftigung, aber gebe ohnehin nicht mehr Geld aus als ich monatlich an „Taschengeld“ zur Verfügung habe. 

Lilli: Freundschaft vor Geld

Jeder will es, und gerade junge Menschen haben oftmals nicht allzu viel davon – die Rede ist natürlich von Geld. Damit es nicht zwischen Freundschaften gerät, achten wir in unserer Freundesgruppe auf ein ansatzweise ausgeglichenes Verhältnis im Umgang mit Geld.  Wir wechseln uns beim Bezahlen ab, legen öfter für bestimmte Dinge zusammen oder laden uns gegenseitig auch gerne hin und wieder ein. 

Eine feste Abrechnung oder ein Aufzählen, wer genau jetzt wann und wo was bezahlt hat, gibt es bei uns jedoch nicht. Es herrscht immer eine offene Atmosphäre, auch wenn das Thema Geld gewissermaßen ein Tabuthema ist. Fühlt sich zum Beispiel jemand ungerecht behandelt, weil er oder sie zu oft bezahlt, ist es möglich, das ganz ehrlich in der Clique anzusprechen. Wir versuchen dann alle gemeinsam, eine Lösung zu finden. Denn in einer Sache sind wir uns einig: Geld sollte niemals zwischen uns stehen oder sich negativ auf das Klima in unserer Gruppe auswirken. Denn: So gute Freunde findet man für kein Geld der Welt. 

Las: den Überblick behalten

Nach Monaten des Bangens halte ich ihn endlich in der Hand: den genehmigten BAföG-Bescheid. Zunächst ist meine Freude natürlich groß, dass ich das Geld für meine Studienfinanzierung bekomme, denn die Miete für meine Wohnung ist davon eigentlich noch gut gedeckt. Aber dann stellt sich Nüchternheit ein, und es dämmert mir, dass ich von dem restlichen Geld alleine zurechtkommen muss: die Stromrechnung, der Internet- und Handyvertrag, das Semesterticket und der Studienbeitrag sind nur wenige der regulären Ausgaben, über die ich jeden Monat den Überblick behalten muss. Einkäufe und sonstige Ausgaben sind da noch gar nicht mit eingerechnet. 

Glücklicherweise habe ich auch vor meinem Umzug und meinem Studienleben nicht sonderlich viel ausgegeben. Dass ich mein eigenständiges Einkommen regulieren muss, ist für mich dennoch eine Umstellung. Denn jetzt bewahre ich rigoros Kassenzettel auf und denke bei jedem Einkauf lieber zweimal nach, ob ich das wirklich brauche oder doch nicht darauf verzichten könnte. Und warte am Ende jedes Bewilligungszeitraumes gebannt auf den neuen Bescheid.  Natürlich kann ich eine kleine Nebentätigkeit ausüben, um mein Einkommen weiter aufzubessern. Spätestens, wenn das zusätzliche Geld eintrudelt und ich merke, dass ich ohne Probleme mit dem Geld zurechtkomme, fällt mir ein Stein vom Herzen. Die Erkenntnis, dass ich mir damit vorübergehend nur meine Existenz gesichert habe und trotzdem noch Klausuren anstehen, lauert aber schon recht bald wieder im Hinterkopf.  

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