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Was macht einen guten Witz aus, Jochen Prang?

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Vor Jahren hat der gebürtige Saarländer Jochen Prang seine Heimat für seine Karriere als Stand-Up-Comedian verlassen und reiste quer durch Deutschland. Derzeit wohnt er in Stuttgart. Stimmt!-Schreiberin Milea hat sich mit ihm über Humor unterhalten, welche Grenzen Satire hat und ob Prang auch im Privaten sein Umfeld gern zum Lachen bringt.

Jochen, wie bist du eigentlich Stand-Up-Comedian geworden?
Jochen Prang: Die Einsamkeit ist schuld. Ich war Radiomoderator, und da sitzt man oft allein im Studio und bekommt sehr wenig Reaktion von seinen Zuhörern. Da dachte ich mir, ich gehe einfach mal auf die Bühne und schaue, ob ich wirklich so lustig bin, wie ich glaube, es im Radio zu sein. Und das hat sich sehr schnell innerhalb weniger Jahre von einer Leidenschaft zum Job entwickelt.

Was macht einen guten Witz aus? 
Prang: Darauf gibt es unterschiedliche Antworten: Entweder überrascht ein guter Witz mit einer unerwarteten Wendung; er spricht eine Wahrheit aus, die dann so absurd ist, dass sie schon wieder lustig ist, oder man hat eine Kombination von zwei Dingen, die auf den ersten Blick nicht kombinierbar sind, aber dann ein ganz anderes Bild ergeben. Am meisten ist jedoch der Lachreiz da, wenn man von einer Punchline am Ende komplett überrascht wird.

Welcher ist dein persönlicher Lieblingswitz? 
Prang: Standardwitze erzähle ich auf der Bühne nicht, jedoch hat meine dreijährige Tochter momentan einen Lieblingswitz, der ein bisschen zu meinem geworden ist: Wonach riecht es in der Villa Kunterbunt? Nach Pipi. Den Rest meiner Performance hole ich aus meinem Alltag.

Und durch deinen Alltag kommst du dann sozusagen an deinen Stoff?
Prang: (lacht) Das klingt ja, als wäre ich ein Junkie, aber so ungefähr ist das. Ich sehe Alltagssituationen, und sobald mir etwas auffällt, schreibe ich es mir auf. 

Was machst du, wenn die Reaktion auf einen Gag nicht so ausfällt, wie du es dir erhofft hast?
Prang: Das ist meistens für einen kurzen Moment etwas peinlich – nichts ist peinlicher als ein Witz, über den keiner lacht. Aber das ist das Berufsrisiko, scheitern gehört nun mal dazu. In allen Bereichen des Lebens. 

Dann wird man mit der Zeit bestimmt auch härter im Nehmen und lernt, wie man mit sowas umzugehen hat.
Prang: Ja, auf jeden Fall, das hat man sogar recht schnell gelernt. Gerade die ersten Jahre sind meistens relativ hart, da man erstmal seinen Weg zu sich selbst finden muss und sich auch von den anderen Comedians abheben möchte. Da fällt man schon sehr oft und schnell auf die Nase.

Wie würdest du deinen eigenen Humor beschreiben?
Prang: Sehr breit gefächert. Ich lache über alles und bin auch sehr leicht zum Lachen zu bringen. Außerdem sehe ich in allem das Lustige und habe auch absolut keine Hemmungen, die privatesten Dinge durch den Kakao zu ziehen. Ich habe auch sehr harte Witze, weshalb ich meinen Humor als offen und teilweise grenzwertig beschreiben würde. Ich meine aber nichts böse, ein Zwinkersmiley ist immer und überall mit dabei. 

Bringst du bei deinen Auftritten und Shows dann gerne Satire und provokante Anspielungen mit ein?
Jochen: Ja natürlich, das gehört auf jeden Fall dazu. Wenn man schon diese Fläche auf der Bühne und Leute hat, die einem zuhören, sollte man versuchen, da ein paar Spitzen zu setzen. Das eröffnet neue Blickwinkel und bringt Gedankenprozesse beim Publikum in Gang. 

Hat Satire Grenzen?
Prang: Ich achte natürlich sehr darauf, was ich auf der Bühne sage. Ich versuche, nicht nach unten zu treten, sondern nach oben zu den Leuten, die das abkönnen müssen. Ich würde nicht unbedingt sagen, dass ich im allgemeinen Sinne politisch korrekt bin, aber dass ich fair bin und die Dinge, die ich auf der Bühne sage, auch dementsprechend rechtfertigen kann.

Dann bist du auch privat ein Witzbold?
Prang: (lacht) Oh ja, sehr zum Leidwesen meiner Familie. Ich kann selten die Klappe halten, aber das ist nun mal mein Naturell. 

Auf Instagram hast du ein Bild mit Bülent Ceylan hochgeladen. Hast du denn einen Lieblings-Comedian?
Prang: Sehr gerne mag ich Michael Mittermeier, den ich auch schon treffen durfte. Durch ihn hatte ich erstmals mit 17, 18 Jahren überhaupt den Gedanken daran, eventuell mal in die Richtung Comedy zu gehen. Mit ihm zusammen dann mal auf einer Bühne zu stehen und zu sehen, wie er arbeitet, war sehr beeindruckend. Geht man von den globalen Comedians aus, mag ich Jerry Seinfeld, Ricky Gervais, Sarah Silverman und viele mehr.

Unterscheidet sich der Humor von Erwachsenen und jungen Menschen? Wenn ja, inwiefern?
Prang: Humor unterscheidet sich nicht nur zwischen Jung und Alt, sondern auch innerhalb der Altersgruppen. Aber im Endeffekt lachen wir alle über das Gleiche. Das Scheitern im Alltag ist das, was uns alle vereint und worüber wir alle lachen werden. 

Passt du dein Programm an die verschiedenen Altersgruppen an?
Prang: Nicht wirklich, ich achte natürlich darauf, dass, wenn ich ein älteres Publikum habe, ich nicht zu sehr über moderne Sachen rede und hier auch nicht zu sehr ins Detail gehe. Aber im Prinzip passe ich es nicht wirklich an, ich habe über die Jahre einfach gelernt, wie ich Dinge formulieren muss, damit es auch wirklich alle verstehen. 
 
Hast du einen guten Rat für diejenigen, die auch im Comedy-Bereich arbeiten wollen?
Prang: Einfach machen. Das ist wie bei allem anderen auch: Wenn du Comedy machen willst, kannst du nicht nur zu Hause an deinem Schreibtisch sitzen und Gags schreiben und dir denken, dass du jetzt ein Komiker wärst. Du musst auch gehört werden, du musst gesehen werden.  

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