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Ich trinke keinen Alkohol

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Es ist eigentlich sehr schwer, Schriftzeichen in Grimassen darzustellen. Mit Ausnahme des Fragezeichens: Man braucht nur mal die Reaktion der Leute zu beobachten, denen ich auf Feiern oder Veranstaltungen sage, dass ich mit 19 Jahren keinen Alkohol trinke. Von „Hä, was machst du dann hier überhaupt?“ über „Ach so, machst du heute Abend den Fahrer?“ bis hin zu „Respekt, das würde ich glaube ich nicht hinbekommen können“ sind so ziemlich alle Reaktionen dabei.

Das Wichtigste vorweg: Mir geht es nicht darum, irgendjemanden für seinen Alkoholkonsum zu verurteilen – in einem Land wie Deutschland, dessen Trinkkultur stark ausgeprägt ist, würde so etwas sowieso wenig Anklang finden. Letztlich ist es die Entscheidung eines jeden Einzelnen, ob und in welchem Umfang er trinkt. Ich habe für mich aus primär religiösen und kulturellen Gründen entschieden, auf Alkohol und andere Drogen zu verzichten. Damit gehen auch ziemlich lustige Erfahrungen einher, die ich bisweilen als Nichttrinker mache.  

Trinkkultur

Während die meisten anderen Menschen am nächsten Morgen mit Erinnerungslücken und Kopfschmerzen aufwachen, erwarten mich die „Was ist gestern eigentlich passiert?“-Nachrichten. Für die einen ist es ein Risiko, mich auf Feiern dabeizuhaben, für mich ist es mein abendliches Entertainment. 

Unzählige Male wurde ich von völlig betrunkenen Freunden in den Arm genommen und erstmal mit Sentimentalität überschüttet. Torkelnde Bekundungen der Loyalität und gelallte Emotionsausbrüche darüber, wie wichtig man einem doch sei, sind am nächsten Tag aber plötzlich wieder ganz vergessen. So etwas funktioniert unter gleichgesinnten Trinkern eigentlich ziemlich harmonisch, aber als Nichttrinker wird es da schon mal schnell etwas unangenehm. Außerdem hat man noch ein wenig mit Hemmungen auf der Tanzfläche zu kämpfen, während der Rest der Anwesenden gar nicht mehr zwischen oben und unten unterscheiden kann.

Allgemeinhin werden mir auch gerne mal Dinge anvertraut, die ich wohl niemals in Erinnerung behalten hätte, wenn auch ich angetrunken gewesen wäre. Nicht selten gab es schon Kandidaten, die am nächsten Morgen erst einmal abtasten mussten, wobei sie sich vielleicht verplappert haben – nur um dann zu merken, dass sie eindeutig zu viel erzählt haben. Auf so ziemlich jeder Feier fällt mir auch der ungefragte Job als Aufpasser zu. Als einziger Nichttrinker muss ich hin- und herspringen, um alles in Schach zu halten. Nichtsdestotrotz ist es auch schon mehrmals vorgekommen, dass ich nicht zu bestimmten Veranstaltungen eingeladen wurde, weil ich keinen Alkohol trinke. Begründet wurde das mit: „Sorry, aber du würdest dich nüchtern eh langweilen.“ Glücklicherweise haben solche Leute in meinem Freundeskreis sowieso nichts zu suchen. 

Nerven

Aber auch nach Jahren der Erklärungen und Gegenfragen platzt mir manchmal der Kragen. So erinnere ich mich noch lebhaft an eine Geburtstagsfeier, bei  kleine Shotgläser an die Gäste verteilt wurden, um auf die Gastgeberin anzustoßen. Als ich mit Verweis auf mein Cola-Glas in der Hand sagte, dass ich nicht trinke und das Gläschen ablehnte, wurde der Kerl mir gegenüber ein wenig lauter und nahm mir fast mein Glas aus der Hand. 

Entnervt drehte ich meine ohnehin schon laute Stimme auf das Maximum und entgegnete ihm umso aggressiver, dass ich keinen Alkohol trinken würde, woraufhin der sowieso schon benommene Typ mich ein wenig ungläubig anstarrte und das Glas endlich losließ. Manchmal brennen einem dann doch vielleicht noch die Nerven durch.  

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