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Was, wenn ich gar nicht trinken will?

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Na, willst du noch was? Will ich eigentlich nicht. Aber ehe ich antworten kann, habe ich bereits ein volles Glas in der Hand und einige erwartungsvolle Blicke sind auf mich gerichtet. 

Zugehörigkeit

Von mir aus hätte ich heute keinen Alkohol gebraucht – Spaß kann ich auch ohne haben –, aber aus Gründen der Zugehörigkeit stoße ich mit an. Denn obwohl ich weiß, dass meine Freundinnen und Freunde mich niemals zu etwas drängen würden, das ich nicht will, traue ich mich trotzdem nicht zu sagen, dass es mir zu viel wird. 

Also trinke ich doch und merke, wie alles um mich herum etwas nebliger wird. Im Hinterkopf die Gewissheit, dass ich all das spätestens zu Hause in meinem Bett bereuen werde. Aber sind wilde Nächte, schlechte Entscheidungen, gute Geschichten nicht das, was das Teenager-Leben ausmacht? Verpasse ich etwas, wenn ich nicht Teil der nächsten Party bin? Kann ich meine Jugend jetzt, mit 16 Jahren, in vollen Zügen genießen, auch ohne „alles mal durchprobiert” zu haben?

In der Schule wird von Montag bis Mittwoch über den „Absturzsuff” des vergangenen Wochenendes geredet, die brisantesten Erinnerungen werden ausgetauscht. Donnerstag und Freitag wird die nächste Feier geplant, ohne dass es einen besonderen Grund zum Feiern gibt. Wir feiern das Leben, die Jugend, die Freiheit. Die Illusion, dass man jenes Leben nur unter dem Einfluss von Substanzen genießen kann, die dieses laut diverser Studien verkürzen, ist bizarr. Eine Gruppe junger Menschen, die nur zusammenkommt, um sich „die Kante zu geben”. Es scheint, als wäre es nicht einmal wichtig, wer sonst noch dabei ist. Hauptsache, ihr habt Spaß. Um das klarzustellen: Ich habe nichts gegen gelegentlichen Alkoholkonsum oder Partys. Aber ich würde mir wünschen, dass Genussmittel auch zum Genießen genutzt werden, und nicht zum Betäuben oder zum Ertränken seiner eigenen  Ängste oder Sorgen.

Suchtverhalten

Denn trotz aller Romantisierung durch zum Beispiel die sozialen Medien sind Drogen, so normalisiert sie auch sind, sehr gefährlich. Ich kenne erschreckend viele Menschen, die bereits als Minderjährige Probleme mit ihrem Suchtverhalten haben oder hatten, das sollte nicht unterschätzt werden. Es ist nicht schlimm, nicht trinken zu wollen. Wahre Freunde sollten solche Entscheidungen immer respektieren. Das Leben ist nicht weniger spannend, wenn man mehr auf seine Gesundheit achtet. 

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